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(v.l.): Michael Stvarnik, Landesinnungsmeister Bau, Christian Supper, Landesvorsitzender GBH, Wohnbaulandesrätin Simone Schmiedtbauer, Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz und Stefan Lipp, Vorsitzender der Fachvertretung Steiermark der Bauindustrie.
© Fischer

Alarmstufe Rot in der steirischen Bauwirtschaft

Die steirische Baubranche steht unter erheblichem Druck: Im Rahmen eines „Baugipfels“ am 18. Mai 2026 in der WKO Steiermark kamen Sozialpartner und Politik zusammen, um Auswege aus der prekären Lage zu finden.  Die Bauwirtschaft verlangte Klarheit über die Zukunft der Fördertöpfe und die Rahmenbedingungen.

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Aktualisiert am 20.05.2026

Die steirische Bauwirtschaft befindet sich in einer anhaltend kritischen Lage. Eine aktuelle Online-Befragung des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) im Auftrag der Landesinnung Bau und Holzbau sowie der Bauindustrie zeichnet ein besorgniserregendes Bild für das kommende Halbjahr. Ein erheblicher Teil der Betriebe rechnet mit sinkenden Auftragsbeständen und erzwungenem Personalabbau, berichtete Julia Hiebler vom IWS. Verschärft wird diese Entwicklung durch einen massiven Einbruch bei den Fachkräften von morgen, wie die Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer Österreich für das Jahr 2025 belegt. Angesichts dieser doppelten Krise richten die steirischen Sozialpartner dringende Forderungen an die Politik: „Es braucht sofortige Klarheit darüber, was die Bauwirtschaft 2026 und 2027 erwartet, wie viele Mittel in den Fördertöpfen zur Verfügung stehen und welche Rahmenbedingungen gelten werden“, betont Bau-Landesinnungsmeister Michael Stvarnik. Stefan Lipp, der Vorsitzende der Fachvertretung Steiermark der Bauindustrie, mahnt: „Die Situation ist prekär. Gerade jetzt dürfen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur nicht verschoben werden, um das potenzielle Auftragsvolumen der steirischen Bauwirtschaft nicht noch weiter zu beeinträchtigen.“ 

"Die Zeichen stehen auf Sturm. Wir brauchen Planbarkeit, leichtere Finanzierungen, mehr Anreize im Geschoßwohnbau und für Eigenheime."

Düstere Konjunkturprognose und drohender Personalabbau

Rund 30 Prozent der befragten Betriebe erwarten in den nächsten sechs Monaten einen spürbaren Rückgang des Auftragsstands, während demgegenüber lediglich elf Prozent mit volleren Auftragsbüchern rechnen. Ähnlich verhält es sich mit der Kapazitätsauslastung, bei der fast ein Drittel der Unternehmen von einem weiteren Rückgang ausgeht. Besonders alarmierend ist dabei die Reichweite der vorhandenen Aufträge: Ein Viertel der Betriebe verfügt derzeit über eine Vollauslastung von weniger als einem Monat und fast die Hälfte ist nur noch für die nächsten ein bis drei Monate abgesichert: „Das sind sehr laute Alarmglocken, viele Betriebe leben von der Hand in den Mund“, so Stvarnik. Aufgrund dieser mangelnden Auslastung sehen sich 30 Prozent der Unternehmen gezwungen, im nächsten Halbjahr Personal abzubauen, während nur ein Prozent einen Beschäftigtenzuwachs erwartet. Zu dieser schwachen Nachfrage kommt noch massiver Druck durch geopolitische Krisen, vor allem durch den Krieg im Iran. So spüren achtzig Prozent der Betriebe die Auswirkungen des aktuellen Nahost-Konflikts, was sich vor allem in gestiegenen Energiekosten sowie teureren Material- und Vorleistungspreisen widerspiegelt. Das führt dazu, dass 44 Prozent der Unternehmen mit weiter steigenden Preisen rechnen. 

Steigende Arbeitslosigkeit am Bau

Diese düsteren Prognosen bilden sich auch auf Arbeitnehmerseite ab, wie die aktuellen Erhebungen der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) verdeutlichen. Die Zahl der gemeldeten BUAK-Arbeitnehmer in der Steiermark sank von einem Höchststand von 22.487 Personen im Oktober 2021 auf nur noch 18.531 im März 2026 – dies entspricht einem dramatischen Gesamtrückgang von 17,6 Prozent, womit die Steiermark sogar noch über dem bundesweiten Minus von 16,42 Prozent liegt. Parallel dazu verharrt die Arbeitslosigkeit in den Sektoren Bau, Holz und Steine trotz eines minimalen Rückgangs im April 2026 (3.180 vorgemerkte Personen) auf einem historisch besorgniserregenden Niveau. Verglichen mit dem Stand von April 2022 verzeichnet das Arbeitsmarktservice (AMS) in der Steiermark einen massiven Zuwachs an arbeitslosen Branchenangehörigen um 32,5 Prozent bzw. 779 Personen. 

"Ein Personalabbau von minus 30% tut wirklich weh. Jetzt geht es darum, Budgets und Wohnbaufördermittel bestmöglich zu sichern!"

Dramatischer Einbruch bei den Fachkräften von morgen

Die anhaltende Rezession im Bausektor gefährdet mittlerweile auch die langfristige Fachkräftesicherung im Land, da die Ausbildungsbereitschaft unweigerlich unter der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive leidet. Die Lehrlingsstatistik für das Jahr 2025 zeigt für die Steiermark einen schweren Rückschlag: „Lehrlinge sind unsere Zukunft, die Zahlen sind erschreckend“, so Christian Supper, Landesvorsitzender GBH. Im steirischen Baugewerbe sank die Gesamtzahl der Lehrlinge zwischen 2022 und 2025 drastisch um 27,8 Prozent. In der steirischen Bauindustrie fiel der Rückgang mit einem Minus von 20,51 Prozent ebenso deutlich aus.

