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Commod House
© Commod House

Klein, flexibel und nachhaltig: So wird heute gebaut

Ein Eigenheim gehört für viele Menschen zum Lebensplan dazu. Doch Prioritäten verschieben sich: Statt großer Häuser, liegen aktuell kleine, flexible und nachhaltige Gebäude im Trend.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 16.11.2023
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Raus aus der Wohnung, rein ins Haus im Grünen: Für viele Menschen noch immer ein erstrebenswertes Lebensziel. Vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie war die Nachfrage nach Immobilien groß. Die Inflation und die strengeren Kreditvergaberegeln haben bei Häusl­bauern jedoch zu einer Verschiebung der Prioritäten geführt. Die Leistbarkeit ist zum entscheidenden Thema geworden. Da darf es bei den Quadratmetern auch gerne etwas weniger sein. 

Vorreiter im modularen Bauen

Die Grazer Architekten Michaela Maresch und Gerald Brencic haben diesen Trend schon früh erkannt. Bereits 2012 gründeten sie in der Landeshauptstadt die Commod-Haus GmbH und sind seitdem auf den Bau von mitwachsenden Modulhäusern spezialisiert. „Heutzutage ist Flexibilität auch beim Wohnen gefragt. Immer weniger Menschen wollen großes Haus, in dem sie 60 Jahre ihres Lebens verbringen“, erzählt Maresch. Das habe nicht nur finanzielle Gründe. Für immer mehr Häuslbauer sei es wichtig, nachhaltig zu bauen und die Bodenversiegelung so gering wie möglich zu halten. Mit individuellen Commod-Modulhäusern sei dies möglich, Zeitersparnis beim Bau inklusive.

Das Team vom Grazer Architekturbüro Commod House
© Commod House


Ein Modulhausprojekt dauere von der Planung bis zur Aufstellung rund ein Jahr. Die Produktion selbst belaufe sich auf nur drei Monate: „Wir produzieren alle Module aus Holz in einem Werk bei immer gleichbleibender Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Dadurch sind unsere Häuser qualitativ hochwertig“, ist Maresch überzeugt. Wie viele Module für ein Haus benötigt werden, hänge von der Größe und der individuellen Planung ab. Die Mindestquadratmeterzahl betrage 50 Quadratmeter.  Nach oben hin gebe es abhängig von der Baugenehmigung und Planung auch nachträglich keine Grenzen. Eben diese Flexibilität sei der größte Vorteil des modularen Bauens: „Wenn Kunden zu uns kommen, klären wir gleich zu Beginn ab, an welchen Stellen die Modulhäuser potenziell erweitert werden könnten. Jungfamilien können so beispielsweise mit dem Bau eines kleineren Hauses starten, um Kosten zu sparen, und das Haus dann nach und nach bei Bedarf erweitern. Das gleiche gilt für den Rückbau“, erzählt Maresch.

Sind die Module erst einmal fertig, geht es schnell: Der Aufbau am Grundstück mit Schraubfundamenten dauert nur drei bis sechs Stunden. Ein Konzept, das vielen attraktiv erscheint: Bisher konnte das Grazer Unternehmen österreichweit rund 100 Projekte realisieren. Derzeit setzt das Unternehmen auf Expansion: Im Sommer eröffnete man eine Zweigniederlassung in Paris, und auch in Deutschland möchte man bald Commod-Modulhäuser produzieren. 

Vollwertige Wohnhäuser und Büros aus Modulen

Auch in Weiz stehen die Zeichen auf Flexibilität. So startete die Firma Lieb Bau Weiz vor vier Jahren die Marke Lieb Modulbau und stellt seitdem in drei Produktionshallen in der Steiermark klassische Wohnhäuser, Erweiterungen und Module zur gewerblichen Nutzung her. Die Nachfrage sei groß, erzählt Geschäftsführer Martin Timischl:  „Der Trend geht in Richtung preiswertes Bauen. Jungfamilien verzichten auf allzu große Häuser und auch die ältere Generation will sich im Alter häufig verkleinern. Auf Wunsch können wir auch barrierefrei bauen.“  

Modulhaus
© Lieb Bau Weiz

Der Kreativität der Bauherren seien auch bei Lieb Modulbau keine Grenzen gesetzt: „Alle unsere Modulhäuser sind aus Holz gebaut und in alle Richtungen hin flexibel. Unser kleinstes Modul ist 15 Quadratmeter groß und besteht aus einem Raum und einer Sanitäranlage. Der Bau von bis zu drei Geschoßen ist problemlos möglich. Dabei setzen wir auf Qualität. Bei all unseren Bauten handelt es sich um vollwertige Häuser, die mit Campinghausmodulen nichts zu tun haben“, sagt Timischl. 

Doch nicht nur mit modularen Bauweisen lassen sich Wohnträume verwirklichen, auch Fertighäusergibt  es mittlerweile schon in kleineren und daher preiswerteren Ausführungen. Ein steirischer Spezialist auf diesem Gebiet, ist die Firma Malli mit Sitz in Graz. 1983 wurde das Familienunternehmen gegründet und ist von Beginn an auf Ziegelfertighäuser spezialisiert. Seit 2019 bietet man auch sogenannte Microlofts an. Dabei handelt es sich um Fertighäuser mit einer Größe von 58 bis 85 Quadratmetern. „Der Wunsch nach kleinen Häusern ist einfach da. Auch wir bauen Wände in Hallen und können dadurch eine hohe Qualität garantieren“, erzählt Geschäftsführer Otmar Malli. Die Nachfrage gibt ihm Recht: Neben der Steiermark ist das Unternehmen auch in Kärnten, Niederösterreich und im Burgenland mit Mikrohäusern vertreten, und auch das nächste Jahr stimmt Malli optimistisch: „Unsere Auftragslage ist gut.“  

Malli Fertighaus
© Malli
Hinweis
Zahlen rund ums Eigentum

- 50 Prozent der Österreicher wohnen im Eigentum. Das Einfamilienhaus ist nach wie vor die beliebteste Wohnform.

3,5 Prozent betrug die Teuerung bei Wohnungen zwischen dem dritten Quartal 2022 und dem zweiten Quartal 2023. 

107 Euro kostet derzeit im Schnitt ein Quadratmeter Baugrundstück in der Steiermark. Letztes Jahr konnte es noch für 99 Euro erworben werden.