Nachhaltigkeitsfrühstück der WK Tirol bei Firma Fröschl in Hall
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So kann zukunftsfittes Bauen aussehen

7. Nachhaltigkeitsfrühstück der WK Tirol bei Firma Fröschl in Hall

Lesedauer: 2 Minuten

21.02.2024

Das 7. Tiroler Nachhaltigkeitsfrühstück am 9.2.2024 - organisiert von der Tiroler Wirtschaftskammer gemeinsam mit respACT - fand im Fröschl Haus in Hall statt: die optimale Location, um über nachhaltiges Bauen zu diskutieren.

Das Fröschl Haus zeige, "wie das Unternehmen Nachhaltigkeit nicht nur plakatiert, sondern in der Praxis lebt", betonte Franz Föschl einleitend. ESG (Environmental, Social & Governance - deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) ist bei Fröschl kein Schlagwort: Mit insgesamt 11 PV-Anlagen, dem Bau von vielfach energieautarken Gebäuden und konkreten Recycling-Zielen bei der Verwendung von Kies, Beton und Asphalt setzt die Geschäftsführung nicht nur auf ökologische und Klimaziele, sondern legt auch großen Wert auf soziale Standards. Die Herausforderungen der Branche sind allerdings kein Geheimnis: Schwierigkeiten bei der Datenerfassung, vor allem im Scope 3-Bereich , und die leider noch oft fehlende Akzeptanz sowie regulatorische Grundlagen für die Verwendung von Recyclingprodukten.

Auf die technischen Details hinter diesen Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten einer nachhaltigen, innovativen und zukunftsfitten Bauweise ging Josef Ascher, Bereichsleiter in der Firma Fröschl, ein. Bewusst wurde etwa ein komplett energieautarkes Gebäude, jedoch kein Passivhaus errichtet, und so auf eine Klimaanlage verzichtet, damit Mitarbeitende zum Lüften die Fenster öffnen können. Außerdem zeigte Ascher die Vorteile einer Sichtbetonfassade mit Vorsatzschale auf, die eine optimale Speicherfähigkeit und Wärmeisolierung ermöglicht. Ein weiteres spannendes Detail ist die photokatalytische Luftreinigung der Betonfassade: Durch die Zugabe von Titanoxid als Katalysator im Beton werden Stickoxide aus der Umgebungsluft mittels Sonneneinstrahlung oxidiert und in Nitrate umgewandelt. Das Ergebnis: Schadgase werden aus der Luft entzogen, und daraus wird Nitrat für den Düngereinsatz gewonnen.

Dass Zement, dessen Herstellung 7% der globalen CO2-Emissionen ausmacht, als der Klimakiller gilt, liegt weniger am Baustoff an sich, der laut einer Schweizer Studie im Vergleich zu anderen eine bessere Klimabilanz aufweist, sondern an den enormen Mengen, die produziert werden. Diese Problematik brachte Anett Brandl von der Energieagentur Tirol in ihrem Impulsvortrag auf den Punkt: Bei einem Gesamtfußabdruck von 76 Mio. Tonnen pro Jahr ist die Baubranche in Österreich mit 54 Mio. Tonnen der weitaus größte Verbraucher. Um dem entgegenzuwirken, wurden in der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie ambitionierte Ziele gesetzt. Dazu gehören etwa das Deponieverbot für Betonabbruch, Aushubmaterialien und Gipskartonplatten, der Vorschlag einer Bewilligungspflicht für den Abbruch und Rückbau von Gebäuden sowie die Dokumentation von verbautem Material, beispielsweise mittels digitaler Gebäudepässe. Es sei betont, dass Recycling einer der letzten Schritte im Sinne der Kreislaufwirtschaft ist und schon viel früher, etwa durch Vermeidung und Refurbishment, angesetzt werden muss, um den Materialverbrauch signifikant zu senken. Einige Start-ups und Unternehmen haben sich diesen Herausforderungen mit neuen Geschäftsmodellen angenommen, darunter das Innsbrucker Start-up revitalyze. Mit einem digitalen Ökosystem vermittelt dieses Unternehmen große Unternehmen, Bauträger und Gemeinden untereinander, um Baumaterialien, die rückgebaut oder abgerissen werden, effizienter und mehrfach zur Wiederverwendung oder zum Recycling zu bringen. Die Plattform bietet dafür im ersten Schritt eine Bestandsanalyse der vorhandenen, wiederverwertbaren Materialien eines Gebäudes und vermittelt diese im weiteren Schritt an nachfragende Marktteilnehmer.

BU: Im Bild (oben, v.l.): Franz Fröschl (Geschäftsführung, Fröschl), Marlene Hopfgartner (Wirtschaftskammer Tirol), Simon Meinschad (respACT), Thomas Mayr (Geschäftsführung, Fröschl), Gerald Gunsch (Nachhaltigkeitsmanager, Fröschl) und Josef Ascher (Bereichsleiter Hochbau, Fröschl).