Enorme Energiepreise setzen Industrie zu
Seit der Eskalation in Nahost sind die Preise für Öl und Gas regelrecht explodiert: Die heimische Industrie kommt dadurch noch mehr unter Druck.
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Die Krise in Nahost zeigt Auswirkungen auf die Weltwirtschaft: So sind die Preise für Röhol, Erdgas und Strom seit dem Luftangriff gegen den Iran regelrecht in die Höhe geschossen – und das bekommen auch die Industriebetriebe hierzulande zu spüren. Durch die Decke gegangen sind etwa die Gaspreise: Im Februar lag der Preis für eine Megawattstunde (MWh) noch bei 36 Euro und ist zwischenzeitig gar auf 60 Euro geklettert – ein Plus von 67 Prozent. Aktuell weist er mit 50 Euro noch immer ein Plus von 42 Prozent aus. Auch die Strompreise haben mit plus 20 Prozent kräftig angezogen. „Auf die energieintensive Industrie kommt insgesamt eine massive Mehrbelastung zu“, warnt Industrie-Spartenobmann Markus Ritter. „Steirische Industriebetriebe verbrauchen im Jahr rund sieben Terawattstunden (TWh) Gas und zwei bis drei Terawattstunden Strom. Dafür fallen Mehrkosten von wohl über 150 Millionen Euro an.“
Auf die steirische Industrie kommen durch die hohen Energiepreise Mehrkosten von 150 Millionen Euro zu.
Markus Ritter
Obmann Industrie
Nicht betroffen seien jene, die sich schon im Vorfeld auf dem Terminmarkt mit Erdgas oder Strom eingedeckt hätten. Vor Versorgungsengpässen müssten sich Betriebe aber nicht fürchten, beruhigt Ritter: „Wir haben ein Preis-, aber kein Versorgungsthema in Österreich.“ Gut beraten seien aber Betriebe, die auf Dekarbonisierung setzen. „Wir müssen uns von Abhängigkeiten befreien“, drängt Ritter auf eine Umsetzung des Masterplans „Grüne Energie 2040“, den die steirische Industrie mit der Energie Steiermark erarbeitet hat. Demnach wird die Industrie ihren Gaskonsum bis 2030 halbieren. „Wir sind auf einem guten Weg, es braucht jetzt eine Umsetzung mit Augenmaß.“ Zudem rät Ritter, die Nachbarmärkte genau zu beobachten. „Gibt es dort Unterstützung, braucht es auch hierzulande Hilfen, um die Wettbewerbsgleichheit sicherzustellen.“
Die Politik muss reagieren: Die Mehreinnahmen aus der Mehrwertsteuer müssten dringend zur Entlastung der Wirtschaft eingesetzt werden.
Jürgen Roth
Obmann Energiehandel
Doch nicht nur Gas und Strom sind empfindlich teurer geworden, sondern auch Öl. Der Rohölpreis ist zwischenzeitig auf 120 Dollar geklettert – ein Plus von 29 Prozent. Die Preise im Energiehandel sind zwar schon zuletzt angezogen, seit Kriegsbeginn hat sich die Lage aber massiv verschärft, so Energiehandel-Obmann Jürgen Roth: „Wir sind alarmiert – denn die Preise steigen immer weiter.“ Die lokale Wirtschaft, der heimische Energiehandel und die Tankstellen würden unverschuldet massiv belastet: „Wir kaufen die Produkte nicht wochenlang auf Vorrat, eine Tankstelle muss alle zwei Tage einkaufen“, so Roth. Kurzfristig sei eine solche Situation zu bewältigen. „Wenn das monatelang so bleibt, wird das aber zum Standortfaktor. Die Politik muss reagieren: Das Finanzministerium kann wegen der Preissteigerungen jetzt mit Zusatzeinnahmen durch die Mehrwertsteuer rechnen. Diese müssen befristet zur Entlastung der Wirtschaft und Konsumenten eingesetzt werden.“