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Raffinerie Schwechat
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Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie, Fachvertretung

Rohstoffe (3.3.2026) − Öl- und Gaspreise steigen, Gold gibt nach

Sorgen vor Lieferengpässen wegen Hormuz-Blockade - Gold wegen Zinssorgen unter Druck 

Lesedauer: 4 Minuten

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03.03.2026

Wien (APA/dpa-AFX) - Die Ölpreise sind am Dienstag erneut kräftig gestiegen. Der Iran-Krieg treibt weiter die Notierungen. Der Brentpreis erreichte kurzzeitig mit 85,54 US-Dollar je Barrel (159 Liter) den höchsten Stand seit Juli 2024.

Zuletzt lag der Preis für die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai bei 84,37 US-Dollar. Das waren 8,07 Prozent mehr als am Vortag und über 11 Dollar mehr als zu Beginn des Iran-Kriegs. Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im April stieg um 8,54 Prozent auf 77,38 Dollar.

Der Irak hat seine Ölexporte aus seiner halbautonomen Region Kurdistan zum Hafen von Ceyhan in der Türkei eingestellt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Etwa 200.000 Barrel Öl pro Tag wurden gestrichen. Es handle sich um Vorsichtsmaßnahmen, angesichts des sich verschärfenden Konfliktes, bei dem der Iran auch immer wieder Nachbarländer angreift. Die Nachricht gab den Ölpreisen weiter Auftrieb.

Am Wochenende hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes Ajatollah Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte außerdem den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Öl- und Gashandels.

Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung könnte die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern. In der Nacht auf Dienstag setzten sich die gegenseitigen Angriffe fort. Der Iran drohte zudem mit einer vollständigen Sperre der Straße von Hormuz.

"Je nachdem, wie stark das Ölangebot zurückgeht, dürfte der Ölpreis unterschiedlich stark ansteigen", schreiben Experten der Commerzbank. "Nimmt man an, dass das Ölangebot längerfristig um knapp 5 Prozent zurückgeht, dürfte dies zu einem Ölpreis von knapp 78 Dollar führen." Derzeit scheinen die Märkte von einem solchen Szenario auszugehen. "Bei einer vollständigen Blockade von der Straße von Hormuz, durch die das Angebot um 20 Prozent zurückgehen würde, dürfte der Ölpreis auf über 100 Dollar ansteigen", erwarten die Commerzbank-Experten.

Auch Preis für europäisches Erdgas legt erneut deutlich zu

Nach oben getrieben wurde auch der Preis für europäisches Erdgas. Er kletterte auf den höchsten Stand seit über drei Jahren wegen eines fortgesetzten Lieferstopps von Flüssiggas aus dem wichtigen Förderland Katar. Zuletzt stieg der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung im April auf 58,85 Euro je Megawattstunde (MWh). Das waren etwa 35 Prozent mehr als am Vortag und über 80 Prozent mehr als am Freitag.

Seit Beginn der Woche sind Exporte von LNG-Flüssiggas aus Katar gestoppt. Am Montag wurde eine wichtige Anlage zum Export von LNG-Flüssiggas nach einem iranischen Drohnenangriff stillgelegt. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern suchen Kunden aus Asien derzeit fieberhaft nach Alternativen für ausfallende Gaslieferungen, was auch die Preise auf dem europäischen Markt nach oben treibt.

Wie stark die Öl- und Gaspreise weiter steigen, werde von Dauer und Schwere der Konfliktfolgen abhängen, erklären die Rohstoffstrategen der Bank RBC. Angesichts Irans Drohnen- und Raketenarsenals sei jedoch mit weiteren Ausfällen entlang der Lieferketten zu rechnen. In einem länger anhaltenden Konfliktszenario könnten den Experten zufolge die Ölpreise in den dreistelligen Bereich steigen, während die Gaspreise mindestens auf das höchste Niveau seit Anfang 2023 klettern dürften.

Goldpreis korrigiert deutlich nach unten

Auch Edelmetalle, die üblicherweise in Zeiten hoher Unsicherheit bei Anlegern als sicherer Hafen beliebt sind, hatten einen schweren Stand. Der Goldpreis stand zuletzt 3,6 Prozent tiefer bei 5.139,79 US-Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm). Er gab damit die Zuwächse seit Beginn der vergangenen Woche wieder ab. Ähnliches zeigte sich auch beim Silberpreis, der am Dienstag um 9,3 Prozent auf 81,64 Dollar je Feinunze nachgab.

Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank begründete dies mit den Sorgen vor den inflationären Auswirkungen des Irankonflikts. Angesichts dieser hätte der Markt die Zinssenkungserwartungen zurückgeschraubt. Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten der Haltung von Edelmetallen, da diese im Gegenzug zu verzinslichen Wertpapieren keine laufenden Erträge abwerfen.

"Als Blaupause dienen hier wohl die Erfahrungen aus dem Jahr 2022, als der Ausbruch des Ukraine-Krieges den Ölpreis und somit auch die Inflation weltweit deutlich nach oben geschoben hatte", schrieb Nguyen. Durch den daraus folgenden weltweiten Zinserhöhungszyklus habe sich der Goldpreis im Laufe des Jahres 2022 abgeschwächt.