Zum Inhalt springen
Geschäftsmann mit Fernglas über einer Suchleiste; symbolisiert Suche, Vision, Zukunft, Strategie und digitale Sichtbarkeit.
© afxlamiya2026 | stock.adobe.com

Wie Betriebe 2026 digital sichtbar werden

Die Online-Welt verändert sich rasant. Viele Selbständige fragen sich, wie sie in Zeiten von Künstlicher Intelligenz, ständig neu aufpoppenden Social-Media-Trends und permanenten Online-Bewertungen aus der digitalen Masse hervorstechen. Agentur-Chefinnen Sabrina Egger-Feiel und Tamara Gosch von „Frida Grün“ und Maria Höpler-Schoiswohl von „Kommhaus“ bringen Licht ins Dunkel. 

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 15.01.2026

1 Was ist der erste Schritt, um im Netz sichtbar zu werden?

Klarheit  sei das A und O – sind sich die Expertinnen einig. „Digitale Sichtbarkeit beginnt mit der Klarheit über die eigene Positionierung. Alles andere ist Aktionismus ohne Wirkung“, ist Maria Höpler-Schoiswohl überzeugt. Heißt konkret? „Bevor man irgendetwas im Netz macht, muss man sich zuerst die Basic-Fragen stellen. Also: Was biete ich als Unternehmen an, wer ist die Zielgruppe, welche Probleme haben sie und wie kann ich sie lösen“, erklärt Egger-Feiel.

Gerade regionale Betriebe brauchen eine klare Positionierung und eindeutige, widerspruchsfreie Botschaften, um online aufzufallen.

2 Reicht es, eine Webseite ein­malig aufzusetzen?

Keineswegs, meint Tamara Gosch. Denn auch eine Webseite muss aktuell gehalten werden. „Füttere ich meine Webseite nie mit neuen Inhalten, gebe ich Google das Signal, dass mein Unternehmen nicht mehr aktiv ist.“ Eine schlechtere Reihung ist somit vorprogrammiert. Besser gerankt wird man hingegen, wenn man die eigene Seite zumindest einmal im Monat aktualisiert – beispielsweise mit Ankündigungen, Bildern oder Blogbeiträgen. Zudem empfiehlt die Webdesignerin, alle drei bis fünf Jahre das Design der Webseite anzupassen. Ein schneller Tipp zum Jahresanfang: „Gerade jetzt ist eine gute Zeit, um zumindest die Jahreszahl in der Fußzeile zu aktualisieren. Auch damit zeigt man Präsenz“, meint Gosch.  

3 KI verändert die Suche – wie müssen sich Betriebe darauf einstellen?

Wer einen KI-Chatbot wie ChatGPT nutzt, weiß: Je präziser der Prompt, desto besser die Ergebnisse. Heißt aber auch: Gepromptet wird nicht in Schlagworten, sondern in Sätzen. Und die werden immer länger, erklärt Egger-Feiel: „Um vom KI-Chatbot als Quelle gelistet zu werden,  muss man auf der eigenen Webseite oder den Social-Media-Kanälen Antworten auf Fragen parat haben.“ Statt auf Quantität komme es auch in diesem Fall auf Qualität an. „Ich muss klar, strukturiert und in Fakten kommunizieren. An einer klaren Positionierung und eindeutigen Botschaften kommt auch die KI nicht vorbei.“ Hilfreich sei es, auch auf anderen großen Plattformen, wie Reddit, präsent zu sein.

4 Muss ich als Betrieb einen Social-Media-Kanal haben, und welcher hat am meisten Sinn?

Während viele Unternehmer das Gefühl haben, auf möglichst vielen Social-Media-Plattformen präsent sein zu müssen, relativieren die Expertinnen: Nicht jeder Kanal ist für jeden Betrieb relevant. Entscheidend sind die Zielgruppe und die Branche. Und hat man wenig Zeit, kann man auf Soziale Netzwerke gänzlich verzichten. Denn: „Am Beginn muss man sich für die Bespielung mindestens fünf Stunden pro Woche Zeit nehmen. Starten sollte man mit nur einem Kanal“, meint Gosch. 

