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Nahaufnahme einer EU-Fahne im linken Bildrand mit goldenen Sternen, die in einem Kreis angelegt sind. Die Fahne weht im Wind. Rechts daneben ist der blaue Himmel.
© rarrarorro | stock.adobe.com

EU-Erweiterung

Chancen nutzen – Reformen einfordern

Lesedauer: 4 Minuten

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26.05.2026

Die Wirtschaftskammer Österreich bekennt sich klar zur EU-Erweiterungspolitik. Österreich gehörte zu den größten Gewinnern vergangener Erweiterungsrunden – und profitiert auch von künftigen.

Die zehn aktuellen Beitrittskandidaten – Westbalkanregion: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien sowie die Ukraine, die Republik Moldau, Georgien und die Türkei – befinden sich in sehr unterschiedlichen Phasen des EU-Annäherungsprozesses. Für Montenegro und Albanien zeichnet sich ein Beitritt in dieser Dekade ab; in anderen Ländern ist ein konkreter Zeithorizont noch nicht absehbar. Für Georgien und die Türkei liegen die Verhandlungen auf Eis.

Gegenüberstellung von drei Blöcken: Österreichs Exports, Binnenmarktintegration und FDI-Ranking
© WKÖ

Positive Erweiterungseffekte

  • Als Exportnation in Europas Mitte profitiert Österreich überproportional: Exporte in die EU-26 haben sich seit dem EU-Beitritt fast vervierfacht, mit einem deutlichen Schub durch die Erweiterung 2004 (Statistik Austria).
  • Rund 70 % des österreichischen Außenhandels läuft innerhalb der EU – ein größerer Markt für Waren und Dienstleistungen stärkt direkt den Standort Österreich (Statistik Austria).
  • Ein erweiterter Binnenmarkt senkt Kosten: Der Wegfall von Wartezeiten und Kontrollen im Schengenraum spart Unternehmen schätzungsweise 2-5 % des Warenwertes.
  • Gleichzeitig hat sich die Zahl der österreichischen Exporteure seit 2000 verfünffacht (WPZ).

Österreichs Außenhandel mit dem EU-Binnenmarkt und der Welt (in Mrd. Euro)

Balkendiagramm: Österreichs Außenhandel mit dem EU-Binnenmarkt und der Welt in Milliarden Euro ab 1995 bis 2025, Höchststand im Jahr 2023.
© Quelle: Außenhandelsstatistik, Statistik Austria

Geopolitik: Erweiterung als strategisches Eigeninteresse

Angesichts geopolitischer Spannungen und eines rückläufigen US‑Engagements ist die Erweiterung der EU ein sicherheits‑ und wirtschaftspolitischer Imperativ.

Ost‑ und Südosteuropa gewinnen für resiliente, regionale Wertschöpfungsketten deutlich an Bedeutung. Die dortigen Vorkommen kritischer Rohstoffe sind für den ökologischen Wandel der EU essenziell und stärken die Versorgungssicherheit europäischer Unternehmen bei gleichzeitig geringerem geopolitischem Risiko.

Um dieses Potenzial auszuschöpfen, braucht es klare politische Entscheidungen für die EU-Erweiterung – sie dient nicht nur der Solidarität, sondern auch unserer Sicherheit und unseren wirtschaftlichen Interessen. 

Wirtschaft: Erhebliche Handels- und Investitionschancen in Ost- und Südosteuropa

Österreichs Exporte in die Region wachsen dynamisch, das Potenzial ist aber noch nicht ausgeschöpft. Der Abbau von Zöllen, nicht‑tarifären Handelshemmnissen sowie die Angleichung von Normen und Standards würden den Marktzugang weiter erleichtern.

Österreichs Exporte in die Region steigen (in Mrd. Euro)

Balkendiagramm: Österreichs Exporte in die Regionen steigend, 2014 im Vergleich zu 2024, Serbien zuletzt führend.
© Quelle: IHS Trademonitor

Österreichische Unternehmen haben das Potenzial der Region früh erkannt und zählen im Großteil der Erweiterungsländern zu den Top‑Investoren.

