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Martin Schiefer, Dietmar Schweiggl, Gabi Lechner und Martin Größbauer (v.l.)
© Foto Fischer

Heimvorteil bei öffentlichen Vergaben

Jahrelang hat sich die Wirtschaftskammer für eine Stärkung regionaler Betriebe bei öffentlichen Aufträgen stark gemacht, was mit dem Bundesvergabegesetz realisiert wurde. In der Praxis unterstützt die WKO nun Gemeinden mit einem  Vergabeleitfaden. Dieser zeigt, wie man Aufträge regional, nachhaltig und KMU-orientiert vergeben kann. Laut einer Studie der KMU Forschung Austria löst jede regional vergebene Million Euro an Auftragsvolumen 230.000 Euro zusätzliche Kaufkraft vor Ort aus.

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Aktualisiert am 11.06.2026

Öffentliche Aufträge sind ein Konjunkturhebel: Österreichweit vergibt die öffentliche Hand jährlich Ausschreibungen in der Höhe von rund 70 Milliarden Euro, das entspricht etwa 18 Prozent des BIP. Jede davon entscheidet auch darüber, ob Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in der Region bleiben oder abfließen. Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zählt jeder Euro doppelt, wenn er im lokalen Wirtschaftskreislauf wirkt. Das neue Vergaberechtsgesetz 2026 erleichtert diese regionalen Impulse spürbar. Die bisherige Schwellenwerteverordnung ist nun – wie von der Wirtschaftskammer jahrelang gefordert – direkt im Bundesvergabegesetz verankert. Darüber hinaus wurden zahlreiche Schwellenwerte angehoben: Bauaufträge bis zu 200.000 Euro können generell direkt vergeben werden, im nicht offenen Verfahren sogar bis zu zwei Millionen Euro. Das beschleunigt Verfahren, reduziert Bürokratie und verbessert die Chancen der regionalen Betriebe auf öffentliche Aufträge.

Genau hier setzt der „Vergabeleitfaden NEU“ der Wirtschaftskammer Steiermark an. In Kooperation mit einem renommierten Vergabeexperten, dem Rechtsanwalt Martin Schiefer, wurden die bestehenden Empfehlungen geschärft und auf die neue Rechtslage abgestimmt. Der Leitfaden zeigt praxisnah, wie Ausschreibungen KMU-gerecht gestaltet werden können – etwa durch sinnvolle Losaufteilung, realistische Eignungskriterien und Zuschlagskriterien, die Qualität und regionale Stärke sichtbar machen. Das Ziel ist klar: vorhandene Spielräume nutzen, ohne Transparenz, Wettbewerb und Gleichbehandlung zu verletzen. 

Welche Hebelwirkung regionale Vergaben haben, zeigt eine Berechnung der KMU Forschung Austria: Eine Million Euro zusätzliches Auftragsvolumen der öffentlichen Hand – etwa im Gewerbe und Handwerk – schafft im Schnitt rund acht Arbeitsplätze. Dazu kommen Kommunalabgaben von rund 7.500 Euro, eine zusätzliche regionale Kaufkraft von etwa 230.000 Euro sowie personenabhängige Abgaben und Ertragssteuern von rund 140.000 Euro, die über den Finanzausgleich wieder den Regionen zugutekommen. Mit anderen Worten: Jede Million, die in der Region bleibt, zahlt mehrfach auf Gemeindehaushalt, Beschäftigung und Lebensqualität ein. Ein zweiter Schwerpunkt des Leitfadens ist die konsequente Verankerung von Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung. Regionale Vergaben verkürzen Transportwege, senken CO₂-Emissionen und erleichtern die Berücksichtigung von ökologischen und sozialen Kriterien. Der Leitfaden zeigt, wie Auftraggeber Lebenszykluskosten – also Anschaffung, Betrieb, Wartung und Entsorgung – in die Zuschlagsentscheidung einbeziehen können. Damit rückt der reine Billigstbieter in den Hintergrund – Qualität, Innovation und langfristige Wirtschaftlichkeit werden zum Maßstab. Das stärkt Unternehmen, die heute schon ressourcenschonend und sozial verantwortlich wirtschaften. 

