Export stottert im Schatten der Deutschland-Krise
Nachbar in Not? Durch die schwere wirtschaftliche Verkühlung Deutschlands hustet auch die österreichische Exportwirtschaft. Ist Genesung in Sicht?
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Deutschland stolpert dieser Tage nicht nur durch einen aufregungsreichen Wahlkampf für den Urnengang am 23. Februar, sondern auch durch eine anhaltende Wirtschaftskrise. Aussicht auf Besserung gibt es nicht. Ökonomen liefern Negativbotschaften in Serie. Allein die Industrieproduktion sank demnach 2024 im Vergleich zum Jahr davor um 4,5 Prozent. Auch wenn sich die Auftragslage in der Industrie im Dezember deutlich erholt hat, dürfte das deutsche Wirtschaftswachstum insgesamt nicht nur in diesem Jahr, sondern auch 2026 und 2027 unter dem Schnitt anderer Industrieländer liegen: Für heuer werden gerade einmal 0,4 Prozent prognostiziert, für die Folgejahre eine nur sanfte Erholung auf 1,0 beziehungsweise 1,3 Prozent, während die Weltkonjunktur drei Prozent Wachstum erreichen könnte.
Es ist aber nicht nur ein akuter Krisenvirus, unter dem die deutsche Wirtschaft laboriert. Das Land leidet schon länger an strukturellen Schwächen. So ist die Zahl der Unternehmensgründungen seit 1995 von 240.000 pro Jahr auf zuletzt 161.000 zurückgegangen. Besonders betroffen sind dabei forschungsintensive Industriebranchen wie Maschinenbau, Chemie oder Elektrotechnik, wo sich die Gründungszahlen seit 2002 mehr als halbiert haben: von einst 1.400 auf 625 im Jahr 2023.
Europas Wirtschaftsmotor stottert also nachhaltig. Schuld ist – nicht nur, aber auch – die schwächelnde Autobranche. Durch die engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit Österreich gerade in diesem Sektor färbt diese Negativentwicklung ab. Die dabei bedeutendste Produktgruppe, Maschinen und Fahrzeuge, war zeitgleich jene mit den stärksten absoluten Rückgängen. Insgesamt sackte das heimische Exportvolumen Richtung Nachbarland damit in den ersten drei Quartalen des Vorjahres gegenüber 2023 von 44,76 auf 42,89 Milliarden Euro ab.
Potential im Osten
Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Berlin, Michael Scherz, sieht aber auch Potentiale: „Sowohl in den alten als auch den neuen Bundesländern steht Österreich für Verlässlichkeit, Qualität, Topprodukte und Topdienstleistungen und ein ausgezeichnetes Service.“ Er ortet vor allem im Osten noch Wachstumschancen. Tatsächlich konzentrieren sich die rot-weiß-roten Ausfuhren traditionell auf die industriegeprägten Regionen im Westen. So ist innerhalb der Bundesrepublik weiterhin und mit Abstand Bayern der wichtigste Abnehmer von Lieferungen aus Österreich: Etwa ein Drittel der Deutschland-Exporte gehen in den Freistaat (siehe rechts), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (19,5 Prozent) und Baden-Württemberg (17,8 Prozent).
Abseits der stockenden Warenströme floriert der bilaterale Dienstleistungsverkehr: Knapp 40 Prozent der weltweiten Auslandsdienstleistungen Österreichs werden in der Bundesrepublik erbracht. Österreich hat dank der Einnahmen aus dem Tourismus, dem Bereich Ingenieur-, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen traditionell eine positive Dienstleistungsbilanz mit Deutschland. Der Nachbar ist und bleibt zudem wichtigster Auslandsinvestor in Österreich.
58.44 Millionen Euro betrug der Wert der Waren, die 2023 aus Österreich nach Deutschland exportiert wurden.
84,514 Millionen Menschen leben in Deutschland auf einer Fläche von 357.590 Quadratkilometern.
45.206 Euro betrug das deutsche BIP pro Kopf im vergangenen Jahr. In Österreich lag es im selben Zeitraum bei 46.742 Euro.