"Electriciangirl" schaltet Klischees aus
Elektriker-Meisterin Magdalena Schnabl räumt mit Vorurteilen auf und steht an der Spitze zweier Betriebe ihre Frau. Auf Insta folgen ihr 48.000 Fans.
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Ob bei der Sanierung von Elektroleitungen, der Installation von PV-Anlagen oder bei der Fehlersuche nach Störungen: Als Elektrikerin ist Magdalena Schnabl ein höchst gefragter Profi. Die 29-jährige Grazerin hat nicht nur einen unkonventionellen Werdegang – vom Gymnasium in die Lehre – hinter sich, sondern in den letzten Jahren auch zwei Betriebe auf die Beine gestellt. So steht sie gemeinsam mit Marc Lackner, den sie bereits aus der Berufsschule kennt, gemeinsam ihre Frau an der Spitze der „STK Service GmbH“ mit dem Schwerpunkt auf klassische Elektroarbeiten und der „ML SunPower“ mit dem Fokus auf Photovoltaik.
Doch das ist nicht alles: Neben Kabel verlegen und Geräte installieren ist Schnabl auch eine ausgesprochen umtriebige Influencerin – auf Instagram folgen dem „Electriciangirl“, wie sie sich nennt, mittlerweile 48.000 Fans. „Ob einfache Haushaltstipps oder komplexere Projekte, mir folgen Mütter genauso wie Hobby-Handwerker und Branchenkollegen“, schmunzelt Schnabl. Sie selbst sieht sich als Botschafterin ihres Fachs. „Ich teile Eindrücke aus dem Arbeitsalltag mit meinen Followern – und bekomme viel positives Feedback dafür“, sagt sie nicht ohne Stolz. Auch Kooperationen hätten sich schon daraus ergeben, berichtet sie. Von der „Lust aufs Handwerk“, wie sie es formuliert, berichtet die Grazerin seit einiger Zeit auch bei Vorträgen in Schulen, wo sie insbesondere den Mädchen die Scheu vor der Technik nehmen und die Begeisterung fürs Anpacken weitergeben möchte. „Ich habe den Schritt, von der Schule in die Lehre gewechselt zu haben, noch keinen einzigen Tag bereut“, sagt die quirlige Firmenchefin – auch wenn die junge Frau eingesteht, dass sie bis heute immer wieder mit Vorurteilen in der stark männerdominierten Branche zu kämpfen hat. „Am Telefon werde ich immer wieder für die Sekretärin gehalten. Oder mir wird gesagt, ich solle einen echten Techniker schicken oder einen Gewerbeschein lösen“, kann sie nur den Kopf schütteln.
Dabei kann man der Steirerin kein X für ein U vormachen: Nachdem sie 2012 mit der Lehre gestartet ist, hat sie mittlerweile auch den Meisterbrief, den Gewerbeschein für zwei Unternehmen und jahrelange einschlägige Branchenerfahrung in der Tasche. Zudem engagiert sie sich in der Lehrlingsausbildung und ist auch als LAP-Prüferin im Bereich Elektrotechnik im Einsatz.
Von Geschlechterrollen und Stereotypen
Doch unterm Strich möchte Schnabl nicht nur auf Geschlechterrollen reduziert werden. So sieht sie sich vorrangig als Unternehmerin, die neben dem täglichen Business auch kalkulieren, planen und unternehmerische Entscheidungen treffen muss – vom Firmenauto bis zur Anstellung von Mitarbeitern. „Wenn man als Unternehmer heute erfolgreich sein will, muss man flexibel sein“, ist sie überzeugt. Marktlage, Kondititionen, Förderungen und Finanzierungen würden sich heute rasch ändern, darauf müsse man auch als Betrieb reagieren. Sagt’s und steigt auf die Leiter, um das nächste Video zu drehen.