Social-Media-Kanäle und Webseiten müssen aktuell gehalten werden. Reicht die Zeit nicht, ist ein Kanal weniger mehr.

5 Wie wirken Betriebe auf Social Media authentisch, ohne zu viel preiszugeben?

„Die Zeiten glattgebügelter Profile sind 2026 endgültig vorbei“, ist Egger-Feiel überzeugt. Und dennoch: Nicht jeder Inhalt ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Ein Expertentipp: „Jeder Inhalt, der preisgegeben wird, muss überprüft werden: Stärkt er Vertrauen, bietet er Mehrwert – oder soll er nur Aufmerksamkeit generieren? Wenn letzteres überwiegt, gehört er nicht gepostet“, rät Höpler-Schoiswohl.  

6 Lohnt sich für KMU die Zusammenarbeit mit Mi­croinfluencern?

Große Firmen lassen ihre Produkte und Dienstleistungen oft von Influencern bewerben. Was im Großen funktioniert, geht aber auch im Kleinen und hat Vorteile: „Influencer mit einer geringeren Reichweite wirken sogar authentischer und vertrauenswürdiger als jene mit 100.000 Followern“, weiß Tamara Gosch. Wie findet man aber die richtigen? Ganz einfach: „Berichten Influencer ähnlich über Themen wie das eigene Unternehmen, sind sie die geeigneten Partner.“

7 Ist es sinnvoll, einen eigenen Podcast zu starten?

Ansonsten lohnen sich auch Gastauftritte in bestehenden Podcasts. Auch sie versprechen Sichtbarkeit. 

8 Wie reagiert man am besten auf negative Bewertungen und Kommentare?

Über positives Feedback freut sich jeder, doch auch vor negativen Rezensionen ist so gut wie niemand gefeit. Wie damit umgehen? „Auf jeden Fall respektvoll, professionell und sachlich“, meint Höpler-Schoiswohl. Die Person müsse sich verstanden fühlen. Keinesfalls sollte man in Sozialen Medien oder auf Google Diskussionen starten. Gosch rät zu persönlichem Kontakt. Entschärft werden können viele Situationen, indem man ein Telefonat oder auch E-Mail-Verkehr anbietet.

9 Wie gelingt es Unternehmen, mit Nutzern auf Plattformen zu interagieren?

Der Aufbau eines eigenen Netzwerks ist für Betriebe entscheidend. Immerhin schafft man sich so eine Gruppe, die sich mit den Unternehmensinhalten beschäftigt. Was offline gilt, gilt auch online: „Gemeinschaft entsteht durch Beziehung. Unternehmen müssen auch im digitalen Umfeld zuhören, in Dialog gehen und Mehrwert bieten“, weiß Höpler-Schoiswohl. Ein Beispiel aus der Praxis von Tamara Gosch und Sabrina Egger-Feiel: „Für ein neues Online-Produkt, das wir auf den Markt bringen wollten, haben wir unsere Community nach ihrer Einschätzung gefragt. Das war hilfreich.“ 

10 Welchen Trend sollten Betriebe unbedingt am Radar haben?

Eindeutig die KI, sind sich die drei Unternehmerinnen einig. Denn obwohl die Künstliche Intelligenz so gut wie allen ein Begriff ist, werde das Potenzial von vielen unterschätzt. Zum einen beeinflusst die KI die digitale Positionierung, weshalb eindeutige Botschaften wichtiger als je zuvor sind (siehe Punkt 3), zum anderen kann die KI für Entlastung in der täglichen Arbeit sorgen. Sabrina Egger-Feiel erklärt: „Viele verstehen noch immer nicht, dass die KI Abläufe verbessern und bei repetitiven Aufgaben helfen kann. So bleibt mehr Zeit für die menschliche kreative Arbeit. Wir zeichnen beispielsweise unsere Meetings auf und lassen sie jetzt von einer KI transkribieren. Das spart uns sehr viel Zeit.“