Höhenflug für Flugsimulator-Hersteller
Der österreichische Hersteller Axis Flight Training Systems hat für die Schweizer Luftrettung einen hochmodernen Flugsimulator entwickelt, der eine „fliegende Intensivstation“ simuliert. Im Beisein der "Steirischen Wirtschaft" wurde der Simulator in Zürich feierlich übergeben.
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Auf Einladung der eidgenössischen Rettungsflugwacht Rega sowie der Lufthansa avanciert Zürich dieser Tage zur Bühne für Innovationen in der internationalen Luftfahrtbranche. Der Star der Veranstaltung stammt aus Lebring und bringt über zwölf Tonnen auf die Waage. Alleine Transport und Aufbau des steirischen Schmuckstückes dauerte zehn Wochen. "Dafür kommen unsere Mitarbeiter aus Lebring, die diese Aufgabe dann vor Ort erledigen. Dieses Mal war der Transportweg einfacher, aber wir haben auch schon Simulatoren in den asiatischen Raum geliefert", sagt Christian Theuermann, Mitglied der Geschäftsleitung von Axis, bei der Übergabe in der Schweiz im Interview mit der "Steirischen Wirtschaft".
Der Stolz stand dem Chef ins Gesicht geschrieben, ist der in die Schweiz gelieferte Simulator doch in Europa einzigartig. Mit einem sogenannten „Full Flight“-Simulator eines Bombardier Challenger 650 steuert die steirische Axis Flight Training Systems nicht nur das technologische Eventhighlight, sondern auch das neue Herzstück der Pilotenausbildung der Rega bei. „Unser Simulator bildet die höchste und realistischste Kategorie, Level D, von ‚Full Flight‘-Simulatoren ab. Den 27 Jetpiloten der Rettungsflugwacht wird so ermöglicht, jedes erdenkliche Szenario – vom Strömungsabriss über den Schneesturm bis hin zur Bruchlandung – realitätsnah in einer sicheren Umgebung zu trainieren“, erklärt Christian Theuermann, Mitglied der Geschäftsleitung. Diesen Trainings kommt bei der Rettungsflugwacht eine besonders bedeutsame Rolle zu: Vor allem bei Rettungseinsätzen – die Rega holt jährlich rund 1.000 verunfallte oder erkrankte Personen zurück aus dem Ausland – müssen Flugmanöver und Notfallprozedere in den „fliegenden Intensivstationen“ bestmöglich vorbereitet sein. 28 Piloten stehen bei der Rega derzeit im Sold, einer davon ist Daniel Landert – und der ist mit dem neuen Simulator mehr als nur happy. "Wir machen 4.800 Flugstunden im Jahr, holen mit der Challenger die Leute aus allen Ecken der Welt zurück in die Schweiz. Der Simulator ist ein Hit und hilft uns bei der Einschätzung von herausfordernden Situationen ganz enorm." Betrieben wird der Simulator übrigens durch die Pilotenausbildungsabteilung der Lufthansa, freie Kapazitäten werden Drittkunden angeboten.
Innovative Flugtestkampagnen
Da die Daten zum Flugverhalten des Challenger 650 vom Hersteller nicht veröffentlicht werden, wurde das hochpräzise Flugmodell von Axis in Eigenregie rekonstruiert und entwickelt. In sogenannten Flugtestkampagnen werden dazu Parameter wie Flug- und Aerodynamik, Leistung, Systemverhalten und andere flugzeugspezifische Eigenschaften in Realtests „erflogen“. „Hierfür rüsten wir das echte Flugzeug mit einer Vielzahl von Sensoren und Messgeräten aus, um eine breite Palette an Daten zu sammeln. Diese umfassende Datenerfassung ermöglicht es uns, äußerst genaue Flugmodelle zu erstellen, die das tatsächliche Flugverhalten detailliert nachbilden“, erklärt Michaela Froelich, zuständig für den technischen Vertrieb bei Axis. Während die wiederholte Produktion von Flugzeugtypen etwa zehn Monate beansprucht, braucht es rund zwei Jahre, um einen Full-Flight-Simulator ohne Datenbasis herzustellen.
Drei weitere Projekte und Suche nach frischen Kräften
Die Kompetenz dafür ist am Weltmarkt mehr als gefragt – das zeigt auch Axis’ aktuelle Projekt-„Pipeline“: „In der Planungs- und Ausführungsphase befinden sich derzeit sechs beauftragte Projekte im Gesamtwert von über 60 Millionen Euro, hinzu kommen weitere drei Projekte – mit einem Volumen von 40 Millionen Euro –, deren Beauftragung unmittelbar bevorstehe. Dieser Höchststand ist ein klarer Indikator für das Vertrauen, das Kunden weltweit in die Kompetenz und Zuverlässigkeit von Axis setzen. Mit diesen Projekten werden wir nicht nur unsere Marktposition festigen, sondern auch neue Standards in der Branche setzen“, sagt Theuermann. Unter den weiteren Beauftragungen, die höchsten Geheimhaltungsvereinbarungen folgen, sind Simulatoren des Typs Bombardier Challenger 350 (für die Aviation Academy Austria) bzw. des Turboprop-Regionalflugzeug ATR600 für einen Kunden in den USA. Laut Theuermann sei die Umsetzung „alles andere als ein Selbstläufer“ und drückt auf die Euphoriebremse: „An erster Stelle steht nun, die beauftragten Projekte zur Zufriedenheit unserer Kunden zu realisieren und die noch offenen Aufträge erfolgreich zu akquirieren.“ All diese tollen Nachrichten bringen auch Engpässen zum Vorschein, die in erster Linie die Mitarbeiter betreffen. "Wir haben derzeit exakt 101 Mitarbeiter, vorwiegend aus der Region, suchen aber rund 20 neue. Wir brauchen Montagemitarbeiter, Softwareentwickler, Elektrotechniker, Hardwarentwickler, die uns bei den künftigen Projekten unterstützen", betont Theuermann.