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Christa Zengerer
© photoworkers.at

"Schwierige Zeiten als Innovationstreiber"

Christa Zengerer hat in stürmischen Zeiten als Geschäftsführerin erneut das Steuer im Mobilitätscluster ACStyria übernommen. Im Interview spricht sie über die strauchelnde Automotive-Branche – und Alternativen.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 16.08.2024
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Sie stehen an der Spitze des Mobilitätsclusters – in einer Zeit, in der die Autoindus­trie mit Rückschlägen kämpft. Wie steht es um den Automobilstandort Steiermark?

Christa Zengerer: Die Automobilindustrie steht vor Herausforderungen, davon bleibt auch die Steiermark nicht verschont. Rückschläge und schwierige Zeiten waren aber schon immer ein Treiber für Innovation. Mit einer F&E-Quote von über fünf Prozent zählt die Steiermark zu den innovativsten Regionen Europas. Die Steiermark – aus ihrer Historie heraus das „Verbrennerland“ – ist heute mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Fachhochschulen eine international anerkannte technologieoffene und innovative Automobilregion. Das beweisen etwa die Bewilligung des neuen COMET-K1-Zentrums „Battery4Life“ an der TU Graz oder die Ansiedelung der VARTA Innovation in Graz, das eine der modernsten Forschungseinrichtungen für Batterietechnologie in Europa ist. 

Was brauchen die heimischen Automobilzulieferer?

Zengerer: Eine Neugewichtung der Wertschöpfung in Richtung Digitalisierung. Für die Fahrzeuge der Zukunft benötigen wir Software, Sensorik, Chips und andere digitale Technologien.

Insbesondere die Sparte der Verbrennungsmotoren bereitet Sorgen. Kam das Aus für die Verbrenner zu schnell?

Zengerer: Die EU hat im Rahmen des „Green Deal“ das Ziel, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2050 auf null zu senken. Eine Maßnahme ist das geplante Verbot des Verkaufs neuer Pkw mit Verbrennungsmotor ab 2035. Das bedeutet nicht, dass es ab 2035 keine Pkw mit Verbrennungsmotoren mehr gibt. Unsere Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten seit Jahren an unterschiedlichsten Antriebs- und Fahrzeugkonzepten, darunter auch der Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors.

Wo sehen Sie die Zukunft in puncto individuelle Mobilität?

Zengerer: Das Thema e-Fuels wird wichtiger, damit könnten Pkw mit Verbrennungsmotor klimaneutral betrieben werden. In Zukunft wird es aus unserer Sicht einen Mix an unterschiedlichen Antriebstechnologien geben. Je nach Anwendungsfall werden sich unterschiedliche Technologien durchsetzen. Ziel aller relevanten Akteure der Mobilitätsindustrie muss es sein, eine individuelle, leistbare und vor allem nachhaltige Mobilität für alle zu ermöglichen.

Die Steiermark ist ein hochtechnologisches Land. Welches Potential sehen Sie im Automotive-Bereich in der Forschung und Entwicklung?

Zengerer: Die automotiven Zulieferbetriebe Österreichs sind heterogen aufgestellt. Das Produktportfolio reicht von Produkten für die Elektrik und Elektronik über Komponenten für den Antriebsstrang bis zu Teilen für Karosserie, Interieur sowie Dienstleistungen für die Fahrzeugindustrie bzw. produktionsnahe Dienstleistungen.

Der Mobilitätscluster umfasst auch die Sparte Rail Systems. Wie ist die Steiermark hier aufgestellt?

Zengerer: Als eine der klimaschonendsten Transportarten kommt der Bahnindustrie eine bedeutende und notwendige Rolle in der Transformation der Mobilitätsindustrie zu. Im Netzwerk des ACstyria haben wir rund 60 Unternehmen mit direktem Bezug zur Bahnindustrie. Mit großen Systemlieferanten, hochqualifizierten Nischenspezialisten und weltweit führenden Forschungseinrichtungen ist das Kompetenzfeld Rail Systems Teil einer seit Jahren dynamisch wachsenden Branche in der Steiermark. In einer aktuellen Umfrage gehen 60 Prozent der Unternehmen davon aus, dass der Umsatz im Bereich Bahn in den nächsten drei Jahren steigen wird.

Auch die Luft- und Raumfahrt ist Teil des Clusters. Welches Potential sehen Sie da?

Zengerer: Die Luftfahrtindustrie spielt eine ebenfalls entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung der Steiermark. Mit mehr als 80 Unternehmen, Jahresumsätzen von über 650 Millionen Euro sowie rund 3.000 Mitarbeitern ist dieser Sektor ein wesentlicher Teil des Mobilitätsclusters. Auch in diesem Bereich geht die Mehrheit der Unternehmen von steigenden Umsätzen aus.

Wie sind Sie selbst am liebsten unterwegs?

Zengerer: Noch ist es das Auto. Aber je nachdem, zu welchem Ziel ich gerade unterwegs bin, nutze ich auch immer wieder die Bahn oder das Flugzeug.

Hinweis
Christa Zengerer, geboren 1969, studierte  Werkstoffwissenschaften an der Montanuniversität Leoben. Von 2000 bis 2018 Prokuristin bzw. Vorstandsmitglied der Maschinen- und Apparatebau AG (MAG) in Deutschlandsberg, von 2018 bis 2022 erstmals Geschäftsführerin des Mobilitätsclusters ACStyria, bis Mitte 2024 Chefin des Österreichischen Gießereiinstituts.