Mit harter Hand zurück zum Wachstum
Südkorea sucht mit Milliardeninvestitionen den Weg aus der Krise. Die Politik greift dafür vor den Wahlen hart durch.
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32-Stunden-Woche? Vier-Tage-Woche? In Südkorea wirken derartige Debatten wohl wie von einem anderen Planeten. Dort gab es unter der letzten Regierung zwar 2018 eine signifikante Arbeitszeitverkürzung – allerdings von 69 auf 52 Stunden. Versuche des amtierenden Präsidenten Yoon Suk Yeol, die Senkung wieder rückgängig zu machen, scheiterten, die Stimmung vor den Parlamentswahlen am 10. April bleibt damit aufgeheizt. So wurden zwei große Streiks von Lastwagenfahrern und Bauarbeitern vom Präsidenten kurzerhand per Regierungsdekret beendet. Zuletzt hat die mehrwöchige Arbeitsniederlegung von über 90 Prozent der Assistenzärzte das Gesundheitssystem an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. In Asiens viertgrößter Volkswirtschaft brodelt es.
Auch die Wirtschaftsleistung legte im Vorjahr nur um magere 1,4 Prozent zu. Für heuer wird zumindest ein Plus von 2,2 Prozent prognostiziert. Höhere Energiekosten und der Handelskonflikt zwischen China und den USA strahlen auch auf Korea aus. Die Inlandsnachfrage hat sich eingebremst, parallel schmilzt die Nachfrage nach den Hauptexportgütern Halbleitern und Kraftfahrzeugen (Südkorea ist weltweit fünftgrößter Autohersteller, 2023 wurden 4,3 Millionen Pkw produziert).
Der Außenhandel mit Österreich ist diesbezüglich eine Ausnahme. Die Importe koreanischer Waren kletterten zuletzt um 9,6 Prozent auf einen Wert von 1,2 Milliarden Euro. Umgekehrt brachen allerdings die Exporte von Österreich nach Südkorea zwischen 2022 und 2023 um 17,5 Prozent ein. Die Gründe lagen auch in der Steiermark. Denn das Minus sei, so Österreichs Wirtschaftsdelegierter Wolfgang Köstinger, fast ausschließlich darauf zurückzuführen, dass der in Südkorea beliebte 5er-BMW seit dem Frühjahr 2023 nicht mehr bei Magna in Graz produziert wird. „Das Exportergebnis 2023 ist aber nach dem Rekordjahr 2022, als die österreichischen Ausfuhren nur noch ganz knapp hinter jenen nach Japan lagen, trotzdem das zweitbeste aller Zeiten“, relativiert er.
Potential für heimische Unternehmen ortet Köstinger unter anderem in Bereichen wie Batterietechnologie und Biotech. Zudem will die südkoreanische Führung die Halbleiterindustrie weiter forcieren. Schon jetzt halten Samsung und SK Hynix einen Weltmarktanteil von 60 Prozent bei Speicherchips. Milliardeninvestitionen sollen diese Vormachtstellung festigen. „Hidden Champions aus Österreich mit innovativen Lösungen haben hier die Möglichkeit, sich als Geschäftspartner zu positionieren“, so Köstinger.
Eine allgemeine Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Südkorea soll unter anderem ein eigenes „Digital Trade Agreement“ bringen. Ende März fand dazu die dritte Verhandlungsrunde in Brüssel statt. In den beiden Verhandlungsrunden zuvor konnten bereits Fortschritte erzielt werden. Die vierte Verhandlungsrunde ist für Anfang Mai in Seoul angesetzt. Ein Verhandlungsende ist allerdings noch nicht absehbar.