Ungarn zwischen Industriewachstum und Unsicherheit
Warum Österreichs Unternehmen auf stabile Rahmenbedingungen hoffen
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Mit einem Exportvolumen von mehr als 7 Milliarden Euro war Ungarn zuletzt Österreichs siebtwichtigster Exportmarkt. Die österreichischen Warenausfuhren legten im Vorjahr trotz schwierigem Umfeld um 2,4 Prozent zu. Besonders stark entwickelten sich Maschinenbau, Kunststoffe sowie Eisen und Stahl.
Gleichzeitig ist Österreich zweitgrößter Investor in Ungarn, rund 1.400 österreichische Tochterunternehmen sind vor Ort aktiv. Für Ungarn wiederum ist Österreich der viertwichtigste Handelspartner. Laut ITC Export Potential Map liegt das zusätzlich realisierbare Exportpotenzial österreichischer Unternehmen bis 2030 bei rund 1,85 Milliarden Euro.
Trotz eines zunehmend herausfordernden Umfelds konnten österreichische Unternehmen ihre Exporte nach Ungarn im Vorjahr weiter steigern. Regulatorische Hürden und spezifische Belastungen für ausländische Unternehmen stellen jedoch weiterhin eine erhebliche Herausforderung dar. Dazu zählen insbesondere Sondersteuern, deren Wegfall daher einen positiven Effekt hätte.
Automotive-Sektor als Wachstumsmotor
Rund 30 Prozent der industriellen Wertschöpfung Ungarns entfallen mittlerweile auf die Automobilindustrie und ihre Zulieferbereiche. Internationale Hersteller investieren massiv: BMW eröffnete sein Werk in Debrecen, Mercedes baut seine Produktion in Kecskemét aus und BYD errichtet derzeit eine Fabrik in Szeged.
Parallel dazu investieren Batteriehersteller wie CATL oder Samsung Milliarden in den Standort. Österreichische Unternehmen profitieren direkt davon: Die heimische Autozulieferindustrie exportierte zuletzt Waren im Wert von rund 925 Millionen Euro an ungarische Automobilwerke.
Elektromobilität verändert die Region
Eine zunehmend wichtige Rolle spielen Elektromobilität und industrielle Fertigung. Gerade österreichische Zulieferunternehmen könnten davon profitieren, weil europäische Wertschöpfung innerhalb der Lieferketten künftig stärker an Bedeutung gewinnen dürfte.
Industrieboom trifft auf Unsicherheit
Trotz steigender Exporte bleibt das Umfeld für viele österreichische Unternehmen schwierig. Laut einer Umfrage der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA, die vor der Ungarn-Wahl durchgeführt wurde, wünschen sich 81 Prozent der österreichischen Niederlassungen mehr Berechenbarkeit in der Wirtschaftspolitik.
73 Prozent kritisieren Defizite bei der Rechtssicherheit und 49 Prozent sehen Bürokratie als Belastung. Gleichzeitig rechnet mehr als jedes zweite Unternehmen mit steigenden Umsätzen.
Ungarn versucht sich seit Jahren als attraktiver Standort zu positionieren: Das Land punktet mit niedrigen Lohnnebenkosten und einer Körperschaftsteuer von lediglich neun Prozent. Marktchancen sehen österreichische Unternehmen insbesondere in den Bereichen Automotive, Green Tech, Solarenergie und Lebensmittelwirtschaft.
Insgesamt hoffen die österreichischen Unternehmen auf mehr Planungssicherheit. Sollten die derzeit gesperrten EU-Gelder wieder fließen, könnte das einen Impuls für die Bauwirtschaft und den Infrastrukturausbau bringen, wovon die heimische Wirtschaft profitieren würde.
Fazit: Wachstum braucht stabile Rahmenbedingungen
Ungarn bleibt ein Schlüsselmarkt für die österreichische Wirtschaft und ein zentraler Industriestandort innerhalb Europas. Die milliardenschweren Investitionen internationaler Konzerne schaffen große Chancen für österreichische Zulieferer und Technologieunternehmen.
Gleichzeitig wird aber immer deutlicher: Für langfristige Investitionen braucht es neben einem attraktiven Produktionsumfeld auch stabile Rahmenbedingungen, Rechtssicherheit und wirtschaftspolitische Verlässlichkeit.
Mehr Informationen finden Sie im aktuellen Wirtschaftsbericht.
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