Globale Verflechtungen und Abhängigkeiten: Die Folgen des US-Zollkurses
Das vergangene Jahr brachte eine ausgeprägte US-Zollpolitik mit sich. Mit Folgen auch für Österreich – durch direkte Exporte und indirekt über globale Wertschöpfungsketten.
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Das erste Jahr von Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident stand wirtschaftlich im Zeichen einer ausgeprägten Zollpolitik, mit dem Ziel, das Handelsbilanzdefizit der USA zu verringern und die industrielle Produktion im Inland zu stärken. Eine Analyse von Stehrer et al. (2025) in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter zeigt, dass die Auswirkungen der Zölle von ihrer Höhe sowie den direkten und indirekten Abhängigkeiten der Länder von der US-Wirtschaft bestimmt werden.
Dies zeigt sich insbesondere an dem Anteil der Wertschöpfung des jeweiligen Landes, der in den US-Importen enthalten ist. Dabei sind zwei Effekte zu unterscheiden: Die direkten Wertschöpfungseffekte im jeweiligen Land selbst und die zusätzlichen indirekten Effektedurch die Verflechtungen mit anderen Ländern.
Für Österreich bedeutet das: Die direkten Exporte in die USA tragen etwa 1,7% zum heimischen BIP bei. Hinzu kommt, dass österreichische Vorleistungen, die in die Exporte anderer Länder (wie etwa Deutschland) in die USA eingehen, weitere 1,4% des österreichischen BIP ausmachen.
Kanada, Mexiko und Irland sind mit jeweils rund 15% ihres BIP besonders stark von Exporten in die USA abhängig. Auch die Schweiz und Südkorea weisen mit 8% bzw. 6% hohe Werte auf, während die EU als Ganzes mit rund 4% des BIP betroffen ist. Eine Eskalation der US-Zölle würde daher nicht nur einzelne Mitgliedsstaaten, sondern die gesamte europäische Wirtschaft treffen – insbesondere jene Branchen und Länder, die eng in internationale Lieferketten eingebunden sind.
US-Zollpolitik bringt nur Verlierer
Auch in den USA blieben die erhofften Effekte bisher aus. So drückt die Unsicherheit über den Preis von importierten Vorleistungen merklich auf den Arbeitsmarkt in der Industrie und der erhoffte Job-Boom ist bis jetzt ausgeblieben.
Für Europa steigt der Handlungsdruck: Das geoökonomische Umfeld bleibt herausfordernd, das bisherige EU-Wachstumsmodell steht unter Druck. Umso wichtiger ist neben der konsequenten Nutzung des Gestaltungsspielraums im europäischen Binnenmarkt, eine geschlossene, aktive Handelspolitik, die Verlässlichkeit gegenüber Partnern zeigt und zugleich wirksame Defensivkapazitäten bereithält.
USA bleiben wichtiger Exportpartner - Exportpotenziale in Nordamerika nutzen
Trotz aller Unsicherheiten bleiben die USA ein unverzichtbarer Baustein für Österreichs Exportwirtschaft: Mit einem Exportvolumen von 16,2 Mrd. Euro waren die USA im Jahr 2024 Österreichs zweitwichtigster Exportmarkt. Generell ist die Bedeutung des nordamerikanischen Wirtschaftsraums enorm: In den vergangenen zehn Jahren stiegen die heimischen Warenausfuhren nach Nordamerika um 108% auf 19,6 Mrd. Euro (2024).
Auch Mexiko und Kanada haben sich als wichtige Destinationen für „Made in Austria“ entwickelt. Mit einem Exportvolumen von 1,8 bzw. 1,6 Mrd. Euro zählen beide Staaten zu den Top 5-Überseemärkten. Zudem erwirtschaftet Österreich mit allen drei Ländern Handelsbilanzüberschüsse - ein klares Zeichen für die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Produkte, aber auch ein Hinweis auf die potenzielle Exponiertheit bei neuen Handelsbarrieren.
Diese Unsicherheit zeigt sich bereits in den Zahlen: In den ersten zehn Monaten 2025 gingen die Ausfuhren in die USA um mehr als 20 % bzw. rund 2,8 Mrd. Euro zurück. Gleichzeitig legten die Ausfuhren nach Kanada um 7% zu, während jene nach Mexiko leicht um 2% nachgaben.
Österreichs wichtigste Exportprodukte in den drei großen Volkswirtschaften Nordamerikas sind mit Abstand Maschinen und Fahrzeuge, gefolgt von Chemieprodukten. Gleichzeitig zeigt sich, dass gerade in diesen Sektoren noch ein erhebliches Exportpotenzial besteht: Allein bei Maschinen beträgt es etwa 2,7 Mrd. Euro, wovon rund 2,1 Mrd. Euro nur auf den US-Markt entfallen. Insgesamt beläuft sich das noch nutzbare Exportpotenzial in den drei Staaten auf 11,9 Mrd. Euro.
Anlässlich des ersten Jahrestags der Inauguration des US-Präsidenten rückt die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mit dem North America Day die Auswirkungen auf österreichische Unternehmen, die in die USA, Kanada und Mexiko exportieren oder vor Ort tätig sind, in den Fokus.
Eine aktuelle Analyse des nordamerikanischen Raums mit anschaulichen Grafiken und Kennzahlen finden Sie in den Gobal Insights Nordamerika.