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Ein Modellhaus steht auf einer hölzernen Tischplatte. Unter und vor dem Haus liegen verschiedene Eurogeldscheine, auf denen unterschiedliche Zahlen stehen. Neben dem Haus liegt eine Papierrolle, auf der Parkplatz steht. Der Hintergrund ist hellblau.
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So hat sich der steirische Immobilienmarkt entwickelt

Die wirtschaftlich herausfordernden Zeiten hinterlassen auch Spuren am steirischen Immobilienmarkt.

Lesedauer: 6 Minuten

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Aktualisiert am 16.04.2026

Geschäftsmieten sind im Vorjahr um durchschnittlich 0,31 Prozent gesunken, in Graz sogar um 3,91 Prozent – das größte Minus im Ranking aller Landeshauptstädte. Kaufimmobilien dagegen verzeichnen einen realen Preisanstieg, der in der Steiermark aber moderat ausfällt. Baugrundstücke etwa sind hierzulade im Österreich-Vergleich mit einem Durchschnittspreis von 116,88 Euro pro Quadratmeter am günstigsten, selbiges gilt für neue und gebrauchte Eigentums-wohnungen (2.538,67 Euro/m2 bzw. 1402,08 Euro/m2) und Reihenhäuser (1450,26 Euro/m2). Auch Mieten sind mit einem Durchschnittspreis von 7,41 Euro pro Quadratmeter in der Steiermark am billigsten. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Immobilienpreisspiegel – dazu Obmann Andreas Kern und Obmann-Stv. Katharina Waidacher: „Die steirischen Immobilienpreise waren und sind am unteren Ende von Österreich angesiedelt, wobei weite Teile des Ballungsraums Graz hier natürlich eine Ausnahme bilden.“

Wie der jüngst vom Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKO in Kooperation mit dem ZT-Datenforum erstellten Immobilienpreisspiegels veröffentlichte Immobilienpreisspiegel 2026 deutlich zeigt, sticht Graz im Vergleich mit den anderen Landeshauptstädten durch die Bank stark hervor. Den Preissteigerungen unter allen Landeshauptstädten bei Eigentumswohnungen im Erstbezug und im Bestand steht ein ungewohntes Gegensignal am Mietmarkt gegenüber. Neuwertige Mietwohnungen werden in Graz leicht günstiger. Auch bei Gewerbeimmobilien ist das Bild zweigeteilt – Betriebsgrundstücke ziehen kräftig an, Geschäftslokale geraten unter Druck.

Andreas Kern, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der WKO Steiermark, und Obmann-Stellvertreterin Katharina Waidacher (v.r.)
© Fischer Andreas Kern, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der WKO Steiermark, und Obmann-Stellvertreterin Katharina Waidacher präsentieren die aktuellen Daten: „Die steirischen Immobilienpreise waren und sind am unteren Ende von Österreich angesiedelt, wobei weite Teile des Ballungsraums Graz hier natürlich eine Ausnahme bilden.“

Graz bei Eigentum Österreichs stärkster Aufholer

Mit einem Plus von 2,86 Prozent bei Eigentum im Erstbezug und 4,06 Prozent bei gebrauchten Eigentumswohnungen liegt Graz im aktuellen Preisspiegel an der Spitze aller Landeshauptstädte. Damit entwickelt sich Graz dynamischer als Wien, Linz und andere urbane Märkte und ist aktuell der dynamischste Eigentumsmarkt unter den Landeshauptstädten. Für die Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder Steiermark ist das ein klares Signal: Graz hat den Rückwärtsgang verlassen und ist wieder in einer starken Marktphase angekommen. „Die teilweise beträchtlichen Preisrückgänge der Vorjahre werden durch die aktuellen Preissteigerungen wieder ausgeglichen. Das zeigt, dass die Nachfrage wieder da ist – und dass unsere Landeshauptstadt für Käuferinnen und Käufer weiter attraktiv bleibt“, betonen der Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der WKO Steiermark, Andreas Kern, und Obmann-Stellvertreterin Katharina Waidacher unisono.



Unsichere Preisentwicklung im Bausektor

Auffällig ist dabei, dass vor allem gebrauchte Eigentumswohnungen stärker zulegen als Neubauobjekte. Das spricht für einen Markt, in dem Käuferinnen und Käufer wieder aktiver werden, aber zugleich genauer rechnen. „Der Markt ist zurück – aber er ist vernünftiger geworden. Viele schauen derzeit sehr genau auf Preis, Lage und Qualität. Davon profitiert vor allem der gute Bestand“, so Kern. Dazu kommt, dass im Eigentumssegment durch die schwache Bautätigkeit der letzten Jahre die Ware langsam knapp wird, was den Preis derzeit befeuert. Allerdings sind aufgrund der Schwäche im Bausektor (auch öffentliche Auftraggeber fallen weg) die Baupreise derzeit vergleichsweise günstig, damit kann auch wieder günstiger gebaut werden. „Sollten geopolitische Spannungen jedoch weiter den Energiemarkt anheizen, wird Bauen wieder sprunghaft teurer werden“, setzt Kern dagegen. 

