Strategische Brücke im Nordatlantik
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Wahlen in Grönland, so what? Bislang blieben Urnengänge zur Neuzusammensetzung des 31-sitzigen Inatsisartut – des grönländischen Parlaments – unter dem allgemeinen Aufmerksamkeitsradar. Dank Donald Trump ist das bei der Wahl am 11. März allerdings anders. Der US-Präsident hatte vor und nach seiner diesjährigen Angelobung eine alte Wahlkampfforderung von 2019 wiederholt, wonach Grönland ein Teil der USA werden solle.
Trumps Annexionsfantasien umfassen dabei Varianten von wirtschaftlichem Druck über militärische Aktionen bis hin zum Kauf der größten Insel der Welt. Neben der militärstrategischen Bedeutung durch einen US-Luftwaffenstützpunkt und die Nähe zu Russland geht es bei dem riesigen Territorium im Nordatlantik vor allem um die unter der (noch) dicken Gletschereisdecke schlummernden Rohstoffe wie Öl, Gas, Gold, Diamanten, Uran, Zink und Blei. Sie stehen aufgrund der Erderwärmung und der künftig wohl sehr viel einfacheren Gewinnung, vor allem aber wegen Trumps jüngstem Vorstoß wieder im Fokus. Nicht zuletzt deshalb wurden auch die Wahlen um einen Monat auf kommenden Dienstag vorgezogen.
Denn immer wieder – so auch in diesem Wahlkampf – hatten grönländische Politiker eine stärkere Annäherung an die USA thematisiert. Trumps aktuelle Avancen gehen manchen aber dann doch zu weit. Denn eigentlich gehört Grönland seit über 600 Jahren zu Dänemark und seit 1973 zur EU. Zwar haben die rund 57.000 Einwohner 1982 für einen Austritt aus der EU gestimmt und diesen drei Jahre später auch vollzogen und seit 2009 das Recht, sich durch ein Referendum für unabhängig zu erklären, auf eine vollständige Autonomie hat man bislang aber verzichtet. Wohl auch, weil aus Dänemark jährlich Subventionen in Höhe von knapp einer Milliarde Dollar nach Grönland fließen, die etwa die Hälfte des öffentlichen Haushalts abdecken. Wirtschaftlich ist man indes aufgrund eines Abbauverbots für Bodenschätze weiterhin auf die Fischerei angewiesen.
Forscher aus Österreich
Auch Österreichs Wirtschaftsbeziehungen haben sich bislang auf den Import grönländischen Fischs im Wert von zuletzt rund einer Million Dollar konzentriert. Umgekehrt weist die Statistik fotografische Apparate und Prüfinstrumente als Hauptexportgut aus Österreich aus. „Schuld“ daran ist nicht zuletzt die Grazer Karl-Franzens-Universität. Mit der Universität Kopenhagen wurde vereinbart, die Forschungsstation Sermilik im Osten Grönlands zu einer modernen internationalen Forschungseinrichtung auszubauen und gemeinsam zu betreiben. Und auch an der FH Joanneum rückt Grönland aktuell in den Fokus. Das Institut Industrial Management geht im August auf eine Forschungsexpedition. Das Team setzt sich zusammen aus Studierenden der Institute Design & Kommunikation, Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement, Electronic Engineering, Industrial Management, Luftfahrt/Aviation sowie Wirtschaftsinformatik und Data Science.