Die Spitzen der steirischen Politik und Sozialpartner trafen sich in der WKO zum Baugipfel.
© Fischer Die Spitzen der steirischen Politik und Sozialpartner trafen sich in der WKO zum Baugipfel.

Gefordert: Planungssicherheit und Budgetwahrheit

Um diesem gefährlichen Abwärtstrend wirksam entgegenzuwirken, sieht die steirische Bauwirtschaft dringenden Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe hält zusätzliche Investitionsanreize für absolut notwendig. Die Bauwirtschaft fordert daher ein entsprechendes finanzielles Bekenntnis der Politik, auch für das kommende Budgetjahr.

Konkret verlangt die Branche eine Adaptierung der Einfamilienwohnhausförderung in Verbindung mit der tatsächlichen Abschaffung der KIM–Verordnung. Zudem soll ein Schwerpunkt bei Sanierungen auf die Förderung von Arbeitsleistungen gesetzt werden sowie eine umgehende Adaptierung der Assanierungsförderung erfolgen, um den privaten Wohnbau anzukurbeln. Essenziell wird auch sein, im Zuge der angekündigten Baugesetznovelle und des zweites Deregulierungsgesetzes wesentliche Erleichterungen zu schaffen und damit auch Kosten zu senken.

Zudem ist es für den Geschoßwohnbau unabdingbar, durch an den Baukostenindex angepasste Fördersätze die erforderliche Baubarkeit zu sichern. Nicht zuletzt sollte die begonnene Sanierungsoffensive für energetische Maßnahmen an Dächern, Wänden, Fenstern und Heizungssystemen verstärkt fortgesetzt werden.

"Viele steirische Maßnahmen zeigen, wie nicht zuletzt die sehr hohen Förderzahlen belegen, bereits Wirkung. Wir kämpfen weiter für attraktivere Rahmenbedingungen zur Belebung der Baukonjunktur für mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätze."


Statements: 

Michael Stvarnik, Landesinnungsmeister Bau:

„Die Zeichen stehen auf Sturm. Viele Betriebe der Bauwirtschaft leben von der Hand in den Mund. Es braucht sofortige Klarheit darüber, was die Bauwirtschaft 2026 und 2027 erwartet, wie viele Mittel in den Fördertöpfen zur Verfügung stehen und welche Rahmenbedingungen gelten werden. Steirisches Steuergeld soll an steirische Betriebe gehen, die ihre Mitarbeiter in der Steiermark beschäftigen, Regionalität muss gefördert werden – wir sind in einer massiven Krise: Seien wir mutiger!“ 

Stefan Lipp, Vorsitzender der Fachvertretung Steiermark der Bauindustrie:

„Letztendlich geht am Ende um den Preis, den jene zahlen, die Wohnungen und Häuser kaufen und mieten. Modulares Bauen ist etwa eine Möglichkeit, Wohnbau leistbar zu gestalten, aber oft stehen Raumplanung und Gestaltungsbeiräte im Weg. Hier sollte man ausgewogen nachdenken, wie man diese Bauweisen der Zukunft umsetzen kann. Wir schlagen für Bauprojekte einen Werte-Kompass vor, der Gestaltung und Naturschutz in Einklang bringt und Bauen nicht unnötig behindert.“ 

Josef Muchitsch, Abg. Z. NR, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH):

„Der konjunkturelle Einbruch droht die Steiermark in wenigen Jahren in Form eines massiven Fachkräftemangels auf den Baustellen einzuholen, wenn jetzt nicht gegengesteuert wird. Es ist in den letzten Monaten noch viel schlimmer geworden, als wir voraussehen konnten. Grundsätzlich wäre es kein Problem, die steirischen Baustellen und ihre Beschäftigten abzusichern, aber dafür wir brauchen Stabilität und Planbarkeit von der Politik.“ 

Christian Supper, Landesvorsitzender GBH

„Die Krise am Bau hat längst die Kernbelegschaften erreicht, und angesichts der Lehrlingszahlen wird es schwierig werden, die Berufsschulklassen zu füllen. Man darf nicht vergessen: Lehrlinge sind unsere Facharbeiter von morgen – und unsere Beitragszahler für das Pensionssystem. Aus der Gesamtsituation ergibt sich eine Kettenreaktion, die sich am Ende über mehrere Branchen zieht. So eine Krise haben wir lange nicht gehabt – wir sehen im Moment keinen Lichtblick.“ 

Simone Schmiedtbauer, Wohnbaulandesrätin

„Ich bedanke mich bei den Organisatoren des steirischen Baugipfels für die Initiative. Wir sind uns des Ernsts der Lage bewusst. Die Steiermark hat daher frühzeitig und entschlossen gehandelt – und unsere Maßnahmen entfalten bereits Wirkung: Derzeit befinden sich über 2.000 geförderte Geschoßbauwohnungen in Bau, so viele wie seit Jahren nicht. Allein in den vergangenen zwei Jahren konnten wir durch verbesserte Rahmenbedingungen und Mittel aus der ‚Wohnbaumilliarde‘ bereits zusätzlich mehr als 600 weitere Wohneinheiten im Neubau und rund 2.500 Wohneinheiten in der Sanierung auf den Weg bringen. Gleichzeitig wird der geplante ‚Sanierungspass‘ einen weiteren Impuls für die Bauwirtschaft bringen. Unser Ziel bleibt klar: leistbaren Wohnraum sichern, Investitionen fördern und wieder mehr Arbeitsplätze und Wertschöpfung in die Steiermark bringen.“