Ankick für das Milliardenspiel Fußball-WM
Die Fußball-WM und Österreichs erstmalige Teilnahme nach 28 Jahren lässt die heimische Wirtschaft jubeln.
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Für Philip Klöckl ist die WM schon (fast) entschieden. „Auf Basis der Daten und Wahrscheinlichkeit ist aus meiner Sicht England zu favorisieren – da wurde in den letzten Jahren viel richtig gemacht“, sagt der Gründer des Grazer Start-ups „Strykerlabs“ im Podcast „Geniestreich“ (siehe weiter unten). Klöckls Analysen und Prognosen haben Gewicht. Denn mit seinem Unternehmen unterstützt der Steirer namhafte Vereine – von Österreichs Meister LASK über Sturm Graz bis hin zum deutschen Aufsteiger Schalke 04 – dabei, auf Basis von Daten bestmögliche Entscheidungen zu treffen. Und Daten bestimmen den Fußball immer mehr – vom Klassiker der Ballbesitz-Statistik über expected Goals (xG) bis hin zu automatisch generierten Abseitslinien.
19. Juli am Plan der Fußballweltmeisterschaft. Mit 48 Teams gibt es das bisher größte Teilnehmerfeld bei einer WM.
Es sind aber nicht nur mögliche Wettgewinne, die im Schlepptau der am 11. Juni startenden Fußball-Weltmeisterschaft die global am weitesten verbreitete Sportart als Wirtschaftsfaktor in den Fokus rücken. Taugt der Rasensport beispielsweise als Spielwiese für Investments? „Grundsätzlich ja“, sagt Markus Kohlmeier, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister in der WKO Steiermark. Denn Möglichkeiten bietet diese Branche jede Menge. „Der Sportmarkt ist ja wesentlich mehr als Emotion, Fans und Großereignisse. Er umfasst Sportartikelhersteller, Ausrüster, Sportgeräteproduzenten, Medienrechte, Streaminganbieter, Eventveranstalter, Wettanbieter, E-Sports, Fitness- und Wellnessunternehmen sowie börsennotierte Sportvereine. Wer in diesen Bereich investieren möchte, kann es über Einzelaktien oder über spezialisierte ETFs tun, die mehrere Unternehmen aus dem Sport- und Freizeitsegment bündeln“, zählt Kohlmeier auf. „Wer in Fußballaktien investiert, sollte sich jedoch fragen, ob er als Fan oder als Anleger handelt“, warnt der Finanzdienstleister: „Sympathie ist noch keine Anlagestrategie.“
Abseits möglicher Gewinn-Flanken am Geldmarkt ist die WM auch für den heimischen Handel ein aufgelegter Elfmeter. Rund ein Drittel der Bevölkerung plant rund um das Turnier zusätzliche Ausgaben. Das entsprechende Volumen wird mit ingesamt 200 Millionen Euro angegeben. Profitieren werden vor allem der Sportartikel- und Lebensmittelhandel. 21 Prozent der Bevölkerung planen Mehrausgaben bei Essen und Getränken. Die Gastronomie hadert indes mit den teilweise für Public-Viewing-Veranstaltungen ungünstigen Übertragungszeiten frühmorgens oder spätabends. „Großereignisse halten wirtschaftlich immer seltener, was sie versprechen“, bleiben die Erwartungen beim Verband der Brauereien Österreichs verhalten. Als Gründe werden ein volatileres Konsumverhalten und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genannt. Man erwartet eine Verschiebung zu Home-Viewing-Events im privaten Bereich. Dort steht der Elektronik- und Telekommunikationsmarkt bereit.
Mir fällt es schwer, zu glauben, dass irgendeine andere Nation ein schöneres WM-Basecamp hat als wir.

Ralf Rangnick
ÖFB-Teamchef
Es wird erwartet, dass während der WM der Download an Streaming-Apps auf das Smartphone massiv zunimmt. Zum Vergleich: Während der letzten Fußball-WM 2022 stiegen die Downloads auf 41 Prozent über dem normalen Monatsdurchschnitt an.
Einen Gewinner gibt es schon vor dem ersten Ankick: Die FIFA rechnet mit Einnahmen in der Höhe von insgesamt rund 9,3 Milliarden Euro – ein Drittel und damit mehr als das Dreifache der letzten WM in Katar, allein aus dem Ticketverkauf. Zum Vergleich: Die gesamten Einnahmen sind damit mehr als doppelt so hoch wie die bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris.
Nach Radikalreform ist im Land der „Albiceleste“ nicht alles himmelblau
Zweieinhalb Jahre nach dem Amtsantritt von Javier Milei fällt eine Zwischenbilanz zwiespältig aus. Dank eines rigorosen Sparkurses wurde die Inflation von bis zu 25 Prozent monatlich auf rund drei Prozent eingebremst. Begleitet von einer ultraliberalen Wirtschaftspolitik, gab es erstmals nach 15 Jahren wieder einen Haushaltsüberschuss. Importe wurde vereinfacht – wovon österreichische Unternehmen aber nicht profitierten (2025: minus 17 %), parallel nahmen die Einfuhren aus Argentinien um 47 Prozent zu. Der Sparkurs führte im Land des dreifachen Weltmeisters 2024 zu einer Rezession; 3.000 Industriebetriebe sperrten zu. Das Konjunkturplus von 4,4 Prozent 2025 lag am niederen Ausgangsniveau.
Agrar- und Anlagentechnik für und grüner Wasserstoff aus Nordafrika
Der jüngste Superlativ in Algerien kommt aus der Steiermark: Die Andritz AG zog einen Auftrag für eine Papierproduktionsanlage an Land, die die breiteste und leistungsstärkste in ganz Afrika sein wird. Auftragsmöglichkeiten im flächenmäßig größten Land des Kontinents ergeben sich für österreichische Exporteure auch bei „Baladna“, dem größten Landwirtschafts- und Ernährungssicherheitsprojekt in Afrika und dem Nahen Osten. 3,3 Milliarden Euro werden investiert. Bis 2030 soll zudem ein Viertel des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen bezogen werden, dazu kommt die Wasserstoffroute Richtung EU. Zuletzt gab es ein rot-weiß-rotes Exportplus (18 %), während die Importe zurückgingen.
Zartes Konjunkturplus im Herzen einer permanenten Krisenregion
Im Westen Israel, im Norden Syrien und der Libanon, im Osten der Iran und Irak und im Süden Saudi-Arabien: Es gibt „gemütlichere“ Weltgegenden. Nichtsdestotrotz konnte Österreichs WM-Auftaktgegner Jordanien zuletzt auf ein Wirtschaftswachstum von 2,5 (2024) und 2,7 Prozent (2025) verweisen. Seit Ausbruch des Kriegs sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen allerdings – wieder einmal – schwierig, insbesondere aufgrund logistischer Herausforderungen und des neuerlichen Ausfalls des internationalen Tourismus. Zuletzt fielen rund um das Tote Meer und Petra allein in dieser Branche über 70.000 Jobs weg.