Künstliche Intelligenz und Bakterien sanieren Böden
Der Familienbetrieb Sowatec reinigt kontaminierte Böden und Grundwasser mit eigener Technologie. Auch in China.
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Die Tankstelle an einer hochfrequentierten Ausfahrtsstraße im Norden von Graz ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Durch einen Fehler beim Befüllen der Tanks war Treibstoff bis zu zwölf Meter tief ins Erdreich eingedrungen.
Seit eineinhalb Jahren kümmert sich das oststeirische Unternehmen Sowatec um die Sanierung des kontaminierten Bodens. Das Projekt ist auf drei Jahre anberaumt. „Nach der Hälfte der Zeit haben wir bereits 80 Prozent Reinigungsleistung erreicht“, zieht Karl Putz zufrieden eine Zwischenbilanz.
2006 hat er Sowatec gegründet, heute führt der Absolvent der Universität für Bodenkultur (BOKU) das Kleinunternehmen zusammen mit seinem Sohn, einem Informatiker. Die Technologie basiert auf Bakterienkulturen, die die Schadstoffe im Boden und Grundwasser auf natürliche Art abbauen. In 70 bis 80 Prozent der Fälle werden dabei ohnehin vorhandene Mikroorganismen verwendet. Beim Rest wird auf eigens im Labor gezüchtete Bakterien zurückgegriffen. „Drei bis vier Bakterienstämme sind in jedem Boden enthalten. Sie werden kultiviert“, erklärt Putz: „Wir machen sie ,süchtig‘ nach den Schadstoffen.“ Im Fall der Grazer Tankstelle wurden die Bakterienstämme über acht Brunnenschächte in den Boden eingebracht. Dort „arbeiten“ sie unter ständiger Beobachtung.
Gastprofessur in China
17 bis 20 für die biologischen Abbauprozesse relevante Parameter wie Bodenfeuchte, CO2- und Methan-Gehalt, Luftdruck und Absaugegeschwindigkeit werden mittels modernster Sensorik permanent gemessen, analysiert und die Verhältnisse über eine eigens entwickelte Künstliche Intelligenz optimiert. Der Vorteil: Man erspart sich kostspieliges Ausbaggern, unter Tag wird saniert, an der Oberfläche kann der Betrieb normal weiterlaufen und die Anlage läuft CO2-sparend und energieautark.
15 Projekte hat man bereits erfolgreich abgewickelt – eines davon zwischen 2013 und 2018 in China. Das Auslandsengagement hatte zum einen eine Gastprofessur für Putz an der Universität in Shenyang zur Folge. Zum anderen konnte im Rahmen der steirischen Wirtschaftsdelegationsreise auch ein Vertrag für eine Generalzulassung der Technologie für den gesamtchinesischen Markt unterzeichnet werden. „Normalerweise sind Boden- oder Grundsanierungsarbeiten für ausländischen Firmen in China nicht erlaubt“, freut sich Putz. Jetzt plane man eine eigene Niederlassung in China.
Hauptsitz bleibt aber Schäffern am Fuße des Wechsels. Dort werden die in kleinen Baucontainern von einfachen Messinstrumenten gesammelten und über Satellitenleitungen übertragenen Daten überwacht und bearbeitet.