Das heimische Wirtschaftsklima bleibt frostig
Im aktuellen Wirtschaftsbarometer spiegelt sich die Talfahrt der Konjunktur wider. Eine baldige Besserung ist nicht in Sicht. Der Ruf nach steuerlichen Entlastungen für Unternehmen wird daher lauter.
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Während in Dubai in den letzten Tagen um Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung gerungen wurde, hat sich über der steirischen Unternehmerlandschaft ein hartnäckiges Tiefdruckgebiet festgesetzt. „Das Wirtschaftsklima bleibt frostig“, fasst Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage unter 749 steirischen Unternehmen, zusammen. Tatsächlich spiegelt sich in den erhobenen Daten die allgemeine Talfahrt der Konjunktur wider. Zwei Drittel der befragten Unternehmen melden demnach eine Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftssituation, während nur 4,5 Prozent eine Entspannung feststellen.
Auch mit Blick auf das bevorstehende Jahr bleiben die Aussichten unterkühlt. Gerade einmal 3,5 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft, 69,3 Prozent sind in ihren Erwartungen pessimistisch. Das Erwartungssaldo sackt damit gegenüber der Sommerumfrage noch einmal von minus 61,2 auf minus 65,8 Prozentpunkte ab. Zwar gibt es regionale Unterschiede (siehe Artikel rechts), aber: „Eine baldige Besserung oder gar ein Aufschwung ist nicht in Sicht“, glaubt auch Herk nicht an eine rasche Trendumkehr.
Optimismus schwindet bei allen Betriebsgrößen
Die Abwärtsbewegung trifft alle Betriebsgrößen. Besonders deutlich zeigt sich die Rezession jedoch bei den Großunternehmen. Zwar kann noch knapp ein Drittel auf Umsatzzuwächse verweisen, beim Rest zeigen diese Indikatoren aber nach unten. Auch bei den Mittelbetrieben bietet sich ein ähnliches Bild, wobei der Optimismus in Bezug auf das kommende Jahr noch ein wenig ausgeprägter ist: Immerhin 27 Prozent sind zuversichtlich, 43,8 Prozent rechnen dagegen mit einer negativen Umsatzentwicklung.
Bei den Kleinunternehmen hat die Zurückhaltung ebenfalls zugenommen. Zwar rechnen knapp 19 Prozent mit einem Umsatzplus, mehr als ein Drittel geht jedoch von Umsatzeinbußen aus. Angesichts dieser angespannten Gesamtsituation sei eine Entlastung der Unternehmen dringend notwendig, betont WK-Direktor Karl-Heinz Dernoscheg. „Es kann nicht sein, dass der Staat der größte Nutznießer der hohen Kollektivvertragsabschlüsse ist, die die Betriebe über die Schmerzgrenze hinaus belasten“, unterstreicht Herk. Er drängt auf eine Lohnnebenkosten-Senkung.
Forderung nach Senkung der Lohnnebenkosten
Standen zuletzt die Inflation, die explodierenden Energiekosten und hohe Rohstoffpreise ganz oben auf der Hitparade der größten Herausforderungen, ist es mittlerweile in mehrfacher Hinsicht das Personal. Die WK-Spitze verweist diesbezüglich auf jene 82,1 Prozent der Unternehmen, die die gestiegenen Arbeitskosten als größte Herausforderung nennen. Die Arbeitgeber finden sich diesbezüglich in einer Doppelmühle wieder: Zum einen steigen die Kosten für Arbeitskräfte durch Kollektivvertragserhöhungen und generell hohe Lohnnebenkosten. Zum anderen leiden aber 64,1 Prozent der Unternehmen weiterhin am anhaltenden Arbeits- und Fachkräftemangel. „Das zeigt, wie akut der Handlungsbedarf hier ist“, so die Unternehmervertreter. Die Ungeduld steigt. Wiederholt sprechen sie sich in diesem Zusammenhang für eine qualifizierte Zuwanderung und eine internationale Fachkräfteoffensive aus sowie für eine Mobilisierung des heimischen Arbeitskräftepotenzials. Konkret gefordert werden unter anderem eine Reform des Arbeitslosengelds, ein Ausbau der Kinderbetreuung und eine Attraktivierung des Umstiegs von Teil- auf Vollzeit.
Um der Konjunktur wieder auf die Sprünge zu helfen, stehen zudem Investitionsimpulse, Maßnahmen zur Verfahrensbeschleunigung und ein Konjunkturpaket für die Bauwirtschaft ganz oben im Forderungskatalog, der an die Politik adressiert ist.
