Warum Österreichs Unternehmen jetzt Entlastung brauchen
Eine im EU-Vergleich sehr hohe Abgabenquote, steigende Lohnstückkosten sowie hohe Energie- und Bürokratiekosten setzen Österreichs Unternehmen massiv unter Druck und bremsen den Standort.
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Österreichs Wirtschaftsentwicklung bleibt verhalten – und das hat strukturelle Gründe. Der Produktivitätsrat führt die schwache Dynamik maßgeblich auf eine Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurück.
Seit 2022 sind die Lohnstückkosten hierzulande deutlich stärker gestiegen als im EU-Durchschnitt. Verantwortlich dafür sind sowohl kräftige Lohnzuwächse in den vergangenen Jahren als auch eine rückläufige Arbeitsproduktivität.
In der Folge hat sich die relative Lohnstückkostenposition gegenüber den europäischen Handelspartnern spürbar verschlechtert.
Wo liegen die größten Herausforderungen für Österreichs Unternehmen?
Österreich weist eine der höchsten Steuer- und Abgabenquoten in der EU auf. Laut Fiskalrat soll die Abgabenquote im Jahr 2026 bei 44% liegen – zuletzt ist sie im Zuge der Budgetkonsolidierung weiter gestiegen. Auch im internationalen Standortvergleich zeigt sich Handlungsbedarf: Im IMD-World-Competitiveness-Ranking belegt Österreich bei der Steuerpolitik lediglich Rang 64 von 69 untersuchten Volkswirtschaften.
Besonders ins Gewicht fällt die hohe Belastung des Faktors Arbeit. Österreich hat die dritthöchsten Arbeitskosten in der OECD, die Dienstgeber-Lohnnebenkosten liegen mit 29,3% des Bruttolohns um fünf Prozentpunkte über dem deutschen Niveau.
Zusätzlich verursachen bürokratische Vorgaben erhebliche Zeit- und Kostenbelastungen: Unternehmen wenden durchschnittlich 13 Arbeitsstunden pro Woche für administrative Pflichten auf. 76% der Betriebe erwarten sich durch den Abbau bürokratischer Hürden mehr Handlungsspielraum, 95% sehen darin positive Effekte für den Standort.
Auch die Energiepreise entwickeln sich zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. 66% der österreichischen Betriebe sehen wettbewerbsfähige Energiepreise kurzfristig als wichtigen Wachstumstreiber. Für 80% ist Versorgungssicherheit mittelfristig entscheidend, 93% erachten sie als essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit. Hohe Energiepreise wirken damit quer durch alle Branchen als Investitionsbremse.
In besonderem Maße betroffen ist die Industrie. Neben den gestiegenen Lohnstückkosten schlagen hier vor allem die hohen Energiekosten zu Buche. Laut WIFO-Industriebefragung sehen rund 75% der energieintensiven Betriebe die hohen Energiepreise als erhebliches Risiko für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Folge sind Produktionsrückgänge oder Verlagerungen ins Ausland – Hauptgrund sind hohe Personal- und Energiekosten.
Fazit: Kosten senken, Bürokratie abbauen
Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu sichern, braucht es jetzt konsequente Entlastungsschritte. Das umfasst u.a. die Senkung der Lohnnebenkosten – wie im Regierungsprogramm vorgesehen ab 2027 – mit dem Ziel, diese mittelfristig auf deutsches Niveau zu reduzieren; einen konsequenten Abbau bürokratischer Hürden; wettbewerbsfähige Energiepreise durch die Verlängerung bestehender Entlastungsinstrumente sowie eine Senkung der Netzkosten; gezielte Maßnahmen für carbon-leakage-gefährdete Unternehmen auf nationaler und EU-Ebene.