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Ein Flugzeug in der Luft, das in der Mitte in einen Haifisch übergeht. Es ist nur ein Symbolbild, tatsächlich sind die Riplets nicht wirklich sichtbar
© Generiert mit KI

„Grazer Haie“ feiern Weltrekord der Flug-Effizienz

Mit von Haifischhaut inspirierten Mikrostrukturen lassen sich im Flugverkehr Sprit und CO2 sparen. Dem Unternehmen „bionic surface technologies“ aus Graz gelang nun ein großer Durchbruch.

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 28.04.2026

1975 versetzte Steven Spielberg mit dem „Weißen Hai“ eine ganze Generation in Angst. Was dabei weniger auffiel: Der Jäger in der Tiefe ist auch ein Meister der Effizienz – dank seiner Haut, die ihm optimale Fortbewegung ermöglicht. Ein Prinzip, das Forscher schon lange fasziniert, aber in der Praxis ein Schattendasein fristete. Bis zwei Grazer sich der Sache mit ihrem Unternehmen „bionic surface technologies“ vor rund 20 Jahren annahmen. Nun vermelden sie den nächsten Meilenstein. „Wir konnten die Effizienz um noch einmal 50 Prozent steigern“, erzählt CEO Andreas Flanschger.

Aber der Reihe nach. Flanschger und Mitgründer Peter Leitl lernten sich während des Studiums kennen, als Teil des TU-Racing-Teams. Leitl erinnert sich: „In Vorlesungen bin ich auf bionische Oberflächen und die Haifischhaut gestoßen – das Konzept dieser Riblets, so der Fachbegriff, war nicht neu. Wir haben uns gefragt: Wieso nicht für den Motorsport nutzen?“ Jedoch, beim Versuch, die Technologie zu erwerben, stellten beide fest: „Das gab es nicht zu kaufen“, erzählt Flanschger. 

Also ging man selbst an die Entwicklung. Im Zuge eines Forschungsprojekts wurde die Technologie für ein Rennsport-Flugzeug von Airshow-Pilot Hannes Arch weiterentwickelt – und 2009 das Unternehmen gegründet. Das Grundkonzept: Die besagten Riblets – winzige Mikrostrukturen auf der Oberfläche – reduzieren in der turbulenten Grenzschicht den Energieaustausch zwischen Strömung und Wand. Das Ergebnis: weniger Luftwiderstand, mehr Abtrieb, deutlich weniger Treibstoffverbrauch.

„Uns ist es gelungen, die Haifischhaut geometrisch zu optimieren – damit wird sie noch effizienter, noch spritsparender und breiter in der Anwendung.“

Entsprechend groß war rasch das Interesse – und die Grazer setzten das Konzept im Motorsport um. „Mit Audi haben wir so zweimal die Rennsportserie DTM gewonnen“, erzählt Flanschger. Dann sei das System aber verboten worden. Für die Grazer kein Beinbruch – denn mittlerweile war man im Flugverkehr auf die Technologie aufmerksam geworden. Die Lufthansa wurde als Lizenzpartner gewonnen, das Projekt „Aeroshark“ 2023 größer ausgerollt. Laut Lufthansa wird durch die Technologie ein Prozent der CO2-Emissionen eingespart.

Inzwischen ist dem 15-köpfigen Unternehmen, das seine Forschungen durch Simulationsdienstleis­tungen für verschiedenste Branchen selbst finanziert, ein Quantensprung gelungen: „Wir haben die Riblet-Technologie weiterentwickelt und beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt einen neuen Weltrekord an Widerstandsreduktion gemessen“, so Flanschger. Verhandlungen laufen auf drei Kontinenten – das Anwendungspotenzial reicht von der Luftfahrt über Windkraft und Schifffahrt bis in die Automobilindustrie. „Die Wertschöpfung werden wir jedenfalls in Graz halten“, betont Leitl.

Virgeteiltes Bild: Haifisch links oben, mit Zoom zu den Mikrostrukturen auf der Haut, daneben ein Windrad, darunter eine Turbine, rechts unten ein Flugzeug
© bionic surface technologies Die an Haifischhaut angelehnten Strukturen können auf Flugzeugen, Windrädern und Co genutzt werden

Quergefragt

Was ist Ihre Vision?

Leitl: Dass unsere Riblet-Technologie in fünf bis zehn Jahren am Großteil der Langstreckenflüge unterwegs ist.

Die nächsten Ziele?

Flanschger: Den Markt schrittweise zu erobern – und bekannt zu machen, was hier in Graz entwickelt wurde.

Die größten Herausforderungen?

Unsere Entwicklungsarbeit ist großteils selbst finanziert – und trotzdem ist dieser Erfolg gelungen.