Europas Osten wird zum Wachstumsfeld
Exportmärkte im Wandel: Zwischen EU-Milliarden, politischen Umbrüchen und neuen Investitionsprogrammen.
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Während traditionelle Absatzmärkte schwächeln, entstehen zwischen Warschau, Budapest und dem Westbalkan neue Chancen für die steirische Exportwirtschaft. Allerdings entwickeln sich die vier Märkte höchst unterschiedlich: Polen profitiert von Milliardeninvestitionen und kräftigem Wachstum, Ungarn hofft nach einem historischen Regierungswechsel auf wirtschaftliche Erholung. Serbien steht vor einer politischen Neuordnung, während Montenegro dem EU-Beitritt näherkommt. Für steirische Maschinenbauer, Anlagenhersteller und Umwelttechnologieunternehmen ergeben sich daraus neue Perspektiven – aber auch beträchtliche Risiken.
Diese spannenden Entwicklungen in unmittelbarer Nachbarschaft stehen im Fokus des diesjährigen „Steirischen Exporttages“ am 12. November in Graz. So werden der langjährige ORF-Korrespondent in Ungarn, Ernst Gelegs, sowie der Leiter des Zentrums für Südosteuropastudien an der Universität Graz, Florian Bieber, Keynotes halten. Bei dem vom Internationalisierungscenter (ICS) organisierten Gipfeltreffen der steirischen Außenwirtschaft steht den Exporteuren aber auch eine Vielzahl österreichischer Wirtschaftsdelegierter für einen direkten Informationsaustausch Rede und Antwort.
Ob in Polen, Montenegro, Serbien oder Ungarn (v.l.): In der Nachbarschaft Österreichs ordnen sich die Verhältnisse neu und eröffnen Chancen.
Neustart in Ungarn
Die geopolitischen Spannungen liefern dafür eine denkbar brisante Ausgangslage und verlangen neue Strategien.
Einer der Hoffnungsmärkte bleibt Polen. Die steirischen Exporte dorthin stiegen 2025 um 10,8 Prozent auf 876 Millionen Euro. Die Europäische Kommission erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent, getragen von privatem Konsum und EU-finanzierten Investitionen. Das polnische Bruttoinlandsprodukt überschritt 2025 erstmals die Billionen-Dollar-Grenze. Mit dem Ausbau von Infrastruktur, Energieversorgung und Verteidigungsindustrie entstehen Absatzmöglichkeiten für steirische Technologieunternehmen. Allerdings bleiben das prognostizierte Budgetdefizit von 6,5 Prozent des BIP und politische Auseinandersetzungen über den wirtschaftspolitischen Kurs erhebliche Risikofaktoren.
Ungarn steht dagegen nach der Abwahl von Viktor Orban und der Machtübernahme durch die Tisza-Partei von Péter Magyar vor einem wirtschaftspolitischen Neustart. Die Ausgangslage ist ernüchternd: Das BIP wuchs 2025 lediglich um 0,5 Prozent. Hoffnung weckt eine politische Einigung über die mögliche Freigabe von 16,4 Milliarden Euro bislang blockierter EU-Mittel. Davon könnten rund 1,5 Milliarden in Stromnetze und zwei Milliarden in den Bahnverkehr fließen. Für steirische Unternehmen entstehen Chancen bei Bahntechnik, Energienetzen, Digitalisierung und Umwelttechnologie. Entscheidend bleibt jedoch die Umsetzung der vereinbarten Reformen.
EU-Beitrittskandidaten
Auch Serbien bietet Potenzial, steht nach dem Machtwechsel bei der Parlamentswahl aber vor schwierigen Weichenstellungen – auch Richtung EU. Montenegro, ebenfalls Beitrittskandidat, erwartet für 2026 zwischen drei und 3,5 Prozent Wirtschaftswachstum. Das stark tourismusabhängige Land investiert in Energie, Verkehrsinfrastruktur, Umweltschutz und Digitalisierung – auch daraus ergeben sich Chancen für steirische Exporteure.
Donnerstag, 12. November 2026 | 09:30 - 15:30 Uhr
WKO Steiermark | Europasaal, Erdgeschoss
Körblergasse 111-113, 8010 Graz