Handgemachtes ist ein Verkaufsschlager
Do-it-yourself boomt nicht nur auf Social Media – auch immer mehr Steirer wissen den Trend für sich zu nutzen und überzeugen mit neuen Geschäftsideen.
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Wie benutzt man eine Schlagschnur? Wie kann man aus einer Salatschüssel eine ansehnliche Lampe basteln und wie spachtelt man richtig? – Auf all diese Fragen weiß Lisa M. eine Antwort. Mitten im Umbau des elterlichen Bauernhofs startete sie 2024 ihren Instagram-Kanal „die Hauswerkerin“. Was als Spaß gedacht war, traf ins Schwarze: „Mein erstes Video ging innerhalb einer Woche viral. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet, aber vielleicht lag es auch an meinem Witz und Schmäh“, erzählt die 26-Jährige. Die Erstellung der Videos ist mittlerweile ihr Hauptberuf. Und auch hier ist alles do-it-yourself: „Bis ein Video fertig ist, brauche ich rund sechs bis zwölf Stunden. Ich filme jeden meiner Arbeitsschritte und erkläre die Handgriffe so, als würde ich meiner besten Freundin erzählen, was ich mache.“ Den Followern gefällt’s: Mittlerweile folgen dem Kanal der in Graz-Umgebung ansässigen Unternehmerin 350.000 Menschen. „Dass die Leute wieder Lust aufs Heimwerken haben, ist schön. Es erfüllt einen einfach immer mit Stolz, wenn etwas gelingt. Was man aber auch nicht vergessen darf: Vieles ist in den letzten Jahren teurer geworden. Auch das könnte immer mehr zum Selbermachen animieren.“
Dass Heimwerken wieder angesagt ist, belegen auch Zahlen. Laut einer Umfrage von OBI aus dem Jahr 2023 haben 75 Prozent aller Befragten schon einmal ein Do-it-yourself-Projekt umgesetzt. Jeder Dritte werkelt sogar alle paar Monate. Social-Media-Accounts wie jener der „Heimwerkerin“ dienen vielen als Inspiration: 69 Prozent aller Männer und 53 Prozent aller Frauen, die sich fürs Selbermachen begeistern können, folgen entsprechenden Influencern.
Handwerken in der Stadt
Was aber tun, wenn die Idee da ist, der Raum fürs Handwerk aber fehlt? „Vor diesem Problem stehen viele Leute in der Stadt“, erzählt Lorenz Neubauer. Konnte er im Haus seiner Eltern noch eine Holzwerkstatt nutzen, fehlt sie seit seinem Umzug nach Graz. „Ich dachte mir, wenn ich mir in der Stadt schon eine Werkstatt einrichte, dann sollen auch andere Zugang dazu haben.“ Gesagt, getan. Mitte Februar eröffnete Neubauer in der Grazer Innenstadt die „Crafterei“. Holz-Liebhaber können sich von Mittwoch bis Samstag für ein- oder dreistündige Sessions in der Werkstatt einmieten und eine von acht vollausgestattenen Hobelbänken nutzen. „Im Preis ist bis auf das Holz alles enthalten. Aber auch das kann man bei uns erwerben“, erklärt Neubauer. Neben Raum und Equipment bietet der Neugründer auch Workshops an.
Wie viel Können man mitbringen muss, um in der „Crafterei“ arbeiten zu dürfen? „Man muss kein Profi sein und auch über keine besonderen Skills verfügen“, beruhigt Neubauer. Wer bei den ersten Schritten in der Holzbearbeitung aber Unterstützung braucht, für den bietet Neubauer einen Einführungsworkshop an (weitere Kreativräume siehe weiter unten).
Ähnliches Konzept, anderer Schauplatz: Mit Holz arbeiten kann man auch in Graz-Puntigam. Oliver Hödl verwirklichte sich 2025 den Traum einer eigenen Tischlerei, die allen offen steht. Im „Comakers“ können sowohl gewerbliche Tischler als auch Hobbyhandwerker an verschiedenen Projekten arbeiten. Platz dafür gibt es auf 500 Quadratmetern. Zutritt zur Werkstatt erhält man über ein Monatsabo. Hödls Resümee nach einem Jahr Selbständigkeit: „Es läuft wirklich gut. Der Boom, Dinge selber zu machen, hat während Corona begonnen und hält an.“ Zwar sei Do-it-yourself seiner Meinung nach nicht unbedingt günstiger, aber das Ergebnis entspreche genau den eigenen Vorstellungen. „Viele meiner Kunden kaufen Secondhand-Möbel und gestalten sie dann bei mir in der Werkstatt nach ihren Wünschen um.“
Einen Hype erlebt aktuell aber auch die Handarbeit. Physikerin Magdalena Truger und Geisteswissenschaftlerin Viktoria Schichl können ein Lied davon singen. Ihre Leidenschaft machten sie zum Beruf und führen seit 2015 in Graz den Handarbeitsladen „Maschenwerkstatt“. „Immer mehr Leute wollen als Ausgleich zum Job eine haptische Tätigkeit – Handarbeit ist dazu ideal und interessiert auch immer mehr junge Menschen und auch Männer“, erzählt Truger, die zu ihren Kunden neben Pensionisten auch Jugendliche oder Studenten zählt.
