Teil 19. Aus dem Winkel auf den Weltmarkt
Die steirische Exportwirtschaft hat sich im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts von einer regional fokussierten Industrieproduktion zu einer international vernetzten Stütze des Standorts entwickelt. Einige Zäsuren inklusive.
Lesedauer: 4 Minuten
Die steirische Exportwirtschaft hat im letzten Jahrhundert eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen, die eng mit den globalen und europäischen Umbrüchen verknüpft ist. Kriege, politische Teilungen, wirtschaftliche Krisen, der Beitritt zur Europäischen Union und die Globalisierung präg(t)en den Weg zu einem international verflochtenen Wirtschaftsstandort.
Noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die Steiermark vor allem eine Industrieregion, die auf die Verarbeitung ihrer natürlichen Ressourcen wie Eisenerz und Kohle setzte. Im Zentrum standen Unternehmen wie die Alpine Montanwerke in Leoben oder die Stahlwerke in Donawitz, die Stahl- und Eisenprodukte vor allem an Märkte in Österreich-Ungarn und im mitteleuropäischen Raum lieferten. Diese Industriezweige profitierten von den damals noch weitgehend regionalisierten Märkten des Habsburger-Reiches, das eine breite Absatzbasis bot.
Von der Krise zum Krieg
Der Erste Weltkrieg und der folgende Zerfall der Donaumonarchie zerstörten diese Märkte schlagartig. Die österreichischen Unternehmen verloren große Teile ihrer bisherigen Absatzgebiete, die nun zu neuen Staaten wie Tschechoslowakei, Ungarn oder Jugoslawien gehörten. Gleichzeitig waren sie gezwungen, sich auf den deutlich kleineren Binnenmarkt und ausgewählte westliche Länder zu konzentrieren.
In den 1920er- und frühen 1930er-Jahren versuchte die steirische Industrie, durch verstärkte Diversifizierung und technologische Innovation, wie den Einstieg in die Automobilzulieferindustrie (beispielsweise durch Unternehmen wie Steyr-Daimler-Puch), neue Märkte zu erschließen. Gleichzeitig waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 und protektionistische Tendenzen allerdings erschwert.
Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich änderten sich Ausrichtung und Auftragslage allerdings fundamental. Die Steiermark, als eine der industriellen Kernregionen Österreichs, spielte eine zunehmend wichtige Rolle in der Rüstungsproduktion und der Versorgung der Wehrmacht und „exportierte“ Fahrzeuge, Waffen und Munition in alle Teile des Dritten Reichs.
Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte die nächste Zäsur: Neben einer zerstörten Infrastruktur blieben nach Wiedererlangung der staatlichen Freiheit und einem so ehrgeizigen wie mühsamen Wiederaufbau potenzielle Exportmärkte im Osten aber durch den „Eisernen Vorhang“ hermetisch verschlossen. Erst durch das Ende des Ost-West-Konflikts 1989 und die darauf folgende EU-Osterweiterung ab 2004 öffneten sich die ehemals kommunistischen Staaten Mittel- und Osteuropas auch wirtschaftlich – was für steirische Unternehmen diversifizierte Absatzmärkte und neue Investitionsmöglichkeiten bot.
Die Basis dafür wurde aber hierzulande schon in den Folgejahren der Verstaatlichtenkrise gelegt: Die vormals trägen Schwerindustriedampfer wandelten sich zu innovationsstarken Spezialisten mit teilweise Weltmarktführer-Status.
Der EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 brachte einen uneingeschränkten Zugang zum Binnenmarkt und eine Intensivierung der Handelsbeziehungen mit anderen EU-Mitgliedstaaten. Mit der Gründung des Internationalisierungscenters Steiermark (ICS) im Jahr 2005 als Plattform für den steirischen Außenhandel reagierte man offensiv auf die zunehmende Globalisierung. Mit Erfolg. Seit damals hat sich das Exportvolumen steirischer Betriebe verdoppelt. Jeder zweite Euro, der in der Steiermark erwirtschaftet wird, und damit 50 Prozent der Jobs, sind mittlerweile vom Export abhängig – und damit bisweilen auch von Turbulenzen auf diesen Auslandsmärkten.
Export in Zahlen
1,2 Millionen Arbeitsplätze hängen in Österreich an der Exportwirtschaft. Mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung des Landes kommt aus dem Auslandsgeschäft.
9.000 Unternehmen aus der Steiermark sind im Exportgeschäft aktiv. Wichtigste Auslandsmärkte sind Deutschland und die USA.
28,2 Milliarden Euro betrug das Exportvolumen der steirischen Wirtschaft im vergangenen Jahr. Vor 20 Jahren lag dieser Wert noch bei
13,2 Milliarden Euro.
2020
Die WHO stuft die Infektionskrankheit COVID-19, ausgelöst durch den neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2, als „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ein.
2020
Österreich bekommt seine erste schwarz-grüne Bundesregierung unter Sebastian Kurz. Die 21 Sozialversicherungsträger werden zu fünf zusammengelegt.
2021
In Washington stürmen Demonstranten das Capitol. Wenige Tage später wird Joe Biden als US-Präsident angelobt. In Berlin tritt Angela Merkel als deutsche Bundeskanzlerin ab, Olaf Scholz folgt.
2021
Sebastian Kurz tritt als Bundeskanzler zurück. Außenminister Alexander Schallenberg folgt interimistisch, bevor Karl Nehammer übernimmt.
2022
In der Steiermark folgt Christopher Drexler Hermann Schützenhöfer als Landeshauptmann nach. Der bisherige Volksanwalt Werner Amon wird Landesrat.
2022
Die britische Königin Elizabeth stirbt mit 96 Jahren nach 70 Jahren an der Spitze des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth of Nations. Ihr Sohn Charles wird am 8. September zum König Charles III. gekrönt.
2022
Nach der Besetzung der Halbinsel Krim bereits 2014 marschiert Russland nach einer Großübung an der Grenze in der Ukraine ein. Die EU reagiert geschockt – und mit Sanktionen.
2023
Als Reaktion auf den Ukrainekrieg tritt Finnland der NATO bei. Ein Jahr später wird auch das neutrale Schweden Mitglied des Militärbündnisses.