Drei Generationen, ein Standort, eine gemeinsame Vision: Autohaus Heher
Ein Familienbetrieb in Hürm mit langfristigen Zielen
Lesedauer: 7 Minuten
Mehr als ein Betrieb – eine generationsübergreifende Leidenschaft
Unser Autohaus in Hürm ist weit mehr als nur ein Unternehmen, das Rechnungen bezahlt. Es ist eine Leidenschaft – begonnen von meinem Großvater Karl, weiterentwickelt von meinem Vater Karl jun. und heute von mir, Patrick, fortgeführt. Seit drei Generationen besteht unser Betrieb, und das ist keineswegs zufällig entstanden. Jede Übergabe war eine bewusste Entscheidung – kein Zwang und keine Notlösung.
Die Anfänge reichen zurück ins Jahr 1980, als mein Großvater Karl den Betrieb in Hürm selbstständig aufgebaut hat. Als gelernter Schmiede- und Landmaschinentechniker brachte er jahrzehntelange Erfahrung mit, arbeitete unermüdlich und investierte schließlich in seine eigene Zukunft als Unternehmer.
1992 übernahm mein Vater Karl den Betrieb, führte Hyundai als neue Marke ein und entwickelte das Autohaus zu seiner heutigen Größe. Im Jahr 2017 erfolgte die Erweiterung um die Marke Suzuki als Haupthändler – ein Schritt, den ich bereits aktiv mitgestaltet habe. 2019 war schließlich ich an der Reihe.
Wenn man der nächsten Generation nicht vertraut, wird es nie den richtigen Zeitpunkt geben.
Karl Heher
Diesen Satz hat mein Großvater oft gesagt – und genau so wurde und wird es auch in unserer Familie gelebt. Mein Vater war Mitte 20, als er den Betrieb übernahm. Ich ebenfalls. Das mag im Vergleich zu anderen jung erscheinen, doch es war eine bewusste Entscheidung – und vor allem die richtige Einstellung.
Als mein Großvater die Landmaschinen und Schlosserei Werkstätte in so jungen Jahren an meinen Vater übergab, wurde er dafür durchaus kritisch angesehen. Viele hielten meinen Vater für zu jung, zu unerfahren oder noch nicht bereit. Doch mein Großvater war überzeugt vom Gegenteil.
Er sagte: Wenn mein Sohn den Betrieb mit 25 nicht versteht, wird er es mit 50 auch nicht. Er vertraute ihm – und schätzte seine Fähigkeiten, sein Engagement und seinen Einsatz.
Karl jun. traf schließlich die Entscheidung, den Betrieb weiterzuentwickeln und um eine KFZ‑Werkstätte zu erweitern.
Aufgewachsen zwischen Werkzeug und Kunden
Für meine Schwester Manuela und mich war der Betrieb nie weit entfernt – er war ganz selbstverständlich Teil unseres Familienlebens. Schon als Kinder kannten wir die Kunden, den Alltag und wussten genau, wo welches Werkzeug zu finden ist. Was heute vielleicht selbstverständlich klingt, hat uns in Wirklichkeit stark geprägt.
Unsere Mutter Sabine bringt es treffend auf den Punkt: „Unsere Kinder sind im Betrieb aufgewachsen, das hat sie geprägt.“ Und genau so war es auch. Es war keine Belastung, sondern einfach Alltag. Gerade deshalb ist in uns beiden irgendwann der Wunsch entstanden: Das wollen wir einmal weitermachen.
Heute arbeiten wir gemeinsam mit zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Lehrlingen im Betrieb. Viele von ihnen sind nach ihrer Ausbildung geblieben – aus eigener Entscheidung. Das bedeutet uns mehr als jede Auszeichnung. Wer bei uns beginnt, wird schnell Teil des Teams und spürt, dass Zusammenhalt bei uns nicht nur ein Wort ist, sondern gelebt wird.
Loslassen als Teil des Aufbauens
Eine Betriebsübergabe klingt nach einem klar definierten Moment. In Wirklichkeit ist sie ein Prozess, der sich über längere Zeit entwickelt. Bei uns war das nicht anders. Ein einschneidender Punkt war 2018, als mein Vater einen Augeninfarkt hatte – ein Ereignis, das vieles verändert hat. Und dennoch war die Übergabe im Jahr 2019 keine Notlösung, sondern ein bewusst vorbereiteter Schritt, getragen von Vertrauen auf beiden Seiten.
Mein Vater bringt es selbst auf den Punkt: „Loslassen gehört genauso dazu wie Aufbauen.“ Das klingt einfach, aber Verantwortung abzugeben ist nicht selbstverständlich – umso wertvoller ist das Vertrauen, das dahintersteht.
Auch meine Mutter Sabine hat nach der Übergabe nicht aufgehört, sich im Betrieb einzubringen. Im Jahr 2023 hat sie mit Automobile Sabine Heher e.U. ein eigenes Standbein gegründet und zugleich eine neue Marke, Mitsubishi, in den Betrieb integriert. Unsere Familie zieht sich also nicht zurück – sie entwickelt sich weiter und bringt neue Impulse ein.
Mit der Zeit gehen – weil wir es wollen
Der Automobilmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Unsere Mutter erinnert sich: „Früher haben wir Briefe noch mit der Schreibmaschine verfasst – heute wird kaum noch etwas ausgedruckt.“ Dieses Bild beschreibt den Wandel sehr treffend. Kundenerwartungen, Technologien und Mobilitätsbedürfnisse haben sich stetig weiterentwickelt – und wir uns mit ihnen.
