Graz wird mit Schneider-Kongress zum Hotspot der europäischen Modebranche
Von 14. bis 17. Mai treffen sich in Graz Maßschneiderinnen, Modeexpertinnen und Branchenvisionärinnen aus ganz Europa, um Handwerkskunst auf höchstem Niveau zu teilen
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Graz wird 2026 zum internationalen Zentrum der europäischen Maßschneiderei: Vom 14. bis 17. Mai geht der Europäische Schneider-Kongress nach zwei Jahrzehnten erstmals wieder in der Steiermark über die Bühne. Rund 150 Maßschneiderinnen und Maßschneider aus zahlreichen europäischen Ländern werden beim mehrtägigen Branchentreffen erwartet. Im Fokus stehen dabei internationale Vernetzung, hochwertige Weiterbildung und die Zukunft des Handwerks.
Ein Höhepunkt des Programms ist am 16. Mai der öffentlich zugängliche Galanacht der Mode im Congress Graz, bei dem eine internationale Modenschau Einblicke in Stil, Vielfalt und Innovationskraft der europäischen Maßschneiderei bietet. Gezeigt werden Kreationen aus mehreren Ländern – von klassischer Handwerkskunst bis zu modernen Designansätzen. „Der Europäische Schneider-Kongress macht sichtbar, wie international, kreativ und zukunftsorientiert unser Handwerk heute ist“, betont Christine Schnöll, Bundesinnungsmeisterin der Mode und Bekleidungstechnik. „Dass mehr als 150 Betriebe aus ganz Europa nach Graz kommen, unterstreicht die Bedeutung Österreichs als starken Standort für Mode, Handwerk und Ausbildung.“
Ein besonderer Programmpunkt des Kongresses ist der Weiterbildungstag am 15. Mai. Dort werden neben einem breiten Seminarangebot und zahlreichen Ausstellern auch die Ausbildungsmöglichkeiten präsentiert. Auch echte Raritäten aus der größten historischen Stoffmustersammlung der Welt werden gezeigt. Zusammengetragen vom Knittelfelder Bruno Pichler, reicht diese einzigartige Sammlung bis ins 19. Jahrhundert zurück und dokumentiert eindrucksvoll die Entwicklung von Materialien, Webtechniken und Modetrends über Generationen hinweg.
Dass die Maßschneiderei entgegen vieler Prognosen wächst, zeigt ein Blick auf die Statistik der Landesinnung: Seit 2005 ist die Zahl der Schneiderbetriebe in der Steiermark von 168 auf 232 gestiegen – ein Plus von 38 Prozent. „Das ist ein starkes Lebenszeichen unserer Branche“, erklärt Anneliese Ringhofer, Landesinnungsmeisterin der Mode und Bekleidungstechnik. „Unsere Betriebe erfinden sich neu und setzen gezielt auf Mode, Design, Individualität und höchste Qualität. Genau das macht Maßschneiderei heute wieder so attraktiv – für Kundinnen und Kunden ebenso wie für den Nachwuchs.“ Mit den neuen Werkstätten der Kleidermacher in den Räumlichkeiten des WIFI Niklasdorf würde man eine moderne und hochqualitative Schneider-Ausbildung forcieren, „denn ein gut ausgebildeter Berufsnachwuchs sichert die Zukunft der ganzen Branche.“
Das bestätigt auch WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. Dass ein Großevent dieses Formats nach Graz kommt, freut ihn ganz besonders: „Graz hat bereits 2021 als Austragungsort der EuroSkills internationale Maßstäbe gesetzt. Der Europäische Schneider-Kongress knüpft daran an und macht die Steiermark erneut zum Treffpunkt für Spitzenhandwerk aus ganz Europa.“ Der Kongress sei nicht nur Beweis der Innovationskraft der Branche, sondern auch ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort: „Handwerk hat goldenen Boden – das zeigt sich besonders bei unseren top-ausgebildeten Schneidermeisterinnen und -meistern. Bildung und Ausbildung sind der Schlüssel für Qualität, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftschancen.“
Internationale Erfolge
Wie perfektes Handwerk auf höchstem Niveau aussieht, beweisen steirische Schneiderinnen auch auf internationaler Bühne. Christina Strauß aus der Steiermark wurde bei den EuroSkills 2021 in Graz Europameisterin und 2023 zur Meisterin des Jahres gekürt. Ihr profundes Know-how gibt sie heute an den Nachwuchs weiter und trainierte unter anderem erfolgreich die diesjährige Siegerin der Austrian Skills, Julia Kaufmann. Auch bei den EuroSkills in Danzig glänzte die Steiermark: Anna Maria Theurl aus Graz sicherte sich dort die Goldmedaille.
Für Herk sind diese Erfolge mitunter auch Ausdruck der Stärke des Ausbildungsstandorts Steiermark. Die Unternehmen hätten längst die Wichtigkeit punktgenauer Qualifizierung erkannt, berichtet er von Rückmeldungen aus der Wirtschaft: „Beim Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark haben 38 Prozent der Betriebe angegeben, wie wichtig die Qualifizierung von Fachkräften für sie ist. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist eine gute Ausbildung unverzichtbar und essenziell.“