Weiterbeschäftigungszeit bzw. Behaltezeit von Lehrlingen
Mit den Unterschieden nach Branchen: Bestimmungen für die verpflichtende Weiterbeschäftigung nach Ende des Lehrverhältnisses im Überblick
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Grundsätzliches
Das Berufsausbildungsgesetz sieht vor, dass ausgelernte Lehrlinge nach Beendigung des Lehrverhältnisses im erlernten Beruf mindestens drei Monate im Betrieb weiterbeschäftigt werden müssen. Diese Weiterbeschäftigungszeit wurde vormals Behaltepflicht genannt.
In vielen Kollektivverträgen wird die Weiterbeschäftigungszeit auf bis zu 6 Monaten verlängert.
Metallgewerbe
Gewerbliche Lehrlinge (Arbeiter-Lehrlinge) sind 6 Monate im Betrieb weiter im erlernten Beruf zu beschäftigen. Kaufmännische Lehrlinge und technische Zeichner Lehrlinge müssen nach ordnungsgemäßer Beendigung der Lehrzeit 5 Monate als Angestellte weiter beschäftigt werden.
Industrie
Die gesetzliche Weiterbeschäftigungszeit wird z.B. verlängert
- in Rahmenkollektivverträgen für Angestellte der Industrie,
- im Kollektivvertrag für Arbeiter der metalltechnischen Industrie sowie
- in der Elektro- und Elektronikindustrie.
Lehrlinge müssen nach ordnungsgemäßer Beendigung der Lehrzeit noch 6 Monate als Arbeitnehmer beschäftigt werden. Endet die Weiterbeschäftigungszeit nicht mit dem Monatsletzten eines Kalendermonates, ist sie auf diesen zu erstrecken.
Handel
Für im Bereich des Handels beschäftigte Lehrlinge beträgt die Weiterbeschäftigungszeit 5 Monate, wobei die Beschäftigung stets auf den Monatsletzten zu erstrecken ist.
Transport und Verkehr
Die gesetzliche Weiterbeschäftigungszeit verlängert sich für kaufmännische Lehrlinge bzw. Bürolehrlinge
- im Kleintransportgewerbe und
- im Güterbeförderungsgewerbe.
Der Lehrberechtigte hat den ausgelernten Lehrling in diesen Branchen 3 Monate in seinem Betrieb weiter zu beschäftigen. Endet diese Weiterbeschäftigungszeit nicht mit dem Monatsletzten, ist sie auf diesen zu erstrecken.
Befristetes/Unbefristetes Arbeitsverhältnis
Die Weiterbeschäftigungszeit kann vom Lehrberechtigten im Rahmen eines
- befristeten oder
- unbefristeten
Arbeitsverhältnisses erfüllt werden.
Ein befristetes Arbeitsverhältnis endet grundsätzlich automatisch und ohne weiteres Zutun mit Ablauf der Befristung.
Manche Kollektivverträge sehen eine Vorinformationspflicht vor, wie etwa der Kollektivvertrag für Angestellte in der Elektro- und Elektronikindustrie.
Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis kann vom Lehrberechtigten in der Regel nur unter Einhaltung der vorgeschriebenen Kündigungsbestimmungen beendet werden. Kollektivverträge enthalten häufig Sonderbestimmungen über Kündigungsfristen und Kündigungstermine.
Weiterbeschäftigungszeit und Kündigungsschutz
Grundsätzlich besteht aus der Weiterbeschäftigungszeit allein heraus kein Kündigungsschutz. Die Kündigung kann daher schon während der Weiterbeschäftigung vom Lehrberechtigten ausgesprochen werden.
Zu beachten ist unbedingt, dass die Weiterbeschäftigung am letzten Tag der Kündigungsfrist abgelaufen sein muss. Es darf auch kein sonstiger Kündigungsschutz, z.B. aus Mutterschaft oder Präsenzdienst, vorliegen.
Weiterbeschäftigungszeit und einvernehmliche Lösung
Die einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses während der Weiterbeschäftigungszeit ist grundsätzlich möglich und zulässig.
Die einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit Arbeitnehmern, die den Schutz des Mutterschutz- bzw. Väterkarenzgesetzes genießen, muss schriftlich erfolgen. Bei minderjährigen Lehrlingen muss zusätzlich eine Belehrung durch das Arbeits- und Sozialgericht erfolgen.
Die einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit Präsenz- und Zivil- oder Ausbildungsdienern muss ebenfalls schriftlich erfolgen, wobei für die Gültigkeit der Auflösung jedenfalls eine vorherige Rechtsbelehrung des Arbeits- und Sozialgerichtes oder der Arbeiterkammer über den Kündigungsschutz notwendig ist.