Unis müssen enger zusammenwachsen
„Einsparungen, die Studierenden schaden, sind eine Zumutung“, kritisiert Peter Riedler, Rektor der Universität Graz.
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In internationalen Rankings tun sich die steirischen Universitäten schwer, Boden gut zu machen. Wären sie zusammen stärker?
Peter Riedler: Ich bin überzeugt davon, dass die drei großen Universitäten – die Technische, die Medizinische und die Karl-Franzens-Universität – enger und gezielter zusammenwachsen müssen. Es gibt ja bereits ein entsprechendes Engagement in diese Richtung, wenn man beispielsweise an das neue „Center of Physics“ oder „BioTechMed“ denkt, die Forschungskooperation der Universität Graz, der TU und der Medizinischen Universität. Da muss man noch viel mehr machen – nicht nur auf freiwilliger Basis, sondern auch verpflichtend und nicht nur, um Ressourcen zu nutzen, sondern auch um mehr Sichtbarkeit am Standort zu erreichen. Zu dritt sind wir ja sogar etwas größer als die Universität Wien.
Fehlt es Graz an einem Selbstverständnis, Universitätsstadt zu sein?
Tatsächlich tut die Stadt imagemäßig relativ wenig, um uns nach außen als Studierendenstadt zu positionieren. Da läge viel Potenzial drinnen.
Es scheint, als hätten wir mit der Uni, der TU, der Kunst- und Medizinuni zwar einen Vierrad-Antrieb, aber kein Fahrzeug, um die PS auf die Straße zu bringen.
Ja, das hat etwas mit Selbstverständlichkeit zu tun. Alle im Inneren wissen, dass alles wunderbar ist, aber nach außen gelebt wird es ein bisschen zu wenig.
Krisen wie Corona waren für die Universitäten gut, weil Studierende eher an der Uni blieben als in den unsicheren Arbeitsmarkt zu wechseln. Wiederholt sich dieses Phänomen derzeit?
Wir sehen auch jetzt, dass es tendenziell mehr Abschlüsse gibt.
Zeigen Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mehr Zurückhaltung, wenn es um die Bereitstellung von Drittmitteln für die Forschung geht?
Diesbezüglich würde ich keinen Trend ableiten wollen und sehe keine dramatische Veränderung, auch weil viele Unternehmen gerade dann in Forschung investieren.
Zur Person
Für 2028 bis 2030 stehen massive Einsparungsvorgaben des Bundes im Raum. Welche Folgen hat das?
Das diskutieren wir jeden Tag. Noch wissen wir nicht genau, was und wie viel wir einsparen müssen. Das entscheidet sich erst Ende Oktober. Aber wenn 500 Millionen Euro nicht nach Graz kommen, dann macht das natürlich schon etwas aus.
Sehen Sie an Ihrer Universität Einsparungspotenzial?
Ich argumentiere da differenziert. Ein Riesenbetrieb wie unsere Universität mit 350 Millionen Euro Umsatz, der in den letzten zwanzig Jahren immer gewachsen ist, muss sich eigentlich eingestehen: Natürlich kann man – wie jedes Unternehmen – einen gewissen Prozentsatz sparen. Man kann aber natürlich auch mehr investieren – was für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort sinnvoll wäre. Es geht immer darum, was man von einer Universität erwartet, auch im unternehmerischen Sinn. Deshalb sage ich: Alles, was den Studierenden unmittelbar schadet, ist eigentlich eine Zumutung. Daher versuchen wir primär, in den administrativen Bereichen zu sparen.
Welche Folgen hat das?
Es bringt natürlich einen Qualitätsverlust in der Servicierung der Studierenden. Als Universität leidet man da in der Breite und da und dort auch in der Spezialisierung. Aber es braucht natürlich trotzdem Mittel für Investitionen. Das wird oft unterschätzt. Beispielsweise beim „Center of Physics“: Das neue Gebäude ist natürlich eine schöne Sache. Aber man muss auch schauen, was man an Mehrwert daraus lukrieren kann – da geht es um das Herausarbeiten von Schwerpunktgebieten und entsprechende Berufungen von guten Leuten. Darin liegt die eigentliche strategische Frage.
Wären angesichst der Finanzierungsengpässe Studiengebühren sinnvoll?
Grundsätzlich ist die Tatsache, dass es gratis ist und man frei wählen kann, was man studiert, ein Wert. Wir haben ohnehin eine sehr hohe Steuer- und Abgabenquote. Wenn man jetzt noch etwas erfindet, was am Ende ja wieder dieselben trifft, nämlich jene, die es sich leisten können, dann ist das nicht besonders innovativ. Da bräuchte es schon ein Konzept dahinter – mit Anreizen für ein schnelles Studieren, oder ein Kreditsystem mit Rückzahlmöglichkeiten und ein überarbeitetes Stipendiensystem. Wenn es aber kein Konzept mit fairen Gebühren in einem studierbaren System gibt, dann bleibt es eine reine Einnahmenbeschaffung.
Sollte man die Studiengebühren für Drittstattenangehörige – derzeit rund 720 Euro pro Semester – erhöhen?
Das ist tatsächlich ein Thema, auch wenn man damit nicht die ganze Lücke finanzieren kann. Aber derzeit fehlt jede Strategie und es bleibt zunehmend die Frage, warum wir hier zu deutlich billigeren Konditionen als in den meisten anderen EU-Staaten ausbilden und dann nicht einmal ein System haben, damit die richtigen Leute die richtigen Studien studieren und man Drittstaatenangehörige eventuell verpflichten kann, nach dem Studium eine gewisse Zeit zu bleiben oder sonst Gebühren zu verlangen. Aber das kann man bei uns nicht diskutieren.