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Mobiles Militärradar
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Rückblick: WKÖ Global Insights USA – Sicherheitspolitik trifft Handelspolitik

Webinar am 17. September 2026

Lesedauer: 4 Minuten

29.09.2026
Was bedeuten die neue US-Sicherheitsstrategie und die Verteidigungsstrategie für europäische Unternehmen, und wie schlagen sie sich in konkreten Handelsmaßnahmen nieder? Diesen Fragen ist WKÖ Global Insights in der zweiten Folge seiner USA Webinar Reihe nachgegangen.

Im Webinar wurde deutlich, welche Implikationen die aktuelle National Security Strategy oder auch America-First-Strategie hat: enger gefasste nationale Interessen, selektives Engagement, wirtschaftliche Sicherheit als Teil der nationalen Sicherheit und ein transaktionaleres Verständnis von Allianzen. Die National Defense Strategy übersetzt das in vier Prioritäten: Verteidigung der eigenen Hemisphäre, Abschreckung Chinas, stärkere Lastenverlagerung auf die Verbündeten und der Ausbau der eigenen Rüstungsindustrie. Dass China in der Rangfolge nicht mehr an erster Stelle steht, ist aus Washingtoner Sicht ausdrücklich kein Zeichen der Entspannung. China bleibt parteiübergreifend das Organisationsprinzip der US-Außenpolitik, und auch militärische Operationen in anderen Weltregionen werden in diese Logik eingeordnet.

Für Europa lautet die Botschaft Lastenverlagerung, nicht Rückzug. Washington erwartet, dass die Europäer die Verantwortung für ihre konventionelle Verteidigung weitgehend selbst übernehmen, damit die USA ihre Ressourcen auf den Indo-Pazifik konzentrieren können. Für NATO-Mitglieder heißt das der Richtwert von fünf Prozent des BIP, davon 3,5 Prozent für die Kernverteidigung. Für das neutrale Österreich gilt dieses Ziel nicht direkt, die Grundrichtung aber schon: Europa soll mehr ausgeben und mehr selbst produzieren.

Daraus ergeben sich auch Chancen für österreichische Unternehmen. Das US-Verteidigungsministerium stellt seine Beschaffung um, weg von teuren Einzelsystemen hin zu Skalierung, Autonomie und Geschwindigkeit. Der Lieferantenkreis wird bewusst erweitert, auch unterhalb der großen Rüstungskonzerne. Gefragt sind Partner, die sich in US-Lieferketten einfügen, US-Sicherheits- und Compliance-Anforderungen erfüllen und Ergänzendes statt Doppeltes liefern, etwa bei Autonomie, sicherer Kommunikation, fortgeschrittenen Materialien oder Logistik. Entscheidend ist zunehmend nicht nur, ob eine Technologie funktioniert, sondern ob sie schnell, günstig und in großer Stückzahl produziert werden kann. Als Wege in den Markt wurden eine eigene US-Präsenz, Partnerschaften mit großen US-Herstellern, Co-Produktion und frühzeitiger Kontakt zu den Beschaffungsstellen genannt.

Handelspolitik, Zölle und Folgen für Österreich

Auf der handelspolitischen Seite zeigte die Diskussion, wie eng Sicherheits- und Handelspolitik in Washington inzwischen verschränkt sind: Wirtschaftliche Sicherheit gilt als Teil der nationalen Sicherheit. Wichtigstes Instrument sind die Zölle nach Section 232, die mit nationaler Sicherheit begründet werden. Unter der aktuellen Administration wurden dazu 13 Untersuchungen eingeleitet, betroffen sind unter anderem Stahl, Aluminium, Kupfer, Autos und Autoteile. Offen sind noch Verfahren zu Windturbinen, Medizinprodukten sowie Robotik und Industriemaschinen. Hinzu kommt eine laufende Untersuchung zu struktureller industrieller Überkapazität, deren Ergebnis bis Jahresende erwartet wird und die Exportwaren aus Stahl, Aluminium oder Kupfer genauso wie Autos, industrielle Automatisierung und Robotik treffen könnte.

Für Österreich ist das besonders relevant. Weil österreichische Exporte in die USA stark in Branchen liegen, die unter Section 232 fallen, liegt der durchschnittliche Zoll auf US-Importe aus Österreich bei 11,6 Prozent, deutlich über dem globalen Durchschnitt von rund 8 Prozent. Gleichzeitig hat die USA mit Österreich das fünftgrößte Handelsbilanzdefizit innerhalb der EU. Da die Administration Handelsbeziehungen stark über das Defizit bewertet, steht Österreich damit im Blickfeld Washingtons.

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf die Midterm Elections am 3. November. Erwartet wird, dass das Repräsentantenhaus an die Demokraten geht, während der Senat republikanisch bleibt. Ein geteilter Kongress dürfte vor allem mehr Untersuchungen und weniger Zusammenarbeit mit dem Weißen Haus bringen. An der handelspolitischen Grundrichtung wird das aus Sicht der Diskussion wenig ändern: Die Neuausrichtung der US-Handelspolitik ist parteiübergreifend verankert, und eine Rückkehr zur früheren Logik ist auch unter künftigen Regierungen nicht zu erwarten.

Die Diskussion zeigte insgesamt: Für Unternehmen mit US-Geschäft ist Sicherheitspolitik keine abstrakte Größe mehr, sondern Teil der Kalkulation. Wer die Zollsituation der eigenen Produkte kennt, laufende Section-232-Verfahren beobachtet und Chancen in den neuen Beschaffungsstrukturen prüft, ist für die kommenden Jahre besser aufgestellt.

Hinweis
Nächste Folge: Die Midterm Elections – "It's the economy, stupid" Webinar am 10. November 2026, eine Woche nach der Wahl

Wie hat Amerika gewählt, und was heißt das Ergebnis für die US-Handelspolitik der nächsten zwei Jahre? Folge 3 ordnet ein, wie sich die neuen Mehrheiten im Kongress auf Zölle, Regulierung und das US-Geschäft österreichischer Unternehmen auswirken. Der Termin fällt in eine Phase, in der mehrere handelspolitische Entscheidungen anstehen.

Weiterführende Infos

  • Infopoint US-Zölle
  • Unsicher, welche Zölle für Ihr Produkt gelten? Das AußenwirtschaftsCenter Washington bietet eine erste, unverbindliche Einschätzung anhand Ihrer Warennummer: washington@wko.at

Beim Webinar zu Gast

  • Rob Pierce – Vice President, American Global Strategies, Washington
  • Fred Fischer – Senior Vice President, American Global Strategies, Washington

Moderation: Thomas Moschig – AußenwirtschaftsCenter Washington, WKÖ

Die Inhalte basieren auf dem Webinar vom 17. September 2026.