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Hermann Huber, Bezirksobmann Kitzbühel
© Flash Kitzbühel

Obmann Hermann Huber zum Thema "Freizeitwohnsitze"

Freizeitwohnsitze leisten einen klar messbaren Beitrag zur regionalen Wertschöpfung, sichern Arbeitsplätze und bringen Kaufkraft in die Region. Diese Effekte sind real und nicht hypothetisch.

Lesedauer: 3 Minuten

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10.04.2026

Die Diskussion rund um Freizeitwohnsitze ist wichtig – aber sie muss auf realistischen Annahmen basieren. Genau hier liegt das zentrale Problem der aktuellen Gegenstudie im Auftrag der Liste Fritz: Sie arbeitet mit einem idealisierten Alternativszenario, das mit der wirtschaftlichen Realität wenig zu tun hat.

Es wird unterstellt, dass tausende Freizeitwohnsitze eins zu eins durch Erstwohnsitze oder touristische Nutzungen ersetzt würden – und zwar mit vergleichbaren wirtschaftlichen Effekten. Das ist fachlich fragwürdig. Freizeitwohnsitz-Investoren bewegen sich in einem eigenen Marktsegment mit deutlich höherer Zahlungsbereitschaft. Ohne diese Nachfrage wäre ein erheblicher Teil der (baulichen) Wertschöpfung in unserer Region schlicht nicht entstanden.

Gleichzeitig werden zentrale Kostenaspekte nicht ausreichend berücksichtigt. Zusätzliche Einwohner bedeuten nicht nur zusätzliche Einnahmen, sondern auch erhebliche Ausgaben für Kinderbetreuung, Schulen, soziale Infrastruktur und Mobilität. Wer nur Einnahmen betrachtet, ohne diese Effekte umfassend einzubeziehen, erhält kein vollständiges Bild.

Ein weiterer Punkt wird oft ausgeblendet: Zusätzliche Bevölkerung im Bezirk Kitzbühel entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie würde in anderen Regionen fehlen. Volkswirtschaftlich handelt es sich daher nicht um zusätzlichen Wohlstand für Tirol, sondern um eine Verlagerung von Wertschöpfung und Steuerkraft. Bei „Zweitheimischen" hingegen entsteht zusätzliche Kaufkraft von außen, die tatsächlich in die Region fließt.

Gleichzeitig ist auch klar: Die Gegenstudie vergleicht die aktuelle Situation mit einem konstruierten Alternativmodell, in dem Immobilien teilweise als Hauptwohnsitze und teilweise touristisch genutzt werden – verbunden mit zusätzlichen Annahmen zu Bevölkerung, Beschäftigung und wirtschaftlicher Dynamik. Auf dieser Basis wird eine rechnerische Mehrwertschöpfung von rund 11 Millionen Euro abgeleitet. Diese ergibt sich jedoch nur unter der Voraussetzung, dass sämtliche dieser Annahmen tatsächlich eintreten. Genau diese Kette an Annahmen ist mit Unsicherheiten behaftet und empirisch nicht belegt. Es wird somit kein Ist-Zustand mit einem real beobachtbaren Szenario verglichen, sondern mit einem modellhaften Idealbild. Entsprechend kritisch müssen die daraus gezogenen Schlussfolgerungen bewertet werden.

Gerade bei der unterstellten touristischen Nutzung zeigt sich das Problem besonders deutlich: Ein zentraler Denkfehler ist die Annahme, dass jene, die heute Freizeitwohnsitze nutzen, automatisch als Gäste zurückkehren würden. Die Realität ist eine andere: Wer sich bei uns nicht mehr willkommen fühlt, kauft in Südtirol oder der Schweiz – und diese Kaufkraft ist für unsere Region verloren und kommt nicht über den Tourismus zurück.

Unsere Studie vom vergangenen Jahr zeigt demgegenüber ein differenziertes und realitätsnahes Bild. Freizeitwohnsitze leisten einen klar messbaren Beitrag zur regionalen Wertschöpfung, sichern Arbeitsplätze und bringen Kaufkraft in die Region. Diese Effekte sind real und nicht hypothetisch.

Für uns ist daher klar: Freizeitwohnsitze dürfen nicht als politisches Feindbild missbraucht werden. Wer die Realität auf einfache Schuldzuweisungen reduziert, macht es sich zu leicht und verhindert echte Lösungen. Eine Debatte auf Basis theoretischer Modellrechnungen, die ein verzerrtes Bild zeichnen, befeuert am Ende nur eine lösungslose Sündenbock-Politik.

Der aktuelle Vorstoß der Liste Fritz verstärkt genau diese Entwicklung und bestärkt selbsternannte Sheriffs, die Briefkästen durchstöbern und Menschen bespitzeln. Genau deshalb haben wir diese Debatte ursprünglich angestoßen: nicht um zuzuspitzen, sondern um Wertschätzung für Wertschöpfung zu schaffen und die wirtschaftliche Realität wieder ins Zentrum zu rücken.

Der Vollständigkeit halber darf ich die wichtigsten Fakten unserer Studie vom vergangenen Jahr nochmals zusammenfassen:

  • Rund 5.700 legale Freizeitwohnsitze im Bezirk Kitzbühel
  • Jährliche regionale Wertschöpfung von rund 190–200 Mio. Euro
  • 1.700 bis 1.800 gesicherte Arbeitsplätze in der Region
  • Zusätzliche Steuer- und Abgabeneinnahmen von rund 40–50 Mio. Euro
  • Breite Effekte für Bauwirtschaft, Handwerk, Handel, Tourismus und Dienstleistungen
  • Hohe Kaufkraftzuflüsse in die Gemeinden