Warum Geopolitik für Österreichs Exportbetriebe zum Wettbewerbsfaktor wird
Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und strategische Industriepolitik verändern die Spielregeln der internationalen Wirtschaft – mit spürbaren Folgen für exportorientierte Volkswirtschaften wie Österreich
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Die geopolitischen Spannungen der vergangenen Jahre verändern die internationalen Wirtschaftsbeziehungen nachhaltig. Handelskonflikte, neue Zölle oder der Konflikt im Nahen Osten wirken längst nicht mehr nur regional, sondern entwickeln sich zunehmend zu dauerhaften Risikofaktoren für Unternehmen und Märkte.
Gleichzeitig gewinnt die strategische Absicherung von Lieferketten, Technologien und Rohstoffen weltweit massiv an Bedeutung. Die internationale Wirtschaft wird immer mehr von sicherheitspolitischen Überlegungen geprägt. Staaten investieren verstärkt in strategische Industrien, kritische Infrastruktur und technologische Souveränität.
Wie stark sich die globale Industriepolitik verändert, zeigen aktuelle Zahlen: In China entfallen mittlerweile 98 % aller subventionsbasierten Industriemaßnahmen auf strategische Sektoren. In den USA liegt dieser Anteil bei 76 %, in der Europäischen Union bei 70 %.
Österreichs Exportwirtschaft steht unter Druck
Die schwierigen internationalen Rahmenbedingungen spiegeln sich zunehmend auch im österreichischen Außenhandel wider: Die heimischen Warenexporte gingen 2025 bereits das zweite Jahr in Folge zurück. Insgesamt sanken die Exporte nominell um 0,5 % auf 190,14 Milliarden Euro.
Besonders herausfordernd bleiben die schwache Nachfrage nach Industrieprodukten in Europa sowie die zunehmende Konkurrenz durch hoch subventionierte Produzenten aus China.
Der Anteil chinesischer Waren an den österreichischen Gesamtimporten erhöhte sich von 1,7 % im Jahr 2002 auf mittlerweile 9 % im Jahr 2025. China stieg damit zum zweitwichtigsten Lieferanten Österreichs auf.
Gleichzeitig bleibt Österreichs Außenhandel stark europäisch geprägt: Rund 68 % der österreichischen Warenexporte gingen 2025 in die EU-27. Deutschland bleibt mit knapp 30 % Anteil weiterhin wichtigster Exportmarkt.
WKÖ-Exporttag 2026 zeigte Strategien und Chancen auf
Wie Unternehmen mit diesen Veränderungen umgehen können, stand im Mittelpunkt des WKÖ-Exporttags 2026 der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA. Rund 2.500 Teilnehmer:innen nutzten Österreichs größten Export-Event, um sich nicht nur über geopolitische Trends, sondern auch über neue Märkte und konkrete Geschäftschancen zu informieren.
Potenzial für österreichische Unternehmen sieht die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKÖ insbesondere in Südostasien, Indien, Zentralasien, Afrika und Südamerika. Eine wichtige Rolle spielen dabei internationale Handelsabkommen.
Durch das vorläufig in Kraft gesetzte EU-Mercosur-Abkommen erhöht sich der Anteil jener Staaten, mit denen die EU Freihandelsabkommen abgeschlossen hat, auf 23,5 % der globalen Wirtschaftsleistung. Auch ein mögliches Handelsabkommen mit Indien könnte insbesondere dem europäischen Maschinenbau sowie der Automobil- und Chemieindustrie neue Chancen eröffnen. Die EU hat dieses Jahr bereits Handelsabkommen mit Ländern ausverhandelt, die ein ungenutztes Exportpotenzial für Österreich von über 3,2 Mrd. Euro pro Jahr bergen.
Gleichzeitig besteht im europäischen Binnenmarkt weiterhin Wachstumspotenzial für die heimische Exportwirtschaft: Bereits ein zusätzlicher Nachfrageimpuls von nur einem Prozent innerhalb des EU-Binnenmarkts würde rechnerisch zusätzliche österreichische Warenexporte von rund 1,3 Mrd. Euro ermöglichen.
Internationale Marktkenntnis wird zum Erfolgsfaktor
Die geopolitischen Unsicherheiten führen zu einem deutlich steigenden Informations- und Beratungsbedarf heimischer Unternehmen. Mehr als 60 Wirtschaftsdelegierte aus aller Welt kamen anlässlich des diesjährigen WKÖ-Exporttages nach Wien, um österreichische Unternehmen zu Themen wie Markteintritt, Zoll, Normen oder rechtlichen Rahmenbedingungen zu beraten. Insgesamt wurden beim Exporttag rund 1.300 persönliche Beratungsgespräche geführt.
Auch insgesamt steigt die Nachfrage nach internationaler Unterstützung deutlich an: Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres führten die Expert:innen der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA mehr als 20.000 persönliche Beratungsgespräche mit österreichischen Unternehmen.
Zusätzlich organisierte die WKÖ mehr als 45 Wirtschaftsreisen mit rund 500 teilnehmenden Unternehmen sowie über 40 internationale Messeauftritte mit rund 450 heimischen Betrieben.
Fazit: Wettbewerbsfähigkeit neu denken
Internationale Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich heute nicht mehr ausschließlich über Kosten und Innovation. Resilienz, Versorgungssicherheit und strategische Partnerschaften werden zunehmend zu zentralen Erfolgsfaktoren für exportorientierte Unternehmen.
Für Volkswirtschaften wie Österreich wird damit die Fähigkeit, globale Veränderungen frühzeitig zu erkennen und strategisch darauf zu reagieren, immer stärker zum Wettbewerbsfaktor. Gerade in einer Phase tiefgreifender globaler Veränderungen brauchen Unternehmen Orientierung, Marktkenntnis und starke internationale Netzwerke.
Die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKÖ unterstützt heimische Betriebe dabei, geopolitische Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und daraus konkrete Chancen auf internationalen Märkten zu entwickeln.