Gebäudeentnahmen aus dem Betriebsvermögen (ab 1.7.2023) FAQ
Antworten auf die wichtigsten Fragen
Lesedauer: 3 Minuten
Bis 30.6.2023 gilt eine andere Gesetzeslage. Diese FAQ beziehen sich auf die Bestimmungen ab 1.7.2023.
1. Fällt die Begünstigung der „Hauptwohnsitzbefreiung“ anlässlich des Abgabenänderungsgesetzes (AbgÄG) 2023 zur Gänze?
Die Entnahme des Gebäudes anlässlich der Betriebsaufgabe unterlag bis zum 30.6.2023 der Immobilienbesteuerung. Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen wurden die - im Zuge einer Betriebsaufgabe - auf das gesamte Gebäude entfallenden stillen Reserven nicht versteuert.
Nachdem Gebäudeentnahmen ab dem 1.7.2023 zu steuerlichen Buchwerten erfolgen können, erübrigt sich diese Regelung.
2. Sind für die Entnahme zu Buchwerten bestimmte Voraussetzungen notwendig?
Die Entnahme von Grundstücken (das sind Grund und Boden, Gebäude, Baurechte) nach dem 30.6.2023 erfolgt zum Buchwert im Zeitpunkt der Entnahme, wenn das entnommene Grundstück im Falle der Veräußerung dem besonderen Steuersatz von 30 % unterliegen würde. Durch die Entnahme zum Buchwert werden die stillen Reserven nicht aufgedeckt und es erfolgt damit keine Versteuerung des Unterschiedsbetrags zwischen Verkaufspreis und Buchwert im Zeitpunkt der Entnahme.
3. Kann das Grundstück wahlweise auch mit dem gemeinen Wert unter Anwendung einer steuerlichen Begünstigung entnommen werden?
Das AbgÄG 2023 ermöglicht eine Option zur Gebäudeentnahme mit dem gemeinen Wert. Dies kann zur Inanspruchnahme bestimmter Steuerbegünstigungen (z.B. dem Hälftesteuersatz) sinnvoll sein, die bei einer späteren Versteuerung der stillen Reserven (z.B. bei einem späteren Verkauf) nicht mehr in Anspruch genommen werden können.
Werden anlässlich der Betriebsaufgabe Gebäudeteile (Gebäude) ins Privatvermögen übernommen, können diese auf Antrag mit dem gemeinen Wert angesetzt werden, wenn der Steuerpflichtige
- gestorben ist und dadurch eine Betriebsaufgabe veranlasst wird oder
- erwerbsunfähig* ist oder
- das 60. Lebensjahr vollendet hat und seine (aktive) Erwerbstätigkeit** einstellt.
*) Der Steuerpflichtige ist wegen körperlicher oder geistiger Behinderung in einem Ausmaß erwerbsunfähig, dass er nicht in der Lage ist, seinen Betrieb fortzuführen oder die mit seiner Stellung als Mitunternehmer verbundenen Aufgaben oder Verpflichtungen zu erfüllen. Der diesbezügliche Nachweis hat durch ein entsprechendes medizinisches Gutachten eines gerichtlich beeideten Sachverständigen zu erfolgen. Alternativ kann die medizinische Beurteilung durch den zuständigen Sozialversicherungsträger erfolgen (z.B. im Rahmen eines Antrags auf Erwerbsunfähigkeitspension).
**) Eine Erwerbstätigkeit liegt nicht vor, wenn der Gesamtumsatz aus den ausgeübten Tätigkeiten 22.000 Euro und die gesamten Einkünfte aus den ausgeübten Tätigkeiten 730 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen. Nicht schädlich ist z.B. ein Pensionsbezug.
4. Sind weitere Voraussetzungen für die Entnahme des Grundstücks unter Anwendung des Hälftesteuersatzes zu beachten?
Der Hälftesteuersatz für Veräußerungs- und Übergangsgewinne steht nur über Antrag zu. Weiters müssen seit der Eröffnung oder dem letzten entgeltlichen Erwerbsvorgang sieben Jahre verstrichen sein.