Stagnation auf niedrigem Niveau
Die für den Standort so wichtige Exportwirtschaft spürt sowohl den Gegenwind am Heimmarkt als auch die Auswirkungen der geopolitischen Verwerfungen. Zwar konnten 35 Prozent der Unternehmen ihren Exportumsatz steigern, das Exportsaldo bleibt mit 14,4 Prozentpunkten aber auf niedriger Flughöhe. Angesichts der verhaltenen Wachstumsaussichten für den Euro-Raum und der schwierigen Konjunkturlage bei wesentlichen Handelspartnern werden auch keine Impulse in diesem Bereich erwartet. Nur 21,4 Prozent der Unternehmen zeigen sich optimistisch, deutlich mehr Betriebe (47,5 Prozent) rechnen mit Umsatzrückgängen im Exportbereich.
Nord-Süd-Gefälle in den Regionen
Ein Blick in die steirischen Regionen zeigt zwar, dass das Wirtschaftsklima überall abkühlt, es aber doch regionale Unterschiede gibt. So fallen sowohl die Bewertung der aktuellen Lage als auch die Erwartungshaltung in Liezen deutlich optimistischer aus als beispielsweise in der Süd-/Weststeiermark. In Liezen beträgt das Erwartungssaldo „nur“ minus 33,4 Prozentpunkte, während dieser Wert im Süden und Westen von -76,1 auf - 79,9 Prozentpunkte weiter absackt. Ebenfalls dramatisch schlechter geworden ist die Lage in der Oststeiermark (von -64,9 auf -71,6), im Großraum Graz (von -64,5 auf -70,3)sowie in der Hochsteiermark (-43,3 auf -62,3) und in Murau/Murtal (-38,1 auf -50,9).
Sämtliche Messwerte im Sinkflug
Besonders deutlich wird die Missstimmung unter den Unternehmen im direkten Vergleich zur diesjährigen Sommerumfrage. Schon damals war ein allgemeiner Abwärtstrend feststellbar. Die Einschätzung der aktuellen Lage sowie die Erwartungshaltung ist ein halbes Jahr später aber weiter nach unten gegangen. Sämtliche Saldenwerte sind im Sinkflug. Überhaupt fallen alle Werte mit Ausnahme des inflationsbedingten Preisniveaus ins Minus – wobei sich aber auch hier ein deutlicher Rückgang abzeichnet. Besonders dramatisch sind die Entwicklungen beim Gesamtumsatz beziehungsweise bei der Investitionsbereitschaft. Aber auch die erwartete Beschäftigungsentwicklung zeigt die Skepsis, mit der steirische Unternehmen ins neue Jahr blicken.
KONJUNKTUR: Impulse setzen
- Lohnnebenkosten senken
- Konjunkturpaket für die Bauwirtschaft schnüren
- Investitionsimpulse setzen, keine neuen Belastungen
- Maßnahmen zur Verfahrensbeschleunigung
ENERGIEKOSTEN: Leistbare Energie für den Standort sichern
- Abkehr von Verknappungspolitik durch Technologieneutralität im Energiebereich
- Heimische Energiepotenziale erschließen
- Netztarif-Strukturperiode 2024+ für Reformen nutzen
- Steuern auf Energie abschaffen bzw. temporär senken
- Klima- und Energiepolitik mit Maß und Ziel
FACHKRÄFTE: Maßnahmenpaket zur Fach- und Arbeitskräftesicherung umsetzen
- Qualifizierte Zuwanderung: Weitere RWR-Card-Reform für Fachkräfte aus Drittstaaten nach deutschem Vorbild
- Mobilisierung des heimischen Arbeitskräftepotenzials: überregionale Vermittlung forcieren, Reform des Arbeitslosengeldes, Ausbau der Kinderbetreuung, Bonus-Modell für Senioren, Einführung Teilkrankenstand etc.
- IFO – Internationale Fachkräfteoffensive
AREA SÜD: Jahrhundertchance Koralmbahn nutzen
- Infrastruktur-Bottlenecks beseitigen: Ausbau Phyrn-Schober-Achse und Graz-Bruck sowie 3-spuriger Ausbau der A9
- Ausgleichsmaßnahmen in peripheren Regionen: Ausbau S-Bahn-System Klagenfurt – Aichfeld & Vollausbau B317 – S37
- Öffentlicher Verkehr: Taktung in beiden Bundesländern optimieren – regionale Buslinien und S-Bahn-Verbindungen bis 2025 sicherstellen