Von Medizintechnik bis zum Blumentopf
Vom Werkzeugbauer zum Spezialisten für biobasierten Kunststoff: E.L.T. setzt auf Innovation – und einen neuen Reinraum.
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Wenn Friedrich Zitz über Kunststoffrecycling spricht, bekommt das romantische Bild der Kreislaufwirtschaft Sprünge: „Das Dilemma ist, dass man die Fraktionen nicht sortenrein trennen kann und alles zu einem minderwertigen Einheitsbrei vermischt“, analysiert er. So könne man thermoplastische Produkte maximal drei- bis fünfmal recyceln – „man verzögert also nur die Verschmutzung“. Zitz forscht und arbeitet aber an einer Lösung dieses unbefriedigenden Status quo. Das von ihm 1995 als reiner Formen- und Werkzeugbauspezialist gegründete Unternehmen E.L.T. hat seine Tätigkeit mittlerweile auf den Kunststofftechnik-Bereich ausgeweitet.
Dort widmet man sich unter anderem der Entwicklung von biobasierten Kunststoffen. Neben synthetischen Kunststoffen, die für die Umwelt „in der Verrottung harmloser als Holz sind“ (Zitz), geht es dabei um Polymere aus nachwachsenden Ressourcen wie Zucker, Milchsäure oder Stärke sowie umweltverträgliche Materialmischungen, die bei Garten- produkten zum Einsatz kommen könnten – unter anderem Rankhilfen, Blumenkisterln und -töpfe. Bei Kompostierung oder maschineller Verarbeitung sei eine vollständige Verrottung binnen eines halben Jahres möglich, so Zitz.
Der Hemmschuh bei der Entwicklung dieser nachhaltigen Lösungen sei die Preisgestaltung am internationalen Markt, klagt Zitz: „Schlechte Kunststoffe gibt es am Weltmarkt zu Schleuderpreisen, Biopolymere sind um ein X-faches teurer.“ Die Folge: Nur 1,5 Prozent der aktuell verwendeten Kunststoffe basieren auf biologisch nachhaltigen Produkten. Zudem entfallen von den weltweit 450 Millionen Tonnen Kunststoff, die pro Jahr verarbeitet werden, 40 Prozent allein auf Verpackungsmaterial. „Dort muss man mit biobasierten Kunststoffen ansetzen“, ist Zitz überzeugt. Bei technischen Bauteilen sei das aktuell dagegen unmöglich. „Da braucht es verbesserte Synthesewege.“
Neben der Produktion technischer Bauteile für die Elektro- und Energietechnik und der Biokunststoffentwicklung setzt man bei E.L.T. seit eineinhalb Jahren auch verstärkt auf Medizintechnik. Am Firmenhauptsitz in Friedberg entsteht dafür gerade ein entsprechender Reinraum, berichtet Dagmar Ajtic, die zusammen mit ihrer Schwester Esther Lang das vom Vater gegründete Unternehmen seit dem Jahr 2019 führt.