Zum Inhalt springen
Baustelle in Dubai. Dahinter viele Wolkenkratzer.
© Klaus Höfler

Ruhiger Hafen in stürmischen Zeiten

Die Vereinigten Emirate sind Garant für Wirtschaftswachstum. Man fürchtet aber eine Eskalation regionaler Konflikte.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 27.02.2025

Dem Burj Khalifa – mit 828 Metern und 162 Stockwerken das aktuell höchste Gebäude der Welt – bietet sich jeden Tag dasselbe Bild: In sämtlichen Himmelsrichtungen spucken Autobuskolonnen lange, bevor die Sonne aufgeht, unablässig Leute aus. Zielstrebig verschwinden sie in den Rohbauten, Baugruben und Hochhausskeletten der Umgebung. Denn auch wenn um den markanten Wolkenkratzer alles schon bis in schwindelerregende Höhen architektonisch verdichtet zu sein scheint – Dubai gilt als die Stadt mit der weltweit höchsten Anzahl an Wolkenkratzern mit über 300 Metern Höhe – gebaut wird hier seit rund drei Jahrzehnten in höchster Intensität.

Parallel explodierte die Einwohnerzahl von rund 850.000 im Jahr 2000 auf aktuell mehr als drei Millionen. Heute beheimatet Dubai rund ein Drittel der gesamten Einwohner der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Ein Ende dieses Bau- und Bevölkerungsbooms ist nicht in Sicht. „Dubai gilt als ruhiger Hafen in politisch und wirtschaftlich stürmischen Zeiten“, sagt Österreichs Wirtschaftsdelegierter Johannes Brunner. Zuwanderer kommen aus der ganzen Welt, zuletzt auch verstärkt aus Russland. 

Hinweis
6 Prozent Wirtschaftswachstum werden für die VAE heuer prognostiziert. Ein Plus von zwei Prozent. 

9,3 Millionen Besucher verzeichnete Dubai allein im ersten Halbjahr 2024 (plus 9 Prozent zu 2023).

23,5 Prozent höher als 2022 lag der Warenwert der österreichischen Produkte (657 Mio. €), die 2023 in die Emirate exportiert wurden.

2,1 Prozent Inflationsrate gab es 2024 in den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2023 lag die Teuerungsrate bei nur 1,6 Prozent.

Zusammen mit dem knapp eineinhalb Autostunden entfernten Nachbaremirat Abu Dhabi gilt Dubai als pulsierendes Herz der Golfregion. Denn die einzelnen sieben Emirate der VAE tragen sehr unterschiedlich zur Wertschöpfung bei. So entfiel im Jahr 2023 auf das ölreiche Emirat Abu Dhabi ein Anteil am VAE-BIP von 58 Prozent, auf Dubai 27 Prozent. Die weiteren fünf Emirate trugen nur 15 Prozent zum BIP bei. Entsprechend konzentriert sich auch der Fokus der österreichischen Außenhandelsbeziehungen auf diese beiden Kern-Emirate, wobei aber die gesamte Region als Hoffnungsmarkt gilt. „Allein im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres sind Österreichs Warenexporte in die Vereinigten Emirate um 29,5 Prozent gestiegen“, rechnet Brunner vor. Zuletzt war Andritz zusammen mit Strabag führend beim Bau des ersten Pumpspeicherkraftwerks in den Emiraten dabei, andere Baufirmen sind immer wieder bei Hochhausprojekten engagiert. Hohe Wachstumsraten gibt es zudem bei Mess-, Prüf- und optischen Geräten, Kunststoffen und sogar Möbeln, Bettwaren und Beleuchtungskörpern. Dazu kommen Engegements in den Bereichen Verpackung, Ladenbau und chemische Industrie. 

Aus steirischer Sicht ist beispielsweise die Ennstal Milch schon seit rund 15 Jahren vor Ort vertreten. Man produziert unter anderem Kamelmilch, wobei die Milch für das im Ennstal verarbeitete Milchpulver von Tieren aus dem Viehbestand des Scheichs stammt. Potential gebe es beispielsweise beim Infrastrukturausbau. So ist ein Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt zwischen Dubai und Abu Dhabi um 1,2 Milliarden Euro in Planung. Unternehmen haben bis Anfang Mai Zeit, ihre Angebot einzureichen.

Ganz ohne Sorgen ist man aber auch am Golf nicht. Bei einer Eskalation regionaler Konflikte würden auch Dubai & Co. stark leiden.