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 Anton Berger, Gabi Lechner und Andreas Gumpetsberger
© Foto Fischer

CO2-Vergleich von Heizsystemen: Pellets und Wärmepumpe weit voraus

Welche Heizform ist über den gesamten Lebenszyklus betrachtet tatsächlich die klimafreundlichste? Die Landesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker hat den CO2-Fußabdruck verschiedener Heizsysteme von der Herstellung über den Betrieb bis zur Entsorgung („Cradle-to-Grave“) analysiert. 

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 08.01.2026

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die dominante Rolle der Nutzungsphase für die Treibhausgasbilanz. Herstellung und Entsorgung der Anlagen fallen im Vergleich zum jahrzehntelangen Betrieb kaum ins Gewicht. Basis der Berechnung war ein typisches Einfamilienhaus (Baujahr 1980, 150 m² Wohnfläche, 4 Personen) beim Tausch eines bestehenden Ölkessels. Studienautor Andreas Gumpetsberger: „Oft wird über den ‚ökologischen Rucksack‘ bei der Herstellung neuer Heizungen diskutiert. Unsere Daten zeigen aber klar: Dieser ist vernachlässigbar. Der Hebel liegt im Betrieb. Wer seine alte Ölheizung tauscht, leistet den effektivsten Beitrag zum Klimaschutz, der für Hausbesitzer möglich ist.“ 

Die Ergebnisse im Detail: Pellets vor Wärmepumpe und Fernwärme

Im Vergleich zum Weiterbetrieb einer alten Ölheizung (ca. 216 Tonnen CO2e über 20 Jahre) zeigen moderne Heizsysteme enormes Einsparpotenzial:

Pelletsheizung: Mit einer Einsparung von 91,1 % (ca. 197 Tonnen CO2e) ist sie der Spitzenreiter im Vergleich. Zum Vergleich: Das entspricht den Emissionen einer Pkw-Fahrtstrecke von 68.404 Kilometern pro Jahr oder 48.754 Flugkilometern (Langstrecke).

  • Luft-Wasser-Wärmepumpe: Bei einer Betriebstemperatur von 45°C (Flächenheizung) werden 84,0 % CO2 eingespart. Auch im Betrieb mit Radiatoren (55°C) liegt die Einsparung bei beachtlichen 78,3 % (basierend auf dem Strommix Österreich).
  • Fernwärme: Der Anschluss an die Fernwärme Graz bringt eine Reduktion von 77,5 %, der österreichische Fernwärme-Mix liegt bei 56,8 % Einsparung.
  • Öl-Brennwert: Ein Austausch auf moderne Öl-Brennwerttechnik bringt lediglich eine Reduktion von 14,3 %.

Installateure als "Klimaretter aus der Region" 

Die Studie unterstreicht die Bedeutung des Handwerks für die Energiewende. „Jede Stunde zählt“, so das Fazit. An einem konkreten Beispiel zeigt sich die Hebelwirkung: In rund 80 Montagestunden für eine neue Heizungsanlage werden über die Lebensdauer knapp 196 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht einer rechnerischen Einsparung von 2.450 kg CO2 pro Arbeitsstunde des Installateurs.

 Volkswirtschaftlicher Nutzen

Neben dem Klimaschutz ergeben sich auch ökonomische Vorteile: Durch den Ersatz von fossilen Systemen bleiben die Wertschöpfung der Energieträger sowie Arbeitsplätze größtenteils in Österreich, während die Abhängigkeit von Energieimporten sinkt. Wie drängend dies ist, zeigen aktuelle Zahlen: Laut Markteinschätzung des Fachverbandes Mineralölindustrie (FVMI) betrug der Heizölverbrauch 2024 ca. 631.000 Tonnen – davon mussten mindestens 600.000 Tonnen importiert werden. Ein Heizungstausch wirkt diesem massiven Importbedarf direkt entgegen. Allein in der Steiermark besteht bei rund 45.000 alten Ölheizungen (errichtet vor 2000) ein enormes Austauschpotenzial. 

STATEMENTS

„Nachhaltigkeit ist längst ein zentraler Wettbewerbsfaktor für die steirische Wirtschaft. Das zeigt auch eine Umfrage, die wir als WKO erhoben haben. Laut dieser geben 84 Prozent der steirischen Unternehmen an, dass nachhaltiges Wirtschaften für sie eine wichtige Rolle spielt. Genau darauf baut unsere Nachhaltigkeitsstrategie, die wir als Wirtschaftskammer Steiermark im Vorjahr neu erarbeitet haben. Sie unterstützt Betriebe durch branchenspezifische Projekte – wie diese Pilotstudie – praxisnah, ökologische Verantwor-tung, wirtschaftliche Stärke und langfristige Zukunftssicherung erfolgreich zu verbinden.“

 Mag. Gabriele Lechner, Vizepräsidentin der WKO Steiermark

 

„Die Installateure tragen dazu bei, die Klimaziele Österreichs und der EU zu erreichen. Sie helfen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern, die Luftqualität zu verbessern und den Energieverbrauch insgesamt zu senken. Ihre Tätigkeit ist somit ein unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen Zukunft. Ohne das Engagement und das Know-how der Installateure wären Fortschritte bei der CO₂-Reduktion kaum möglich. Sie sind die Wegbereiter für eine umweltfreundliche Energieversorgung und leisten einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz.“

Ing. Anton Berger, Landes- und Bundesinnungsmeister der  Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker 

 

„Der Umstieg auf nachhaltige Heizenergiesysteme hat drei Vorteile: Erstens schaffen Hausbesitzer damit langfristige Kostensicherheit und machen sich unabhängig von volatilen fossilen Preisen. Zweitens bewirkt er einen enormen ökologischen Hebel: Es ist die effektivste Maßnahme, um den CO2-Ausstoß sofort und massiv zu senken. Und drittens stärkt jeder Tausch die Region: Statt Kaufkraft für teure Energieimporte abfließen zu lassen, bleibt die Wertschöpfung in der Steiermark und sichert heimische Arbeitsplätze.“

Mag. Andreas Gumpetsberger, MBA, CDC