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Donald Trump und Kamala Harris
© Wikimedia/Gage_Skidmore

Der Richtungsentscheid im Weißen Haus und die Folgen

Kamala Harris oder wieder Donald Trump? Der Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl wird Auswirkungen auf die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen haben.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 28.10.2024

Plus 11,3 Prozent allein im ersten Halbjahr 2024: Das Geschäft mit den USA ist für die heimische Exportwirtschaft eine anhaltende Erfolgsgeschichte. Seit dem pandemiebedingten Einbruch kennt die Entwicklungskurve nur eine Richtung – steil nach oben. So sind die Warenexportvolumina seit dem Jahr 2020 (9,3 Milliarden Euro) stetig – elf Milliarden Euro 2021, knapp 13 Milliarden 2022 – auf zuletzt 14,7 Milliarden Euro angewachsen. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete man ein Plus von 14,1 Prozent.

Parallel nahmen auch die Direkt­investitionen (plus 12,6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro) und die Warenimporte aus den USA zu. Deren Plus von über neun Prozent auf knapp acht Milliarden Euro ergänzt ein prosperierendes Gesamtbild dieses nach Deutschland zweitwichtigsten Exportmarkts Österreichs. Zu den bedeutendsten Produktkategorien zählen dabei unverändert Maschinen, mechanische Apparate, Fahrzeuge, Getränke, pharmazeutische Erzeugnisse sowie elektrische Ausrüstungen. Der Bereich Dienstleistungen entwickelt sich im Gegensatz dazu eher moderat. Mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro bleibt dieses Segment deutlich hinter dem boomenden Warenverkehr zurück. Was bleibt: ein rot-weiß-roter Überschuss in der Handelsbilanz

Hinweis
2,4 Prozent Wirtschaftswachstum verzeichneten die USA im Jahr 2023 – ein Spitzenwert unter den Industrienationen.

4,3 Prozent Arbeitslosigkeit weisen die USA aktuell aus, auch wenn sie 27 Monate lang bis ins Frühjahr noch bei unter vier Prozent lag – dem tiefsten Wert seit 1960.

3,0 Prozent Inflationsrate aktuell – damit setzt sich ein rapider Rückgang fort. 2022 lag die Teue­rungsrate noch bei acht Prozent, im letzten Jahr bei 4,1 Prozent.

2.157 Milliarden Dollar beträgt das US-Warenexportvolumen. Ihm stehen Warenimporte im Gesamtwert von 3.302 Milliarden Dollar gegenüber.

Aber auch dieser Auslandsmarkt ist in Bewegung geraten. So wuchs die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr mit 2,4 Prozent zwar stärker als die Volkswirtschaften aller anderen Industriestaaten, gleichzeitig kam es aber zu einem massiven Anstieg der Inflation. Letztere geht seit Ende des Vorjahres aber wieder stetig zurück. Führende Banken gehen von einem Abschmelzen auf 2,2 Prozent  bis zum Jahresende aus.

350 Millionen Dollar für Fernsehwerbung

Überprägt werden all diese Prognosen aktuell aber von einem an Höhepunkten nicht armen Wahlkampf. Das TV-Debakel von Joe Biden, sein Rückzug zugunsten von Kamala Harris, das Schussattentat auf Donald Trump und zuletzt massive Naturkatastrophen haben den Kampagnen der beiden Lager regelmäßig neue Wendungen und Impulse gegeben. Der Ausgang des Urnengangs am 5. November bleibt damit unvorhersehbar, die beiden Kandidaten liegen laut Umfragen faktisch gleichauf. Die Nervosität auf beiden Seiten steigt damit weiter, das Werben um Stimmen wird vor allem in den sogenannten Swing States noch einmal intensiviert. So gab allein das Kampagnenmanagement von Kamala Harris im vergangenen Monat rund 270 Millionen Dollar allein für Fernsehwerbung aus; Trump kam im selben Zeitraum auf rund 78 Millionen Dollar. In ähnlichen Größenverhältnissen liegen parallel die Einnahmen der beiden Spitzenkandidaten.

Hinweis
78 Jahre alt ist Donald Trump. Er steht nach dem Biden-Aus einer deutlich jüngeren Kontrahentin gegenüber: Kamala Harris ist 61.

6-7 Swing States – also Staaten, in denen die Mehrheitsverhältnisse nicht klar sind – gibt es: Arizona, Georgia, Michigan, Nevada, Pennsylvania, Wisconsin und dieses Mal auch North Carolina.

538 Wahlleute werden insgesamt in den 50 Bundesstaaten vergeben, mindestens 270 sind für eine absolute Mehrheit erforderlich.

219 Millionen US-Bürger sind theoretisch wahlbrechtigt. Wer wählen will, muss sich aber in ein Wahlregister eintragen lassen.

Indes haben auch Wirtschaftsforscher und Finanzanalysten Hochsaison: Sie versuchen mögliche Auswirkungen von möglichen Wahlergebnissen und damit verbundene mögliche Maßnahmen und ihre Folgen auszuleuchten. So prognostiziert die US-Investmentbank Goldman Sachs spürbare Verschiebungen im Dollar-Euro-Verhälntnis. Demnach könnte es im Fall eines Sieges von Donald Trump und einer gleichzeitigen Mehrheit der Republikaner im Kongress zu niedrigeren Steuern im Inland und höheren Zollschranken nach außen kommen.  Trump hat 20 Prozent als Generalsatz angekündigt, bei Produkten aus China sollen es bis zu 60 Prozent, bei chinesischen Pkw sogar 200 Prozent sein. 

Drückt ein Trump-Sieg den Euro-Kurs?

Durch die Kombination dieser steuer- und zollpolitisch isolationistischen Maßnahmen könnte die europäische Gemeinschaftswährung unter erheblichen Druck geraten. Die beiden Maßnahmen würden in weiterer Folge die Inflation in den USA wieder in die Höhe treiben, was wiederum zu deutlich höheren Zinssätzen als in Europa führen könnte – und die Attraktivität des Dollars weiter stärken.

Damit wäre auch die Geldpolitik in der Euro-Zone gefordert. Zinssenkungen hier würden Anleger allerdings erst wieder in den Dollar drängen. Umgekehrt könnten Exporte aus Europa in die USA billiger werden – und damit die protektionistische Zollpolitik konterkarieren. Nach sich beruhigenden Zeiten nach der Wahl sieht das alles nicht aus. Umso größer wird die Bedeutung von zwischen den USA und der EU vermittelnden Institutionen. Denn vorrangiges Ziel müsse es laut Ökonomen sein, dass die transatlantischen Handelsbeziehungen – unabhängig vom Wahlausgang – weiter stabil bleiben.