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ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober
© APA/picturedesk.com

Was die ÖSV-Präsidentin über Klimaschützer auf Pisten denkt

Der ÖSV gilt als wesentlicher Motor für den Wintersport und die Tourismuswirtschaft. Präsidentin Roswitha Stadlober über Klimaschützer auf Pisten, Leistung im Sport und hohe Liftkartenpreise.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 11.01.2024
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Wintersport, speziell Skifahren ist empfindlich teurer geworden. Binnen fünf Jahren sprang beispielsweise der Preis für eine Tageskarte von 51 auf über 70 Euro. Wie glücklich sind Sie mit dieser Entwicklung?

Roswitha Stadlober: Erstaunlicherweise redet man meist nur von den teuersten Skigebieten und Liftpasspreisen. Dass es attraktive Zeit- und Saisonkarten, kleinere und mittelgroße Skigebiete mit günstigeren Tarifen gibt, wird scheinbar bewusst nicht in den Vordergrund gestellt.

Dennoch: Haben Sie Angst, dass der Breitensport zum Luxusgut wird – und den heimischen Skivereinen der Nachwuchs wegbricht?

Das Preis-Leistungsverhältnis der Seilbahnen in Österreich ist gerade im Vergleich mit internationalen Skigebieten sehr gut. Für Vereine und Nachwuchsförderung braucht es weiterhin leistbare Angebote. Als Verband versuchen wir das zu unterstützen und bieten zum Beispiel all unseren Mitgliedern attraktive Ermäßigungen bei über 80 Seilbahnen und Liften in ganz Österreich an. Dass auf den Pisten weniger los sein wird, glaube ich nicht, denn Skifahren ist bei uns nach wie vor der beliebteste Freizeitsport im Winter.

Der ÖSV ist wesentlicher Multiplikator für die Wintersport- und Tourismuswirtschaft. Finden Sie angesichts der allgemeinen konjunkturellen Eintrübungen noch ausreichend Sponsoren oder spüren Sie Zurückhaltung?

Hauptaufgabe des ÖSV ist die Finanzierung des Hochleistungssports unserer 400 Athletinnen und Athleten in 15 Disziplinen. Dies gelingt uns dank unserer rund 50 Partner und Sponsoren, einem großartigen Team und der Tatsache, dass jeder verdiente Euro, beispielsweise Ticketerlöse von Heimweltcup-Events, in den Hochleistungssport investiert wird. Mit all unseren Sponsoren konnten wir im letzten Jahr die Verträge mittel- und langfristig verlängern. 

Viele Unternehmen klagen über einen beschädigten Leistungsbegriff in unserer Gesellschaft. Nehmen Sie das auch wahr?

Wir fördern Sportlerinnen und Sportler, die ihrer Leidenschaft nachkommen – Leistung steht hier ganz klar im Fokus. Das Team hinter den Athleten sieht sich als Dienstleister für das Erreichen der sportlichen Ziele.

Zu Beginn der alpinen Skiweltcupsaison gab es Kritik an Ort und Zeitpunkt des Auftakts am Gletscher in Sölden. Haben Sie Verständnis für die Proteste von Klimaschützern?

Als Veranstalter dieser Wettkämpfe sind uns faire und sichere Bedingungen für die Sportlerinnen und Sportler besonders wichtig. Um Fairness und Sicherheit sicherzustellen, appellieren wir daher an Klimaschützer, dass sie einzelne Sportevents nicht als öffentlich wirksame Bühne nutzen. Wir laden gerne ein, mit uns Lösungsansätze zu diskutieren und gemeinsam Handlungsfelder zu erarbeiten.

Wurde und wird man da zu Unrecht zur Zielscheibe?

Wir alle wissen, dass ein globales Problem wie die Klimaerwärmung nur durch einen gemeinsamen Kraftakt gelöst werden kann. Wir als ÖSV arbeiten an unseren Hausaufgaben in verschiedenen Bereichen. Klare, sinnvolle und nachvollziehbare Aktivitäten für die klima- und umweltpolitischen Herausforderungen sollten sachlich an einem runden Tisch mit zielführender Gesprächskultur geführt werden.

Wie sehr schadet dieses Sündenbock-Image dem Wintersport, aber vor allem auch der Wintersport- und Tourismuswirtschaft?

Nächtigungszahlen der Tourismuswirtschaft, Rekordumsätze einzelner Skifirmen oder auch Fakten und Studien von Skitourismusforscher Günther Aigner zeigen, dass der Wintersport ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in unserem Land ist. Die breite öffentliche Diskussion zeigt den hohen Stellenwert des Skisports in Österreich. Die öffentliche Diskussion darf nicht dazu führen, dass Menschen und vor allem junge Menschen im Land die Freude an der Bewegung in der Natur verlieren.

Wann soll der Skiweltcup 2024/25 starten?

Ein späterer Saisonbeginn und eine Verlängerung der Saison sind eine Option für die Zukunft, auch wenn die aktuellen Daten zeigen, dass das Interesse am Skifahren bereits im März rapide abnimmt. Dies macht es schwierig, Austragungsorte zu finden und eine angemesse Vermarktung zu gewährleisten. Weltcup-Rennen müssen monatelang im Voraus geplant und können nicht kurzfristig verschoben werden. Selbstverständlich verschließen sich die Bergbahnen, ÖSV und FIS nicht den klimatischen Entwicklungen und beharren stur auf diesem Termin Ende Oktober. Sollten die Wetterdaten auf einen anhaltenden Trend hinweisen, dass Rennen im Spätherbst abgesagt werden müssen, wird der FIS-Kalender mit Sicherheit entsprechend angepasst werden