Jung und alt treffen sich seit neuestem aber auch bei Paulina Tiefenbacher. In Klagenfurt eröffnete sie vor einem Jahr das Keramik-Malstudio „Das Linchen“. Im Februar folgte bereits der zweite Standort in Graz. Das Konzept: Wer einen Tisch reserviert, hat knapp drei Stunden Zeit, um Keramikrohlinge zu bemalen. Diese werden dann gebrannt und können rund zwei Wochen später abgeholt werden. „Als ich 2025 gestartet habe, dachte ich, dass ich das einfach einmal sechs Monate lang versuchen möchte. Dass es so gut läuft, hätte ich wirklich nicht gedacht“, freut sich Tiefenbacher, die im März bereits fast ausgebucht ist. „Viele meiner Kunden sagen, dass sie das Malen als meditativ und entschleunigend empfinden. Ich bekomme nur positive Rückmeldungen.“
Entspanntes Nähen in Graz
Wer gerne nähen möchte, aber noch nicht weiß, wie es geht, oder Hilfe beim Zuschnitt, beim Einnähen von Reißverschlüssen oder beim Kürzen von Rocksäumen braucht, ist im „Nähcafe“ von Birgit Pachler richtig. Im Norden von Graz bietet sie Nähkurse, aber auch freies Nähen an. Alle Infos: naehcafe-graz.at
Töpfern lernen in Wildon
Kaffeetassen, Espressohäferl oder Müslischüsseln: Im neunstündigen Töpferkurs im „Dreh Atelier“ in Wildon kann man die Grundlagen des Töpferns auf einer elektrisch betriebenen Töpferscheibe erlernen. Geleitet werden die Kurse von Andreas Vormayr. Alle Infos und Termine unter: drehatelier.at
Schmuck machen in Bad Aussee
Perlen, so weit das Auge reicht: In der „Alpenperle“ in Bad Aussee bekommt man alles, was man für die Herstellung schöner Perlenketten, Ohrringe oder Armbänder braucht. Regelmäßig werden auch Workshops angeboten. Eine ähnlich große Auswahl findet man auch in der „Glücksperle“ in Graz.
Fermentieren für Anfänger in Graz
Kombucha oder Tempeh kann man nicht nur im Supermarkt kaufen, sondern auch selber machen. Wie es geht, wissen Marcel Raunnigger und David Haider. Bei „Ferment Freude“ hat man mehrmals im Monat die Möglichkeit, die Grundlagen der Fermentation zu erlernen. Mehr dazu: ferment-freude.at
Do-it-yourself in Pöllauberg
Lampen aus Filz herstellen, Körbe wickeln oder ein eigenes Parfüm kreieren: Im Bio-Natur-Ressort Retter in Pöllauberg werden wöchentlich Workshops und Kurse jeder Art veranstaltet. Gearbeitet wird in Kleingruppen. Eine Übersicht über alle Kurse und Termine: www.retter.at/biogut-bioladen/kurse-workshops
Ketten fädeln in Trahütten
Die Marke „Astwerk“ ist für Holzschmuck bekannt. Im Ortsteil Trahütten in Deutschlandsberg kann man in der Astwerk-Manufaktur aber auch selbst kreativ werden und eigenen Schmuck gestalten. Ab Mai gibt es freie Workshopplätze. Infos und Anmeldung unter: www.holzschmuck-astwerk.at
Am Auto werkeln in Leibnitz
Die Reifen wechseln, den Luftfilter tauschen oder den Autolack polieren: Wer Autoreparaturen gerne selber erledigt, aber keine Garage, Hebebühne oder das passende Werkzeug zur Verfügung hat, kann in Leibnitz Plätze in der Mietwerkstatt buchen. Alles dazu unter: mietwerkstatt-stmk.at
Ein Raum für Kreative in Graz
600 Quadratmeter Platz für Kreativität: Im Lendwerk in Graz treffen sich Kunsthandwerker zum Austausch und gemeinsamen Arbeiten und haben die Möglichkeit, ihre Meisterstücke direkt vor Ort zu verkaufen. Zusätzlich werden auch verschiedene Kurse angeboten. Der gesamte Kursplan: lendwerk.at/kursangebot