„Eine gute Idee ist wertvoller als Geld“
„Sponsoring wirkt, wenn es ins Unterbewusstsein übergeht“, sagt Herwig Straka. Der Marketingexperte ist profilierter Sportmanager Österreichs.
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Seit 24. Oktober laufen die Erste Bank Open, ein ATP-Tennisturnier, bei dem sich die weltbesten Spieler in der Wiener Stadthalle matchen. Sie sind seit 2008 hauptverantwortlicher Organisator. Spüren Sie angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage Zurückhaltung bei Sponsoren oder Fans?
Herwig Straka: Ein Turnier dieser Größenordnung ist immer – und in einem konjunkturellen Umfeld wie aktuell besonders – eine finanzielle Herausforderung. Aber die erfolgreichen Formate funktionieren weiterhin. Wir spüren keine Einschränkungen. Die Leute sind weiterhin bereit, Geld auszugeben. Wenn sie etwas wirklich wollen, dann machen sie es.
Messen dagegen tun sich zunehmend schwer. Ein überholtes Format?
Publikumsmessen, so wie wir sie kennen, sind zumindest zu wenig zeitgemäß. Es fehlt der Mehrwert, den so ein Veranstaltungsformat bieten sollte.
Was ist für ein gutes Event mehr wert: Möglichst viel Geld oder eine möglichst gute Idee?
Meist ist die Idee wertvoller. Auf keinen Fall ist es nur das Geld. Aber wenn es ein wiederkehrendes Event sein soll, steigen die Erwartungen. Um diesbezüglich eine Nachhaltigkeit generieren zu können, braucht es schon eine entsprechende wirtschaftliche Basis.
Was bringt es einem Unternehmen, das direkt nichts mit Sport zu tun hat, wenn es zum Beispiel ein Tennisturnier sponsert?
Vereinfacht: Es gibt in Österreich eine Handvoll großer Banken, die alle mehr oder weniger dasselbe anbieten. Die Frage ist jetzt, welche Bank einem spontan einfällt, wenn man eine benötigt. Das hat sehr viel mit Bekanntheit und Sympathie zu tun – und das ist durch Sponsoring beeinflussbar. Allerdings wirkt es nur nachhaltig, wenn man es über Jahre macht, weil es ins Unterbewusstsein übergehen muss. Dann aber hat es einen Riesenmehrwert.
Zur Person
Sie haben 1991 mit einem Tennisturnier am Dach eines Grazer Einkaufszentrums international für Aufsehen gesorgt. Würde so eine Idee heute noch funktionieren?
Die gleiche „Story“ wie damals würde nicht mehr funktionieren. Man müsste sie anders erzählen. Das wäre möglich, denn die Grundmechanismen, die wirken, sind die gleichen: Stars zum Angreifen, die Möglichkeit, etwas Besonderes gemeinsam zu erleben. Dieses Angebot ist mehr denn je zeitgemäß – auch weil es antagonistisch zum derzeitigen Verhalten der Gesellschaft ist, in der sich alle in anonyme Erlebniswelten auf ihren Handys zurückziehen.
Was hat sich seit dem ersten Turnier geändert?
Die Show. Die Art und Weise, wie man ein Event erlebt, ist anders – nicht nur im Sport. Die Spieler als Gladiatoren zu inszenieren, ist wichtiger geworden.
Verliert der Sport gegenüber der Show an Bedeutung?
Nur ein „Showman“ zu sein, reicht sicher nicht. Da gibt es ausreichend Beispiele, die das zeigen.
Wie sehr fehlt dem Turnier derzeit ein österreichischer Spitzenspieler als Zugpferd?
Natürlich wäre es schöner, wenn es einen Lokalmatador geben würde. Aber wir sind nicht abhängig von einzelnen Spielern. Natürlich beklagen manche Fans in ihrer typisch österreichischen Negativität, dass es keinen heimischen Spieler gibt – aber wenn dann die Nummer 1 der Welt kommt, sind sie schnell wieder Feuer und Flamme.
Sie mussten zuletzt verletzungsbedingt die Absage der Nummer 1, Jannik Sinner, hinnehmen. Dafür kommt überraschend Carlos Alcaraz. Wie schafft man das?
Das hat sich sehr überraschend de facto über Nacht ergeben und ist natürlich sehr erfreulich. Es ist ein Gesamtpaket aus jahrelangen Kontakten, dem, was wir den Spielern in Wien bieten, den Fans, ein bisschen „Kleingeld“ und dem Umstand, dass in den letzten Jahren hier immer wieder Topspieler gewonnen haben. Das überzeugt auch andere in der Szene.
Die Spieler sind heute Kleinunternehmer mit eigenen Angestellten vom Trainer über den Masseur bis zum Manager. Was kann man als Unternehmer von ihnen lernen?
Tatsächlich gibt es nur wenige Sportarten, wo die Athleten selbst Unternehmer sind. Meist sind sie in Verbands- oder Vereinsstrukturen eingebunden. Abschauen kann man sich sicher die Einstellung. Es sind die vielzitierten Tugenden – die Fähigkeit zur Fokussierung und dem Verarbeiten von Niederlagen –, die diese Leistungsträger auszeichnet.
Wer hat Sie diesbezüglich besonders beeindruckt?
Roger Federer war schon herausragend. Er ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit und spielt in einer eigenen Liga.
Neben der Organisation von Events und der Vermarktung von Sportlern sind Sie zuletzt auch als Investor in die Trendsportart „Padel Tennis“ eingestiegen. Wie läuft’s?
Sehr gut. Wir betreiben insgesamt 29 Anlagen, drei davon in Graz. Den Sport gibt es in Spanien ja schon seit über 50 Jahren. Er funktioniert, weil er – anders als Squash – schneller zum Erfolgserlebnis führt und weil man immer zu viert spielt und der Sport damit sehr sozial ist. Das passt ins Zeitalter von Convenience.