Jeden Tag gründen 14 Steirer eine Firma
Mit 5.184 Gründungen wurde erstmals die Grenze von 5.000 Neugründungen überschritten. Drei von ihnen holen wir hier stellvertretend vor den Vorhang: So unterschiedlich ihre Geschichten sind, eint sie der unternehmerische Mut, Neues zu wagen.
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Die anderen Buben wollten Polizist werden und ich schon von klein auf Dachdecker – so wie der Papa.“ Gesagt, getan. Rund 20 Jahre später hat der Grazer Nico Gamperl die Unternehmerprüfung und zwei Meisterbriefe in der Tasche – zunächst zum Spengler, dann zum Dachdecker. „Nach all den Ausbildungen wurde mir schlagartig klar, dass ich mich als Nächstes selbständig mache.“ Das war Mitte Dezember, seitdem ist der 24-Jährige Chef seiner GmbH in Graz-Straßgang – und damit einer von 5.184 Menschen, die im Vorjahr den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben. Noch nie zuvor wurden in der Steiermark so viele Unternehmen aus der Taufe gehoben, gegenüber 2024 ist das ein Plus von sechs Prozent. Auf die Steiermark entfallen damit 13 Prozent aller bundesweiten Neugründungen. Rechnet man noch die selbständigen Personenbetreuer dazu, waren es insgesamt sogar 6.113 Gründungen.
„Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist Gründen ein starkes Signal für Zuversicht und unternehmerischen Mut. Jede Neugründung schafft Perspektiven, sichert Arbeitsplätze und stärkt den Wirtschaftsstandort Steiermark nachhaltig“, zeigt sich WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk hocherfreut über den Gründungsrekord. „Wer heute gründet, investiert nicht nur in das eigene Unternehmen, sondern in die Zukunft unserer gesamten Region“, setzt er nach. Und so fällt unternehmerischer Mut in der Steiermark auf fruchtbaren Boden: Umgerechnet werden im Schnitt Tag für Tag 14 Unternehmen aus dem Boden gestampft.
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist Gründen ein starkes Signal für Zuversicht und unternehmerischen Mut. Jede Neugründung schafft Perspektiven, sichert Arbeitsplätze und stärkt den Wirtschaftsstandort Steiermark.

Josef Herk
Präsident WKO Steiermark
Die Gründungsstatistik der WKO fördert noch weitere spannende Details zu Tage: Die meisten Gründungen fanden im Bereich Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) mit zehn Prozent statt, gefolgt von Werbung und Marktkommunikation (7,6 Prozent). Auf Platz drei rangiert der Versand-, Internet- und allgemeine Handel (6,8), gefolgt von den Persönlichen Dienstleistern (6,6 Prozent) und dem Direktvertrieb (6,1 Prozent).
Auch Patrick Pongratz ist einer der Jungunternehmer, die sich als IT-Dienstleister in das Abenteuer Selbständigkeit gewagt haben. „Arbeit war noch nie so erfüllend wie jetzt“, sagt er vier Monate nach der Gründung. Die GmbH hat der 30-Jährige gemeinsam mit einem ehemaligen Arbeitskollegen – einem Tiroler – ins Leben gerufen. Mit Hochdruck arbeiten sie von ihren Büros aus daran, für ihre Kunden potenzielle Sicherheitslücken zu schließen. „Bei Hacker-Wettbewerben mit simulierten Angriffen konnte ich mir viel zusätzliches Know-how aneignen“, so der studierte Informatiker. Warum er sich für das unternehmerische Risiko entschieden hat? „Es macht mich stolz, dass wir eine eigene Firma auf die Beine gestellt haben und Kunden von unserer Leistung überzeugt sind. Und dass ich mir damit einen Namen machen kann.“
Die Selbständigkeit ist für immer mehr Menschen eine Option für ein zweites berufliches Standbein.

Markus Reiter
Leiter Gründerservice WKO Steiermark
Genau dieser Wunsch nach Eigenverantwortung und Flexibilität zeigt sich auch in der aktuellen Motivumfrage der WKO: Demnach gaben 80 Prozent der Befragten an, ihr eigener Chef sein zu wollen, gefolgt vom Wunsch nach flexibler Zeitgestaltung (76,7 Prozent) und dem Ziel der Einkommenssteigerung (66,7 Prozent). 63,3 Prozent möchten Verantwortung für das eigene Tun übernehmen, weitere 56,7 Prozent gaben an, immer schon selbständig sein zu wollen.
Nicht minder interessant ist ein Blick auf die Altersstruktur der Gründer: So beträgt das Durchschnittsalter bei den weiß-grünen Einzelunternehmen aktuell 36,4 Jahre. Mehr als ein Drittel aller Neugründungen wurde im Alterssegment zwischen 30 und 40 Jahren geschaffen. Bemerkenswert ist auch der hohe Frauenanteil: Mit 48,3 Prozent ist fast jedes zweite neu gegründete Unternehmen in weiblicher Hand. So auch jenes von Heidelinde Jaritz. Die 48-Jährige blickt auf ein „buntes Arbeitsleben“ als „Job-Hopperin“ zurück, wie sie sagt: „In den vielen Stationen in meinem Berufsleben habe ich viel gelernt, darunter auch, mir meine Flexibilität zu erhalten.“ Auf die Gründung im Bereich Personal- und Büroservice hat sie sich akribisch vorbereitet: „Ich habe nichts dem Zufall überlassen, einen Businessplan erstellt und mir nun einen Lebenstraum erfüllt.“ Mit ihrer eigenen Firma will sie nun auch bei kurzfristigen Ausfällen Bürolösungen anbieten – etwa Terminvereinbarung, Telefondienst und Social-Media-Aktivitäten abwickeln – und mit ihrem Personalservice Leiharbeitskräfte zur Verfügung stellen. Darin sieht die Grazerin viel Potenzial: „Ich liebe die Arbeit mit Menschen, höre gern Geschichten und entwickle gern Lösungen für Kunden.“
Für alle, die eine Gründung ins Auge fassen oder die nächsten Schritte im Business setzen wollen: Am 21. März geht im Messecongress Graz die Gründermesse über die Bühne.