Auch im Bereich der Elektromobilität haben wir früh die richtigen Schritte gesetzt. Unsere Werkstatt wurde gezielt auf die Anforderungen von E-Fahrzeugen umgestellt, sodass diese heute einen wichtigen Teil unseres Umsatzes ausmachen. Das war kein einfacher Weg: Er erforderte Investitionen, Überzeugung und ein klares Bekenntnis zur Zukunft der Mobilität.
Denn für uns gilt: Wer stehen bleibt, fällt zurück. Wer Marken wie Hyundai, Mitsubishi und Suzuki im Bereich Elektromobilität vertritt, muss auch im eigenen Betrieb die nötigen Voraussetzungen schaffen. Genau das haben wir getan – aus Überzeugung und weil wir aktiv mitgestalten wollen.
Nachhaltig investieren – mit Blick auf Generationen
Nachhaltigkeit ist für uns kein bloßes Schlagwort, sondern ein echtes Anliegen. Bereits seit 2012 decken wir unseren Energiebedarf durch Erdwärme, die mithilfe von 17 Tiefenbohrungen gewonnen wird. Ergänzend dazu erzeugen Photovoltaikanlagen auf der gesamten Dachfläche Strom. Seit 2025 sorgt zudem ein großer Elektrospeicher dafür, dass das gesamte Objekt zuverlässig versorgt wird.
All diese Maßnahmen waren mit großen Investitionen verbunden, langfristig gedacht und alles andere als einfache Entscheidungen. Mein Vater hat es einmal so formuliert: „Wir investieren nicht für das nächste Jahr, sondern für die nächsten Jahrzehnte.“ Genau darin liegt für uns der Kern von Nachhaltigkeit. Manchmal bedeutet das auch, Entscheidungen zu treffen, von denen man selbst vielleicht nicht mehr unmittelbar profitiert.
Bei all diesen Investitionen war immer klar: Sie sind für den Betrieb bestimmt – und damit für die Zukunft. Sowohl mein Großvater als auch mein Vater haben vor ihrem Rückzug nicht gezögert, weitere Schritte zu setzen und in den Betrieb zu investieren. Sie wussten, dass ein Familienunternehmen nicht an eine einzelne Person gebunden ist, sondern über Generationen hinweg besteht. Es gehört der Familie – und trägt sich von einer Generation zur nächsten weiter.
Corona: Herausforderung und Zusammenhalt
Die Pandemie hat uns alle vor große Herausforderungen gestellt. Kunden konnten nicht mehr einfach ins Autohaus kommen, gewohnte Abläufe funktionierten plötzlich nicht mehr und vieles musste neu gedacht werden. Inmitten dieser Unsicherheit war für uns jedoch klar, dass wir unsere Aufgabe weiter erfüllen wollen: die Menschen in unserer Region mobil zu halten.
Gerade in dieser Zeit wurde deutlich, wie wichtig das ist. Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal und Einsatzkräfte waren darauf angewiesen, zuverlässig unterwegs zu sein – auch während der Pandemie. Für uns war das keine Option, sondern eine Verpflichtung.
Unsere Großmutter hat damals einen wichtigen Satz gesagt: „Gerade in schwierigen Zeiten tut es gut zu wissen, dass man die Herausforderung mit der Familie meistern kann.“ Genau dieses Gefühl hat uns getragen und gestärkt.
Jede Generation steht vor ihren eigenen Herausforderungen. Mein Großvater Karl hatte die Aufbaujahre und begann bei null. Mein Vater hatte mit Marktveränderungen, großen Umbauten und gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. Und wir erleben eine Zeit geprägt von Corona, Elektromobilität und einer Branche im Wandel. Doch jede Generation findet auch ihre eigenen Wege und Lösungen – und genau darin liegt die Stärke unseres Familienunternehmens.
Was uns antreibt
Es ist schön zu sehen, dass sich unser Autohaus gut entwickelt – und das ist kein Zufall. Dahinter stehen Menschen, die nicht nur in Quartalen gedacht haben, sondern in Generationen.
Alles beginnt bei meinem Großvater Karl, der mit ca. 37 Jahren selbst noch nicht wusste, was ihn erwartet, und dennoch den Mut hatte zu investieren und etwas aufzubauen. Mein Vater hat diesen Weg weitergeführt – und selbst kurz vor der Pension nicht aufgehört, in die Zukunft des Betriebs zu investieren.
Und genau hier schließt sich der Kreis: Es hört bei uns nicht auf, sondern wird auch nach uns weitergehen. Denn unser Autohaus ist weniger ein Besitz als vielmehr eine Verantwortung. Eine Verantwortung, die wir heute tragen – und die wir eines Tages an die nächste Generation weitergeben werden.
Zur Website vom Autohaus HeherKurz gefragt …
Meine größte Motivation ist es ...
ist es unsere Kund:innen mobil zu halten und somit die Region am Laufen.
Erfolg bedeutet für mich ...
mit der Zeit zu gehen aber nicht zu vergessen, woher man ursprünglich gekommen ist.
Scheitern ist ...
unangenehm und schmerzhaft. Aber nur wenn wir wissen, wie etwas nicht funktioniert, kann ich herausfinden, wie es geht.
Mein Tipp für Nachfolger:innen ...
Übernahme ist kein Zeitpunkt, sondern ein Prozess. Lasse dich schon früh auf diesen ein und sei offen dafür.