Mietmarkt sendet überraschendes Gegensignal

Während Eigentum in Graz kräftig anzieht, entwickelt sich der Mietmarkt deutlich zurückhaltender. Bei neuwertigen Mietwohnungen ist Graz mit minus 0,5 Prozent sogar die einzige Landeshauptstadt mit einem Rückgang. Zum Vergleich: Das stärkste Plus kann Innsbruck mit 3,56 % verzeichnen. Der Wohnungsmarkt bewegt sich also nicht mehr geschlossen, sondern segmentiert. Kaufinteresse und Mietentwicklung laufen zunehmend auseinander. „Dass Eigentum steigt, während neuwertige Mieten leicht sinken, ist ein klares Zeichen dafür, dass der Markt differenzierter geworden ist. Gerade im Mietbereich sind die Grenzen der Leistbarkeit deutlich spürbar“, betont Kern. Aus Sicht der Fachgruppe dürfte das Minus vor allem auf stärkeren Wettbewerb im neuwertigen Segment, eine höhere Preissensibilität und begrenzte Spielräume bei den Mieten zurückzuführen sein.

Betriebsgrundstücke gefragt – Geschäftslokale unter Druck

Noch deutlicher wird die Marktteilung im Gewerbebereich. Betriebsgrundstücke legen in der Steiermark mit plus 3,15 Prozent kräftig zu, in Graz beträgt das Plus sogar 4,01 Prozent, damit liegt man jeweils an zweiter Stelle hinter Kärnten (+4,44 %) und St. Pölten (+4,94 %). Das ist ein klares Zeichen für Nachfrage nach wirtschaftlich nutzbaren Flächen und für zu-nehmenden Druck auf verfügbare Standorte.

Ganz anders die Entwicklung bei Geschäftslokalen: Hier verzeichnet Graz mit minus 3,91 Prozent den stärksten Rückgang aller Landeshauptstädte – dahinter mit deutlichem Abstand Bregenz mit einem Minus von 1,62 %. „Bei Betriebsgrundstücken sehen wir weiterhin viel Bewegung und echte Nachfrage. Bei Geschäftslokalen ist die Lage deutlich schwieriger. Dort korrigiert sich ein Markt, der sich auf neue Nutzungen und neue Realitäten einstellen muss. Der stationäre Handel steht weiter unter Anpassungsdruck – vor allem dort, wo Frequenz, Nutzungsmix und wirtschaftliche Perspektive nicht mehr zusammenpassen“, sagt Kern.

Der Markt kommt zurück – aber differenziert

Der Immobilienpreisspiegel 2026 zeigt damit ein klares Bild: Der Markt in Graz und in der Steiermark belebt sich wieder, aber nicht flächendeckend. Eigentum zieht an, aber von einem niedrigen Niveau kommend. Betriebsgrundstücke bleiben gefragt, während Mieten und Geschäftslokale deutlich selektiver reagieren. „Wir sehen keine gleichmäßige Aufwärtsbewegung, sondern einen Markt mit klaren Unterschieden. Genau darin liegt die eigentliche Botschaft des heurigen Preisspiegels: Es gibt nicht den einen Immobilienmarkt, sondern sehr unterschiedliche Entwicklungen je nach Segment“, so Kern.

Leistbarkeit und Flächen bleiben die zentralen Themen

Mit Blick auf die kommenden Monate rechnet die Fachgruppe vor allem bei Eigentum in Graz mit einer moderat positiven Entwicklung, während bei Mieten eher mit Seitwärtsbewegung und bei Geschäftslokalen mit einer weiter differenzierten Entwicklung zu rechnen ist. „Die Herausforderungen sind klar: Wohnen muss leistbar bleiben, und die Wirtschaft braucht verfügbare Flächen. Beides wird in den kommenden Monaten entscheidend sein – für den Markt genauso wie für den Standort Steiermark“, so Kern abschließend.



Wo man in der Steiermark am günstigsten wohnt

Regional betrachtet fällt die Preisentwicklung höchst unterschiedlich aus. Am günstigsten sind Baugrundstücke im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld (54,61 Euro pro Quadratmeter), gefolgt von der Südoststeiermark (55,32 Euro) und von Murau (68,24 Euro). Am teuersten sind Baugründe dagegen in Graz (388,12 Euro), gefolgt von Graz-Umgebung (178,43 Euro). Bei neuen bzw. gebrauchten Eigentumswohnungen heißen die Preissieger Murtal (2.071,17 bzw. 993,96 Euro pro Quadratmeter) bzw. Bruck-Mürzzuschlag (2.114,06 Euro) und Murau (2177,11). Am oberen Ende der Preistabelle findet man hier jeweils wieder die Landeshauptstadt mit einem Durchschnittspreis von 4228,21 Euro pro Quadratmeter bei Erstbezug beziehungsweise 2339,29 Euro pro Quadratmeter bei gebrauchten Immobilien. Beim Mietzins (neuwertig) dagegen schwankt der durchschnittliche Quadratmeterpreis zwischen 5,94 Euro (Murtal) und 9,95 Euro (Graz).