Zum Inhalt springen
Windpark bei Sonnenuntergang
© I LOVE ADVANTURE | stock.adobe.com

Australien: Ausbau erneuerbarer Energien langsamer als geplant

New South Wales kämpft mit Genehmigungen, Netzausbau und Widerstand vor Ort

Lesedauer: 1 Minute

Australien Energiewirtschaft Erneuerbare Energien
17.09.2026

Als die Regierung von New South Wales (NSW) im Jahr 2020 ihre Strategie für den Ausbau erneuerbarer Energien vorstellte, galt das Vorhaben als eines der größten Infrastrukturprojekte in der Geschichte des Bundesstaates. Mithilfe sogenannter Renewable Energy Zones (REZs) sollen Windparks, Solarparks und Batteriespeicher gebündelt und über neue Stromleitungen an das Netz angeschlossen werden. Ziel ist es, die Kohleverstromung schrittweise zu ersetzen und bis 2030 insgesamt 12 Gigawatt erneuerbare Erzeugungskapazität bereitzustellen.

Knapp sechs Jahre später zeigt sich jedoch, dass die Umsetzung deutlich langsamer verläuft als geplant. Die zuständige Agentur EnergyCo hat in den vergangenen zwei Jahren rund 939 Millionen AUD weniger ausgegeben als ursprünglich budgetiert. Als Hauptgründe gelten langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, Anpassungen von Trassenverläufen sowie umfangreiche Konsultationen mit betroffenen Gemeinden und Grundeigentümern.

Besonders wichtig ist die New England Renewable Energy Zone, die langfristig bis zu 8 Gigawatt Leistung bereitstellen und damit rund zwei Drittel des gesamten Ausbauziels erfüllen soll. Allerdings befindet sich das Projekt weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase. Der Bau der notwendigen Übertragungsleitungen hat noch nicht begonnen und die ursprünglich vorgesehenen Zeitpläne mussten bereits mehrfach nach hinten verschoben werden.

Auch generell gehören die Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energieprojekte in NSW zu den langsamsten Australiens. Viele Wind- und Solarprojekte stoßen auf erheblichen Widerstand in den betroffenen Regionen, was zusätzliche Prüfungen und Verzögerungen nach sich zieht. Gleichzeitig sind die Baukosten für erneuerbare Energieanlagen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, wodurch viele bereits genehmigte Projekte noch keine endgültige Finanzierungsentscheidung erhalten haben.

Die Herausforderungen sind beträchtlich, denn der Bundesstaat liegt derzeit etwa 7,9 Gigawatt hinter seinem Ziel für 2030 zurück. Zudem wird erwartet, dass der Strombedarf in den kommenden Jahren stark steigt, unter anderem durch den raschen Ausbau von Rechenzentren. Die Stilllegung des Kohlekraftwerks Eraring, des größten Kohlekraftwerks Australiens, hängt ebenfalls davon ab, dass die neue Energieinfrastruktur rechtzeitig fertiggestellt wird.

Trotz der Verzögerungen hält die Regierung an ihren Ausbauzielen fest. Experten gehen zwar davon aus, dass das 2030-Ziel möglicherweise knapp verfehlt wird. Gleichzeitig betonen sie jedoch, dass ehrgeizige Ziele notwendig seien, um den Übergang zu einer klimafreundlicheren Energieversorgung voranzutreiben. Die kommenden Jahre werden daher entscheidend dafür sein, ob NSW den Wandel von der Kohle- zur erneuerbaren Stromerzeugung erfolgreich bewältigen kann.