Geografische Nähe, stabile Lieferketten, wettbewerbsfähige Steuern, moderate Lohnkosten und qualifizierte Arbeitskräfte reduzieren das unternehmerische Risiko. Mit zunehmender Binnenmarktintegration verbessern sich die Rahmenbedingungen weiter: Investitionsrisiken sinken, Hemmnisse werden abgebaut, Marktzugangskosten reduziert. Angesichts des wachsenden globalen Wettbewerbs um die Region ist die EU‑Erweiterung daher eine strategische Investitionsentscheidung.

Österreich unter den Top-Investoren − FDI-Ranking

Balkendiagramm: Österreich unter den Top-Investoren FDI-Ranking, Platz 1 Nordmazedonien.
© Quelle: wiiw FDI-Datenbank

Kontinuierlicher wirtschaftlicher Aufholprozess und großes Potenzial

Die Kandidatenländer zählen zu den dynamischsten Wachstumsregionen Europas. Seit zwei Jahrzehnten nähern sie sich konsistent dem EU‑Durchschnitt an und wachsen seit Jahren schneller als die EU insgesamt. Das Wachstum wird vor allem durch Investitionen und privaten Konsum getragen. Die Arbeitsproduktivität steigt überdurchschnittlich.

Die Region bietet attraktive Bedingungen für Nearshoring: widerstandsfähige Lieferketten, steigende Produktivität, qualifizierte Arbeitskräfte und moderate Arbeitskosten sowie die geografische Nähe – bei gleichzeitiger Reduktion geopolitischer Abhängigkeiten.

BIP-Wachstum der Westbalkanstaaten, der Ukraine und Moldaus über dem EU-Durchschnitt

Reales BIP-Wachstum, jährliche Veränderung in %

Balkendiagramm: Reales BIP-Wachstum über dem EU-Durchschnitt für die Jahre 2024 bis 2026, Höchststand Kosovo 2024
© Quelle: IMF | Anmerkung: *Prognose

Konvergenz des Bruttoinlandsprodukts | in % des EU-Durchschnitts

Liniendiagramm: Konvergenz des Bruttoinlandsprodukts in % des EU-Durchschnitts von 2001 bis 2024, Serbien zuletzt führend.
© Quelle: wiiw

Hier lohnen sich Investitionen besonders

Die Beitrittskandidaten weisen in zentralen Infrastrukturbereichen erheblichen Nachholbedarf auf.

  • Verkehr: Geringere Straßen‑ und Schienendichte, veraltete Infrastruktur
  • Digitalisierung: Stark wachsende IKT‑Dienstleistungsexporte im Westbalkan sowie hoher Wiederaufbaubedarf in der Ukraine
  • Erneuerbare Energie: Große Chancen bei Windenergie, Solarenergie und Wasserkraft sowie bei der Modernisierung von Energienetzen

Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugungskapazität in % der installierten Erzeugungskapazitäten

Balkendiagramm: Anteil erneuerbarer Energie an der Stromerzeugungskapazität 2014 im Vergleich zu 2024, Albanien verzeichnet dabei Höchststand.
© Quelle: IRENA

EU-Governance: weniger Einstimmigkeit bei EU-Entscheidungen

  • Das Einstimmigkeitsprinzip blockiert den Erweiterungsprozess und sollte auf zentrale Meilensteine begrenzt und die qualifizierte Mehrheit ausgeweitet werden.
  • Das Prinzip „ein Land - ein Kommissar“ muss erhalten bleiben: Ohne eigenen Kommissar ginge eine zentrale Kommunikationsbrücke nach Brüssel verloren.

Hohe Rechtsstaatlichkeitsstandards für fairen Wettbewerb

  • Rechtsstaatlichkeit muss vor und nach dem Beitritt konsequent gewährleistet werden.
  • Ein funktionierender Rechtsstaat ist Grundvoraussetzung für fairen Wettbewerb im EU-Binnenmarkt.
  • Das wirksamste Instrument bleibt die Verknüpfung von EU‑Budgetmitteln mit der Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze.

EU-Binnenmarkt: schrittweise Öffnung als Katalysator

Noch vor einer EU-Vollmitgliedschaft sollte der EU-Binnenmarkt schrittweise für Beitrittskandidaten geöffnet werden – als Brücke zum Beitritt. Der sektorielle Zugang zum EU-Binnenmarkt ist strikt an die Übernahme und Umsetzung von EU-Recht zu knüpfen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen.

WKÖ Position im Detail

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