„Wir alle kämpfen ständig gegen die Uhr“
Lange Wartezeiten sind am Cargo Terminal Graz in Werndorf Geschichte. Direktor Ronald Kiss erklärt die gesetzten Maßnahmen und den Nutzen für Unternehmen.
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Das Cargo Terminal Graz wurde erst 2024 erweitert. Trotzdem gab es im Juni Kapazitätsengpässe. Lkw-Fahrer mussten stundenlang warten. Es kam zum Rückstau. Wieso?
Das Cargo Terminal ist auf kombinierten Güterverkehr ausgelegt. Dass die Adriahäfen und der südliche Transportkorridor für die österreichische Wirtschaft immer wichtiger werden, hat sich seit längerem abgezeichnet. Bereits 2022 haben wir daher beschlossen, das Terminal zu erweitern, und haben dazu den Bedarf unserer Kunden, Operateure und Reedereien erhoben. 2024 wurde das Terminal B in Betrieb genommen. Allerdings liegt der Umschlag heute bei einem Wert, der erst in fünf bis sieben Jahren erwartet wurde.
Von welchen Umschlagmengen sprechen wir?
Wir haben am Standort täglich rund 1.500 Hubbewegungen, dazu kommen pro Tag circa 400 Lkw und zwölf Züge, die abgewickelt werden müssen. Als es im Juni zum Rückstau mit stundenlangen Wartezeiten gekommen ist, waren vor allem die Spitzenzeiten das Problem. Montagmorgen sind bei uns am Terminal, um sechs Uhr in der Früh, rund 200 Lkw gestanden. Viele davon waren Hafentransporte, aber auch unsere heimischen Transportunternehmen haben mitgelitten. Diese Spitzenzeiten haben wir nun eliminiert. Die 400 Lkw kommen nun über den Tag verteilt.
Wie ist das gelungen?
80 Prozent der Lieferungen erhalten wir vom Hafen in Koper. Die Kette, die dabei in Gang gesetzt wird, obliegt grundsätzlich den Logistik-Operateuren. Bis vor Kurzem war es so, dass wenn ein Containerschiff in Koper angelegt hat, die gesamten Züge ausgebucht und zu uns ins Cargo Terminal geschickt wurden. Gleichzeitig hat man auch alle verfügbaren Lkw beladen und in Richtung Werndorf in Bewegung gesetzt. Das hat das System völlig überlastet. Als erste Maßnahme haben wir daher in Absprache mit den Kunden eine Priorisierung eingeführt. Das heißt: An erster Stelle steht bei uns die Zug-Be- und -Entladung. Danach kommt der sogenannte Werksverkehr, also alle Container, die mittels Lkw direkt an die Kunden in der Region geliefert werden. Erst zum Schluss werden jene Lkw abgewickelt, die von den Häfen zu uns kommen. Den heimischen Unternehmen spart das Zeit. Wir bekommen positive Rückmeldungen.
Welche weiteren Maßnahmen wurden gesetzt?
Wir haben zusätzliche Checkplätze bei der Nordeinfahrt errichtet und versuchen gemeinsam mit den Reedereien, den Bestand an Leercontainern zu senken und konstant niedrig zu halten. Als Zwischenlösung haben wir auch einen Abfertigungsplatz verlegt und wollen unsere Betriebszeiten sukzessive erweitern. Zusätzlich werden wir heuer auch unsere Anmeldung digitalisieren. Statt wie bisher die Lkw klassisch mit Ladepapieren abzufertigen, sollen die Daten künftig vom Disponenten oder Fahrer am Desktop oder Mobiltelefon bereits im Voraus eingegeben werden können. Der Fahrer erhält dann einen QR-Code. Und wir haben im August einen sechsten Portalkran aufgestellt. Er ist vollautomatisiert, erweitert unsere Hubkapazität und wird im November in den kommerziellen Vollbetrieb gehen (mehr dazu siehe unten). Wir sind alle kommunizierende Gefäße. Wenn es Probleme gibt, bitten wir, sie uns zu melden. Wir sehen uns das an und optimieren gegebenenfalls Prozesse. Das Geschäft ist stressig. Wir alle kämpfen ständig gegen die Uhr. Je früher wir kommunizieren, umso schneller lassen sich Probleme lösen.