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Das Cargo Center Graz
© CCG

Plus auf Kernmärkten trotz Gegenwind

Die steirische Exportwirtschaft musste zuletzt zwar Rückgänge hinnehmen, für 2026 dominiert aber sanfte Hoffnung.

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 15.01.2026

Vieles war angekündigt, manches  erlebte eine unvorhersehbare Eigendynamik, anderes entsprang erratischen Eingebungen, selten konnte man auf kalkulierbare Haltbarkeit setzen: Die globale Wirtschaft ist seit der Vereidigung von Donald Trump zum 47. Präsident der Vereinigten Staaten vor einem Jahr am 20. Jänner 2025 jedenfalls nicht mehr zu Ruhe gekommen. 

Zollregimes wurden auf- und wieder abgebaut, Sanktionen verabschiedet und wieder gelockert, Handelsabkommen auf- und angekündigt. Aktuell sorgen geopolitisch, vor allem aber wirtschaftsstrategisch befeuerte Annexionsfantasien Donald Trumps für Unruhe. Wie aus einer anderen Zeitrechnung gefallen wirkt da die Vollzugsmeldung des Mercosur-Abkommens, das die EU nach einem Vierteljahrhundert in trockene Tücher gebracht hat. Parallel schrumpft die ökonomische Schlagkraft Europas aber weiterhin kontinuierlich, bleiben die Konjunkturprognosen im besten Fall verhalten und die Sorgen um volkswirtschaftliche Kernfaktoren wie Inflation, Energiepreis oder Lohnstückkosten hoch. 

All diese Entwicklungen strahlen direkt auf Österreich ab und sind gerade auch in der exportorientierten heimischen Wirtschaft zu spüren. Der Gegenwind auf den Auslandsmärkten wird rauer.

Potenzial im Süden

So wurden in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres Waren im Wert von 14,1 Milliarden Euro aus der Steiermark exportiert. Die Warenausfuhren sanken damit von Jänner bis Juni 2025 gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr davor um 2,8 Prozent oder 408 Millionen Euro (2024: 14,5 Milliarden Euro), zieht Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer eine Zwischenbilanz. Dennoch gab es auch positive Entwicklungen, etwa bei den Exporten in den gesamten EU-Raum, konkret nach Deutschland (plus 2,2 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro). „Unsere Betriebe beweisen hohe Widerstandskraft in Kernmärkten, wo wir durch die neu entstandene Wirtschaftsregion ,Area Süd‘ auch neue Wachstumschancen haben“, setzt Manfred Kainz, Obmann des Landesgremiums Außenhandel in der Wirtschaftskammer Steiermark, Hoffnungen in einen zuletzt sanft rückläufigen Markt. So gingen die Exporte Richtung Italien in den Monaten vor der Koralmbahneröffnung um 1,6 Prozent auf 907 Millionen Euro zurück. Im Gegensatz dazu gab es Richtung USA zwischen Jänner und Juni 2025 ein Plus von 2,1 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zu verzeichnen – wobei die positiven Zahlen für den nordamerikanischen Markt aber noch von Vorzieheffekten in Hinblick auf von Donald Trump schon in seinem Wahlkampf angekündigte Einfuhrverschärfungen überprägt wurden. Für das zweite Halbjahr 2025 rechnet der Leiter des Internationalisierungscenters Steiermark (ICS), Karl Hartleb, dagegen mit einem signifikanten Rückgang (siehe Ausblick weiter unten).


 

Besonders hohe Rückgänge gab es hingegen schon Anfang des Jahres bei steirischen Exporten nach China (minus 44,4 Prozent auf 450 Millionen Euro) und Großbritannien (minus 43,1 Prozent auf 375 Millionen Euro). In beiden Fällen waren vor allem Fahrzeuge und Fahrzeugteile für den hohen Rückgang verantwortlich. 

Expo-Effekt bei Japan

Den größten Zuwachs bei den Märkten verzeichnete Japan mit plus 94 Millionen Euro, den stärksten Rückgang China mit minus 359 Millionen Euro. Was kommt? Die anhaltenden geopolitischen Verwerfungen machen seriöse Prognosen für 2026 schwer, gesteht Kurt Maier, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark. Gerade angesichts der anhaltenden Unruhe fordert Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk von der Politik Reformen: „Denn nur so können wir Export, Beschäftigung und Wertschöpfung langfristig absichern.“


AUSBLICK

Es ist zu erwarten, dass sich der Rückgang im ersten Halbjahr 2025 in der Gesamtbilanz für das vergangene Jahr fortschreiben wird, weil es vor allem Richtung USA Rückgänge gegeben hat. Eine zentrale Frage wird daher sein, wie wir mit dieser latenten Unsicherheit weiter umgehen. Für das heurige Jahr liegt der Fokus daher weiter auf Diversifizierung. Neben der Fortsetzung der Marktbearbeitung in Indien und China steht vor allem auch Europa im Fokus. Deutschland entwickelt sich aktuell nicht schlecht, wir haben aber auch die anderen Nachbarn im Blick: So verstehen wir Italien als verlängerte ,Area Süd‘ und in Serbien wollen wir über die Expo 2027 einen Fuß in die Tür bekommen. 

Wenn es so bleibt, wie es im  vergangenen Jahr gelaufen ist, wäre das positiv. Manche Bereiche entwickeln sich zwar sehr positiv, aber die wirtschaftliche Gesamtgemengelage bleibt weiter labil. Wir sind weiterhin sehr stark von  Deutschland abhängig. Deshalb müssen wir offen sein für andere Märkte, so bleiben die USA wichtig – selbst wenn es die Zollpolitik der aktuellen Administration Exportunternehmen in ihrer Planung nicht gerade leicht macht. Umso wichtiger wäre es, dass sich die EU auf ihre Stärken besinnt und beispielsweise Mindeststandards festlegt, die vorschreiben, dass ein gewisses Maß an Wertschöpfung bei Produkten aus Europa kommen muss. So machen es andere Wirtschaftsmärkte ja auch.

Nach dem Canossagang zuletzt gibt es jetzt Licht am Ende des Tunnels. Den Unternehmen fehlt es jedenfalls nicht an Willen und Erfindergeist, was sie jedoch gerade auch für den Export brauchen, sind entsprechende politische Rahmenbedingungen in Österreich, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Export sind und bleiben die USA ein wichtiger Handelspartner. Angesichts der Unruhe, die von dort ausgeht, muss man seine Fühler aber auch in andere Regionen ausstrecken. Der Mittlere und Nahe Osten erlebt so ein Revival – beziehungsweise sind wir weiterhin von Deutschland abhängig: Wenn unser wichtigster Exportmarkt verkühlt ist, bekommen wir eine Grippe.

2026 wird außergewöhnlich. Nach einem schon sehr erfreulichen vergangenen Jahr setzt sich die extrem dynamische Entwicklung fort. So ist die größte deutsche Reederei Hapag-Lloyd erstmals in der Adria aktiv und hat beim Aufbau ihrer Lieferketten das CargoCenter Graz als zentralen Hub Richtung Osteuropa gewählt. Das wird weiteres Wachstum bringen, wiewohl wir auf verschiedenen Routen schon an Kapazitätsgrenzen stoßen. So ist es auf der Linie Graz-Koper zum dortigen Hafen auch aufgrund seiner beschränkten Kapazitäten schon eng. Generell sind die allgemeinen wirtschaftlichen Verwerfungen auch im Containergeschäft spürbar: Die Zahl der Kunden sinkt zwar nicht, aber deren Volumina werden kleiner.