Zum Inhalt springen
Opernredoute Graz
© Opernredoute Graz/Marija Kanizaj

"Es wäre absurd, zu jammern"

Ulrich Lenz, Intendant der Grazer Oper, über die Opernredoute,Kostensteigerungen in Zeitender Krise und seine Suche nach Unternehmen als Sponsoren.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 26.01.2024

Wie wichtig ist die Opernredoute für die Oper? Hat man aus wirtschaftlicher Sicht etwas von diesem Fest?

Ulrich Lenz: Finanziell ist es kein riesiger Gewinn – dafür ist schon der Aufwand viel zu groß. Wenn wir mit einem kleinen Plus aussteigen, sind wir schon glücklich. Aber das ist auch gar nicht vorrangiges Ziel der Redoute. Für mich ist sie ein Mosaikstein in einem größeren Zusammenhang, nämlich der Idee, das Opernhaus für unterschiedliche Menschen zu öffnen, die nicht unbedingt per se in eine Aufführung kommen. Ein Opernhaus ist ja ein Ort der Begegnung. Da kommen Menschen zusammen. Teil einer Aufführung sind dabei auch die Gespräche davor, in der Pause und danach, der Austausch über das, was auf der Bühne passiert, was ja auch gesellschaftliche Relevanz hat. 

Spüren Sie aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Konsumzurückhaltung beim Publikum?

Im Rückblick auf die vergangenen vier Monate nicht. Was wir aber feststellen, ist, dass sich die Leute immer kurzfristiger entscheiden.

Wie im Tourismus.

Ja, es wird nicht mehr lange vorausgeplant. Wir haben zwar zwei, drei Wochen vor einer Veranstaltung schon ein gutes Ergebnis, aber merken dann, wie es die letzten zwei, drei Tage noch einmal anzieht. Ich glaube nicht, dass das mit der Krise zu tun hat. Es ist wohl ein genereller Wandel in der Gesellschaft.

Macht das mutloser in der Programmierung, weil man „zur Sicherheit“ lieber auf populäre Produktionen setzt als Neues auszuprobieren und zu entwickeln?

Mich nicht. Das Phänomen betrifft ja nicht nur besonders ausgefallene Stücke, sondern auch bei Blockbustern ist das Buchungsverhalten so kurzfristig geworden.

Ulrich Lenz
© Oper Graz

In Graz gibt es den Sonderfall, dass es keine Trennung zwischen einem künstlerischen Intendanten und kaufmännischen Direktor gibt. Wie oft kollidieren da in Ihnen künstlerische Wünsche mit geschäftlichen Zwängen?

Es hat Vorteile, wenn man es in einer Person vereint, auch wenn damit zwei Seelen in meiner Brust wohnen und die Diskussion damit zum Teil in mir selbst stattfindet.

Wie kommerzgetrieben darf Kunst sein?

Für mich als künstlerischen Intendanten muss das Programm schon künstlerisch wertvoll sein. Aber natürlich muss man immer auch die Kosten mit im Blick haben.

Wobei der Betrieb zu einem großen Teil über Subventionen der öffentlichen Hand finanziert wird. 

Dass Theaterhäuser subventioniert werden, ist ein hohes kulturelles Gut, weil man dadurch weniger abhängig ist, längerfristig planen und Kunst frei präsentieren kann. Außerdem sind 90 Prozent unserer Ausgaben Personalkosten. Wir haben 350 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, plus Gäste, plus Zulieferer. In der öffentlichen Diskussion kommt oft nur an, dass in das große, elitäre Schiff ordentlich Geld hineingesteckt wird. Aber das Geld bleibt ja nicht bei uns und nur ein verschwindend kleiner Teil ist auf der Bühne, beispielsweise in Form eines Bühnenbilds, materiell zu sehen. Der überwiegende Teil fließt ins Personal. Wir sind ein großer Arbeitgeber.

Steigerungen bei Löhnen und Energie gehen damit an Ihrem Haus auch nicht spurlos vorüber.

Nein, wir übernehmen gewisse Eröhungen automatisch. Damit ist es immer eng und knapp. Das ist absolut nicht gemütlich, weil unsere Ideen groß und viele sind. Wir haben mehr davon, als wir finanzieren können. Aber trotzdem wäre es absurd, zu jammern. Es muss reichen. Da muss man eben erfinderisch sein. Gute Kunst entsteht sehr oft aus der Begrenzung. Aber natürlich gibt es auch Grenzen in der Beschränkung.

Festspiele und Festivalveranstaltungen sind vielfach stark über Sponsoren aus der Wirtschaft finanziert. Gibt es für ein Opernhaus noch Mäzenatentum?

Eingeschränkt. Aber ich möchte daran arbeiten, dass das mehr wird. Meine Erfahrung ist, dass in Österreich Kultursponsoring sehr schwierig ist. In Deutschland ist es viel einfacher, mehrere Sponsoren auch mit höheren finanziellen Beiträgen für Kunst und Kultur zu gewinnen.

Woran liegt das? Bräuchte es mehr steuerliche Anreize?

Das wäre wünschenswert. In Deutschland lassen sich derartige Ausgaben besser steuerlich absetzen. Da scheint man in Österreich nicht wirklich weiterzukommen.