#FairStreamtBesser
Warum internationale Streamingplattformen einen fairen Beitrag zum österreichischen Film leisten sollen
Lesedauer: 4 Minuten
Mehr als 100 prominente Schauspieler:innen, Regisseur:innen und weitere Filmschaffende treten gemeinsam für die Einführung einer Investmentobligation in Österreich ein. Unter dem Motto #FairStreamtBesser machen sie mit persönlichen Botschaften darauf aufmerksam, warum internationale Streamingplattformen einen fairen Beitrag zum österreichischen Film leisten sollen.
Unterstützt wird #FairStreamtBesser unter anderem von Verena Altenberger, Manuel Rubey, Simon Schwarz, Valerie Huber, Pia Hierzegger, Lilian Klebow, Erwin Steinhauer, Ursula Strauss, Anton Noori, Gregor Seberg, Günther Lainer, Antonia Stabinger, Elke Winkens und Harald Sicheritz sowie zahlreichen weiteren Filmschaffenden aus unterschiedlichen Bereichen der österreichischen Filmwirtschaft.
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Key Facts
Was sind die Investment Obligation (IO) und Levy?
Streaminganbieter, die in Österreich Millionenumsätze machen (Abos, Werbung), sollen einen (noch näher zu bestimmenden) Prozentsatz davon in österreichische und europäische Produktionen investieren, sowie einen weiteren Anteil in einen Topf einzahlen, aus dem Förderungen gespeist werden.
Wo gibt es diese Modelle bereits?
13 europäische Länder haben IO/Levy eingeführt:
Frankreich 20 – 25 %, Italien 16 %, Spanien 5 %, Dänemark 2 – 5 %, Belgien bis 9,5 %, Portugal 1 %, Polen 1,5 %, Kroatien 2 %, Niederlande 4,5 %, Tschechien 3,5 %, Griechenland 1,5 %, Rumänien 3 – 4 %; Schweiz (Non-EU): 4 %.
Deutschland plant 8 - 12 % ab 1.1.2027.
Zahlen die Streamer nicht ohnehin bereits 5 % Werbeabgabe bzw. Digitalsteuer?
Nein. Streaming ist von der Werbeabgabe ausgenommen.
Warum müssen auch Österreichische Privatsender zahlen?
Weil auch sie für die Umsätze ihrer Streamingangebote weder eine Werbeabgabe noch eine Digitalsteuer zahlen. Aber die Privatsender investieren doch bereits! Das stimmt, wir kennen leider keine genauen Zahlen, weil die Sender diese nicht veröffentlichen. In unseren Forderungen wird dieser Umstand berücksichtigt: Was bereits investiert wird, wird entsprechend angerechnet.
Warum ist der ORF ausgenommen?
Auch der ORF ist von der Einführung von IO und Levy betroffen. Er erfüllt aber bereits jetzt sämtliche Quoten weit mehr als jeder Prozentsatz, den die Branche fordert.
Was ist mit kleinen Medienunternehmen, die Online-TV machen, aber damit nur geringe Umsätze verbuchen?
Unser Vorschlag sieht vor, dass alle Medienunternehmen mit einem Umsatz unter 2 Mio. von IO und Levy ausgenommen sind.
Was hat das Publikum davon?
Statt dem Einheitsprogramm von nur wenigen großen Playern finden so neben vermehrt europäischen auch dezidiert österreichische Produktionen ihren Platz auf verschiedenen Sendern und Streamern. Dadurch werden die österreichische Sprache, Kultur und Lebensart in all ihrer Vielfalt breit abgebildet und erhalten.
Warum sollen die Streamer/Sender das tun und was haben österreichische Schauspieler:innen und Filmschaffende davon?
Die österreichische Filmbranche übernimmt große Teile der Ausbildung von Talenten, die später Streamern zugutekommen. Laut einer Studie wirken Schauspieler:innen zuerst in durchschnittlich 23 geförderten Produktionen (Kino oder Fernsehen) mit, bevor sie eine Rolle bei einem Streamer erhalten.
Aber werden dann die Streamer nicht die Abos erhöhen und am Ende zahlen die Kund:innen mehr?
Damit wird tatsächlich immer wieder gedroht. Tatsache ist jedoch, dass bisher die Einführung von IO und/oder Levy in keinem EU-Land zu einer Erhöhung der Abo-Gebühren geführt hat. Gebührenerhöhungen haben unabhängig davon stattgefunden:
Und was ist, wenn sich dann ein Streamer aus Österreich zurückzieht?
Auch hier hat die Erfahrung gezeigt, dass sich die Streamer aus keinem einzigen EU-Land, in dem IO und/oder Levy eingeführt wurden, zurückgezogen haben. Auch wenn zuerst damit gedroht wurde.
Was bringt es der österreichischen Wirtschaft?
Eine ganze Menge! Wenn mehr in österreichische Produktionen investiert wird, profitieren viele Unternehmen im Land. Der Markt wird stabilisiert, es entstehen Arbeitsplätze, heimische Filmstudios und Dienstleister werden besser ausgelastet und zusätzliche Steuereinnahmen werden erwirtschaftet. Gleichzeitig wird vor Ort wertvolles Know-How aufgebaut und der Medienstandort Österreich gestärkt.
Ist das nicht Protektionismus?
Ganz im Gegenteil! Die Streamingdienste werden nicht ausgeschlossen oder in ihren Geschäftsmodellen verhindert, sie werden stärker in das Film-Ökosystem eingebunden.
Österreich ist ein wichtiger Produktionspartner innerhalb und außerhalb Europas: seine audiovisuelle Branche bringt weltweit fesselnde Filme und Serienformate auf die Bildschirme.