Partnersuche in den Niederlanden
Bis 2025 investieren die Niederlande 20 Milliarden Euro in Innovation – bei niedriger Inflation und Arbeitslosigkeit.
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Die Parlamentswahlen Ende November haben die Niederlande mehrfach aus der Balance geworfen. Nicht nur, dass am Wahlabend die radikal rechte Partei für die Freiheit (PVV) von Geert Wilders überraschend deutlich voranlag. Auch im Nachspann war für Unruhe gesorgt. Denn das traditionelle Procedere, wonach von den Wahlsiegern zunächst ein Sondierer beauftragt wird, um in Gesprächen mit den anderen Fraktionschefs die Chancen einer Koalition auszuloten, geriet aus den Fugen. Der von den Rechtspopulisten ins Feld geschickte „Aufklärer“ Gom van Strien musste noch vor dem ersten Termin wegen einer Betrugsanzeige zurücktreten. Zudem verweigern die anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der PVV. Stürmische Tage in Den Haag, dem niederländischen Parlaments- und Regierungssitz.
In der eigentlichen Hauptstadt Amsterdam und Europas größter Hafenstadt Rotterdam brummt indes der Wirtschaftsmotor bei einer Arbeitslosigkeit von nur zwei Prozent und einer Inflation von 3,7 Prozent. Im vergangenen Jahr überraschte die niederländische Wirtschaft somit mit einem Wachstum von 4,5 Prozent. Ganz zog die konjunkturelle Großwetterlage aber an dem Land, das nur halb so groß wie Österreich ist, aber doppelt so viele Einwohner hat, nicht vorbei. Für heuer wird zumindest noch ein Plus von 0,8 Prozent erwartet, für 2024 wieder ein Anstieg auf 1,6 Prozent. Parallel schmilzt der bilaterale Warenaustausch mit Österreich dagegen in beiden Richtungen etwas ab. Dabei sieht Österreichs Wirtschaftsdelegierter Michael Spalek vor allem für die Bauwirtschaft große Chancen: „Es besteht großer Nachholbedarf bei der Sanierung und im Neubau.“ So plant der Staat den Bau von 900.000 neuen Wohnungen bis 2030. Damit will man auf das Bevölkerungswachstum und die steigende Zahl an Single-Haushalten reagieren.
Größte Börse Europas
Potenzial für Kooperationen sieht Spalek auch bei nachhaltiger Energie. Denn seitdem die Regierung Europas größtes Erdgasfeld bei Groningen wegen permanenter Erdbeben, die durch die Förderarbeiten verursacht wurden, Anfang Oktober geschlossen hat, hat ein intensiveres Umdenken in Richtung erneuerbarer Energien eingesetzt. Auch in anderen Sektoren ist der Markt in Bewegung. So hat die Amsterdamer Börse nach dem Brexit London den Rang als größte Drehscheibe für den Aktienhandel in Europa abgelaufen. Da viele Güter über die großen Häfen umgeschlagen werden, gelten die Niederlande mittlerweile als zweitgrößter Agrarexporteur der Welt. Zeitgleich etabliert sich Rotterdam als LNG-Terminal für Europa und positioniert sich das gesamte Land als eines der innovationsfreundlichsten Länder der Welt, wirbt Spalek. Schon jetzt liegt die Quote bei 1.800 Start-ups pro 10.000 Einwohner – und damit drei Mal so hoch wie in Österreich.
Aktuell sind 170 österreichische Unternehmen in den Niederlanden mit Niederlassungen vertreten, unter anderem auch die steirische Knapp-Gruppe, die unter anderem ein Logistiklager für den Onlinehändler Zalando bei Rotterdam realisiert hat.