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Cargo Terminal Graz
© Werner Krug

Schiene und Luft als Hoffnungsträger

Während Maut, Spritpreise und CO2-Steuer der Transportbranche Sorgen bereiten, gibt es in anderen Bereichen große Ausbaupläne.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 22.10.2026

Die Zuversicht kommt im Container. Während das Passagieraufkommen am Flughafen Graz zuletzt rückläufig war, ist der Frachtverkehr im Steigflug. Mit einem Plus von 9,5 Prozent allein zwischen Jänner und September scheint in der Jahresbilanz erstmalig ein Überspringen der 20.000-Tonnen-Marke möglich. Durch eine Aufstockung der Transportkapazitäten aufgrund eines Wechsel des Flugzeugtyps bei der Lufthansa und der steigenden Nachfrage vor allem bei zeitkritischer Fracht wie Pharmaprodukten erwartet man am Flughafen auch im kommenden Jahr eine Zunahme in diesem Segment. Mit diesem Optimismus ist man nicht allein. 

Auch am Cargo Terminal Graz stehen die Zeichen ungebrochen auf Ausbau. Die Zahl der Portalkräne am Standort ist auf mittlerweile sechs angestiegen – der jüngste wird nach einem seit Mitte September laufenden Probebetrieb in Kürze an die Steiermärkischen Landesbahnen übergeben. „Mit dem neuen Kran schaffen wir zusätzlich 400 Hübe pro Tag“, rechnet der Direktor der Steiermärkischen Landesbahnen, Ronald Kiss, vor.

Hinweis
340 Millionen Tonnen betrug das Transportaufkommen im Inlandsverkehr im vergangenen Jahr. Dazu kommt ein Transitvolumen von 76,4 Millionen Tonnen.

Transportmengen sinken

Diese Wachstumsschübe finden vor dem Hintergrund sich langsam verschiebender Marktstrukturen statt. Denn der Güterverkehr auf Österreichs Straßen ist 2025 das vierte Jahr in Folge zurückgegangen. Laut Statistik Austria wurden insgesamt 549,4 Millionen Tonnen befördert – um 0,6 Prozent weniger als 2024 und damit so wenig wie seit 2016 nicht mehr. Den stärksten Rückgang verzeichnete dabei der Inlandsverkehr: Das Transportaufkommen sank gegenüber 2024 um 2,5 Prozent auf 340,5 Millionen Tonnen. Die im Transit beförderte Menge blieb mit 76,4 Millionen Tonnen dagegen nahezu unverändert. Besonders alarmierend aus Sicht der Transporteure: Der Rückgang betrifft ausschließlich österreichische Fahrzeuge – die fast zwei Drittel des gesamten Transportaufkommens befördern. Fahrzeuge aus dem Ausland transportierten hingegen tendenziell mehr Güter.

Dazu kommt, dass durch zuletzt rasant gestiegene Treibstoffkosten, die Mineralösteuer, die hohen Lohnnebenkosten, die Maut und CO2-Bepreisung der Druck spürbar zunimmt. Bei einer Fahrleistung von beispielsweise 100.000 mautpflichtigen Kilometern fallen für einen vierachsigen Euro5-Lkw knapp 10.000 Euro mehr an als noch 2024. Durch derartige Belas­tungen verlieren die Betriebe an Konkurrenzfähigkeit.  

Parallel sind die heimischen Logistikunternehmen mit der aktuellen Geschäftslage aber nicht gänzlich unzufrieden. 63 Prozent  melden in einer Branchenumfrage eine bessere Geschäftslage als noch im Vorjahr.

Ruf nach Sicherheit

Mit Blickrichtung Zukunft dominiert bei Elisabeth Rothmüller-Jannach, stellvertretende Bundesspartenobfrau Transport & Verkehr, allerdings die Ungeduld. „Wir müssten schneller ins Tun kommen, damit die Unternehmen ihre innovativen Ideen und Lösungen schneller umsetzen können“, vermisst sie beispielsweise eine Ladepunkt-Infrastruktur für die Elektromobilität im Schwerverkehr. Man stelle aktuell zwar eine Mauterleichterung für E-Lkw von 75 Prozent in Aussicht, werde diese ab einer gewissen Marktdurchdringung der Fahrzeuge aber wohl wieder zurückfahren, prognostizierte sie beim ILS-Gipfel in Graz mit Verweis auf ähnliche Erfahrungen bei der Euro6-Regelung. „Unternehmen brauchen aber Planungs- und Investitionssicherheit.“   

Trotz dieser fehlenden Rahmenbedingungen finden sich in der Flotte von Martin Treffer, Geschäftsführer des Gleisdorfer Logistikunternehmens Temmel, mittlerweile 30 E-Lkw. Schon seit 2017 hat man zwei umgebaute Fahrzeuge im Einsatz, ab 2021 wurden zudem alte Diesel-Lkw umgerüstet. Tanks und Motorblöcke wurden entfernt und die Fahrzeuge vollelektrifiziert. Vor drei Jahren investierte man – im Rahmen von auf fünf Jahre abgeschlossenen Partnerschaften mit Kunden – dann auch in neue E-Zugmaschinen. Allein heuer sollen so am Ende zehn vollelektrische Lkw dazukommen. Die dafür notwendige Ladein­frastruktur am Standort Gleisdorf ist bereits in Betrieb. 

In der Warteschleife 

Der Blick in die Zukunft streift aber immer wieder auch das Thema Wasserstoff. Bei der AVL List ist die Technologie Teil des strategischen Wachstumsfelds. Auch wenn Jürgen Rechberger, Vice President Fuel Cell & Energy bei der AVL, die Marktsituation relativiert: „Im globalen Kontext geht es beim Thema Wasserstoff viel langsamer, als noch vor ein paar Jahren gedacht.“ Die Gründe sind vielfältig: Zum einen die relativ hohen Kosten, zum anderen hat das Zurückschrauben staatlicher Nachhaltigkeitsziele den Forschungsdruck reduziert; dazu kommt, dass unter Donald Trump die USA das Thema von der Agenda genommen haben.

Wir müssten schneller ins Tun kommen, damit die Unternehmen ihre innovativen Ideen und Lösungen schneller umsetzen können.