Tokios Kampf gegen den Müll im Schatten des Rekordtourismus
Mit neuen Maßnahmen will die Metropole wieder Ordnung in die überfüllten Straßen bringen
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Japan erreichte im Jahr 2025 einen historischen Rekord von 42,7 Millionen ausländischen Besucher:innen, was einem Anstieg von fast 16% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gerade während der Kirschblütenzeit und zum Herbstlaub strömen Menschenmassen nach Tokio, Kyoto und Osaka. Dieser Boom belastet vor allem die tourismusintensiven Bezirke Tokios wie Shibuya oder Akihabara und führt dort zu einer zunehmend sichtbaren Müllbelastung.
Japan wird weltweit für seine Sauberkeit bewundert, verfügt jedoch über ungewöhnlich wenige öffentliche Mülleimer. Dies geht auf den Sarin-Anschlag im Jahr 1995 in mehreren U-Bahn-Linien zurück, bei dem Mülleimer teilweise als Versteck verwendet wurden. Nach dem Anschlag wurden viele Abfallbehälter aus Sicherheitsgründen entfernt. Für Japaner:innen wurde es daraufhin selbstverständlich, den eigenen Müll mit nach Hause zu nehmen. Für Tourist:innen ist dies jedoch ungewohnt und der Mangel an öffentlichen Müllbehältern zählt laut einer Umfrage der Japan Tourism Agency von 2025 zu den meistgenannten Beschwerden (22%).
Mit der stetig wachsenden Zahl an internationalen Besucher:innen lässt sich in beliebten Vierteln die Konsequenz von wachsendem Müll auf Straßen und öffentlichen Plätzen beobachten. In Akihabara, bekannt für seine vielen Elektronikgeschäfte und Popkultur, investiert der Bezirk nun 74 Millionen Yen (402.800 EUR) für zehn sogenannte „Smart Trash Bins“. Diese intelligenten Mülleimer messen ihren Füllstand in Echtzeit und komprimieren den Abfall automatisch auf ein Fünftel des ursprünglichen Volumens. Auch im belebten Shibuya werden Maßnahmen ergriffen: Ab Juni 2026 sind Convenience Stores und Cafes im Umfeld der Bahnhöfe Shibuya, Harajuku und Ebisu dazu verpflichtet Mülleimer bereitzustellen. Bei Missachtung droht eine Strafe von 50.000 Yen (272 EUR). Gleichzeitig müssen Passant:innen ebenfalls eine Strafe bezahlen, wenn sie in dieser Gegend Müll auf die Straße werfen.
Nachhaltiger Städtetourismus
Die Bemühungen gehen über die einzelnen Bezirke hinaus, denn auch die Tokyo Metropolitan Government verfolgt eine umfassende Strategie für nachhaltigen Tourismus und fördert ausgewählte Modellregionen mit hohen Millionensummen. Zudem plant die Stadt über Social Media das „Tokyo Cleanup Movement“ ins Leben zu rufen, um Tourist:innen aktiv dazu zu motivieren, ihren Müll selbst zu entsorgen.
Auch die Einwohner:innen Tokios wünschen sich derartige Maßnahmen: eine Studie des Metropolitan Government aus 2024 bestätigt, dass fast die Hälfte aller befragten Einwohner:innen den Tourismus inzwischen mit negativen Auswirkungen wie mehr Müll, Lärm und Überfüllung verbinden. Künftig sollen KI-basierte Analysen beispielsweise mittels speziellen Rabattaktionen helfen, Besucherströme bewusst in die Nebensaisonen zu lenken.
Tokio geht mit klarem Beispiel voran und stellt sich bewusst der Müllproblematik. Mit smarten Mülleimern, strengeren Regeln und kreativen Kampagnen setzt die Stadt ein deutliches Zeichen, dass sie die Herausforderungen des Overtourism ernst nimmt.
Sie haben Fragen zum Inhalt des Artikels oder zum Markt Japan im Allgemeinen? Christina Schösser und das Team im AußenwirtschaftsCenter Tokio freuen sich, von Ihnen zu hören (T +81-3-34031777).