Hier ist man sattelfest seit 100 Jahren
Anno 1926 gegründet, ist die Sattlerei Wechtitsch einer der wenigen Betriebe im Land, die das alte Handwerk noch beherrschen.
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100 Jahre – und wohl tausende Autos. Das ist die Bilanz, auf die die Grazer Autosattlerei Wechtitsch nach einem Jahrhundert Maßarbeit in der Werkstätte mit Stolz zurückblicken kann. Wir haben anlässlich des besonderen Jubiläums mit den Firmenchefs Michael und Sabine Wechtitsch einen Blick in den Betrieb im Bezirk Gries und in die Fotoarchive des Familienbetriebs geworfen.
Auf Schwarz-Weiß-Bildern zu sehen ist etwa Ladislaus Wechtitsch. Der Großvater des aktuellen Firmenchefs hat den erfolgreichen Betrieb anno 1926 ins Leben gerufen – damals freilich mit einem anderen Fokus, nämlich Kutschen. Später sattelte man buchstäblich auf Autos um, in zweiter Generation übernahm 1956 Sohn Robert das Unternehmen. Im wirtschaftlichen Aufschwung waren bis zu acht Mitarbeiter im Betrieb mit dem Reparieren von Verdecken oder dem Verkleiden von Armaturen und Böden beschäftigt. Maßarbeit, die bis heute gefragt ist. Und in die oft viele Arbeitsstunden fließen, wie der heutige Firmenchef Michael Wechtitsch weiß: „Für einen Oldtimer, der umfassend herzurichten ist, brauchen wir schon 200 bis 300 Arbeitsstunden.“ Drei Nähmaschinen liefern dem Meister seines Fachs dabei wertvolle Dienste, doch vieles muss in Handarbeit zugeschnitten und zerlegt werden. Millimetergenaue Maßarbeit erlaubt dabei nur minimalen Spielraum.
Seit drei Jahrzehnten steuert er nun schon den Familienbetrieb, in dem er von seiner Frau tatkräftig und mit viel Herzblut unterstützt wird. Nicht nur Oldtimer-Fans und andere „Benzinbrüder“ docken bei den Wechtitschs an, die in Graz längst eine Institution sind. Auch für Bootsbesitzer und Ärzte ist der Betrieb ein Begriff, werden dort doch auch Bootsverdecke repariert und Ordinationsstühle wieder neu gepolstert.
Nach 46 Jahren Maßarbeit in der Werkstatt rückt für den Firmenchef die Pension allmählich näher. Aktuell ist man auf der Suche nach einem Nachfolger, „doch die Suche ist schwierig und gleicht einer nach der Nadel im Heuhaufen“, gestehen die beiden ein. Trotz der Vorfreude auf ruhigere Zeiten blickt er doch mit viel Wehmut auf sein Lebenswerk zurück. „Wir möchten den Betrieb in verlässliche Hände legen, damit unsere Kunden weiterhin gut betreut werden.“
Ob Verdecke, Böden oder Armaturen: Michael Wechtitsch hat mit seiner Frau Sabine tausende Autos wieder auf Vordermann gebracht. Sein Großvater hat die Firma anno 1926 gegründet.