Mit dem „Vergabeleitfaden NEU“ setzt die WKO Steiermark einen klaren Impuls für eine moderne, regional ausgerichtete Vergabepolitik. Die öffentliche Hand gewinnt Klarheit, welche Möglichkeiten das Vergaberecht tatsächlich eröffnet. Als nächste Schritte sind vertiefende Schulungen für Bürgermeister, Amtsleitungen und Beschaffungsverantwortliche geplant, um den Leitfaden rasch in der Praxis zu verankern. Weiters sollen Erfahrungen aus den steirischen Gemeinden systematisch gesammelt werden, um den Leitfaden regelmäßig zu aktualisieren. Weiters will man Impulse setzen, um regionale Vergabe- und Nachhaltigkeitsziele in Landes- und Gemeindestrategien festzuschreiben.

Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten kommt der öffentlichen Auftragsvergabe eine besondere Bedeutung zu. Der neue Leitfaden soll Gemeinden unterstützen, die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten im Vergaberecht bestmöglich zu nutzen, um damit einen echten Heimvorteil für die Region zu schaffen. Regionale Vergaben stärken die heimische Wirtschaft, sichern Arbeitsplätze und halten damit die Wertschöpfung vor Ort – das bestätigen auch die Zahlen der KMU Forschung Austria. Aus diesem Grund haben wir auch diesen Vergabeleitfaden initiiert. Ein enorm wichtiger Beitrag für die Zukunftsfähigkeit unserer Kommunen.

Der neue Vergabeleitfaden ist für uns ein wichtiger Schritt, um Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten und soziale Verantwortung konsequent in der öffentlichen Beschaffung zu verankern. Wenn wir bei Vergaben nicht nur den billigsten Anschaffungspreis, sondern die gesamten Lebenszykluskosten berücksichtigen, fördern wir Qualität, Innovation und langfristige Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig stärken wir verantwortungsbewusste Betriebe und machen nachhaltiges Wirtschaften zum Standard. Für die steirische Wirtschaft ist das ein echtes Zukunftsthema. Darum veranstalten wir am 24. Juni auch den WKO-Nachhaltigkeitstag.

„Das neue Vergaberecht 2026 bietet öffentlichen Auftraggebern mehr Flexibilität und schafft zugleich bessere Chancen für regionale KMU. Der überarbeitete Vergabeleitfaden der WKO Steiermark zeigt, wie diese Spielräume rechtssicher genutzt werden können. Regionale Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und fairer Wettbewerb schließen einander nicht aus, sie können sich vielmehr gegenseitig stärken. Ziel ist es, öffentliche Mittel möglichst wirksam für die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort einzusetzen und gleichzeitig eine moderne, effiziente Beschaffung sicherzustellen.

Die Gemeinde Lang investiert mit dem Umbau der Volksschule gezielt in die Zukunft unserer Kinder und unserer Region. Dabei ist es uns ein besonderes Anliegen, bei öffentlichen Bauvorhaben möglichst Firmen aus der eigenen Gemeinde sowie regionale Betriebe einzubinden und die Wertschöpfung vor Ort zu halten. Der neue Vergabeleitfaden unterstützt Gemeinden dabei, die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen und heimischen Unternehmen faire Chancen zu bieten. Kurze Wege, regionale Kompetenz und eine enge Zusammenarbeit mit unseren Betrieben stärken die lokale Wirtschaft, schaffen Arbeitsplätze und sichern Kaufkraft in der Region. Gerade beim Umbau unserer Volksschule zeigt sich, wie öffentliche Investitionen einen nachhaltigen Mehrwert für die Gemeinde und ihre Unternehmen schaffen können. Regionalität ist für uns nicht nur ein Schlagwort, sondern ein wichtiger Baustein einer verantwortungsvollen und zukunftsorientierten Gemeindepolitik.