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drei Meisterinnen mit Urkunden
© Foto Fischer

Positive Bilanz bei Lehrlingen und Meistern

549 Meister- und Befähigungs­prüfungen sowie fast 5.300 Lehr­abschlussprüfungen wurden im vergangenen Jahr erfolgreich abgelegt. Diese Qualifizierungsmaßnahmen stärken Unternehmen und denStandort, betonen Experten.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 26.01.2024
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Auch wenn das konjunkturelle Umfeld angespannt ist und Prognosen der Wirtschaftsforscher mittelfristig nur eine zarte Verbesserung in Aussicht stellen, hält der Ruf der Unternehmen nach Fachkräften an. „Den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit Qualifikation und folglich Qualität entgegenzutreten, ist demnach genau der richtige Weg“, ist Josef Herk, Präsident der WKO Steiermark, überzeugt. Sowohl in der Gruppe der jungen Berufseinsteiger als auch am oberen Ende der Ausbildung scheint diese Botschaft angekommen zu sein: Weder die Zahl der Lehrlinge noch jene der erfolgreich abgeschlossenen Meister- und Befähigungsprüfungen ist 2023 signifikant zurückgegangen. 

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 549 dieser höchsten Berufsabschlussprüfungen abgelegt – 252 Meister- und 297 Befähigungsprüfungen.  Zum Vergleich: 2022 waren es 253 beziehungsweise 343. Im Fünf-Jahres-Vergleich zeigt sich dabei nach einem deutlichen Anstieg in den Corona-Jahren wieder ein Einpendeln auf dem Niveau von 2019. Wenig Veränderung gab es auch im Ranking der diesbezüglich populärsten Berufe (siehe Grafik unten). Die meisten Meister im Handwerk gibt es bei den Kfz-Technikern, bei den Befähigungsprüfungen liegen die Elektrotechniker in Front. 




Zug zu Verantwortung

„Die generelle Bereitschaft zur fachlichen Weiterbildung ist wichtig für die steirischen Unternehmen und damit für die Konkurrenzfähigkeit des  gesamten Wirtschaftsstandorts“, betont Herk. Für Christian Kolbl, neuer Leiter der Meister- und Lehrlingsstelle in der WKO Steiermark, sind die Zahlen Beweis für das anhaltend ausgeprägte Bewusstsein für den Wert beruflicher Qualifikation – „insbesondere im Hinblick auf die Übernahme von Führungsverantwortung in einem bestehenden Betrieb oder mit Fokus auf eine Unternehmensgründung“. 

Gestützt wird diese These durch eine Untersuchung des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft über die Motive für die Ablegung der Prüfung: Die Steigerung der fachlichen Kompetenz (trifft bei 69 Prozent stark zu) sowie die Aussicht auf eine bessere Position am Arbeitsmarkt (50 Prozent) beziehungsweise eine höhere Position im eigenen Unternehmen (36 Prozent) werden als stärkste Antriebsfaktoren genannt. 40 Prozent geben die Gründung eines eigenen Unternehmens als Hauptgrund an.

Lehrlinge in 170 Berufen

„Neben der individuellen Weiterentwicklung sind die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen auch ein sichtbarer Qualifikationsnachweis für die Unternehmen, und auch die Konsumenten profitieren von erstklassiger Arbeit auf höchstem Niveau“, fasst Hermann Talowski, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, diese Ergebnisse zusammen. Für ihn ist die Meister- und Befähigungsprüfung damit „weiterhin eine zukunftssichere und stabile Aktie am Weiterbildungsmarkt“. Der Einstieg in diesen Markt wurde kürzlich im Rahmen einer Meisterbriefverleihungsgala im Grazer Congress gefeiert.

Noch vor diesem krönenden Abschluss ihrer Berufsausbildung stehen jene 4.787 jungen Steirerinnen und Steirer, die im vergangenen Jahr ihre Lehrausbildung begonnen haben.  Das entspricht 42,3 Prozent der 15-jährigen Wohnbevölkerung. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es nur 40,8 Prozent.  Entsprechende Initiativen und Attraktivierungsmaßnahmen zeigen demnach Wirkung. So haben rund 1.900 steirische Jugendliche im vergangenen Jahr das Angebot genutzt, während beziehungsweise im Anschluss an ihre Lehre kostenlose Berufsmatura-Vorbereitungskurse zu besuchen. Insgesamt steigt das Interesse an Lehrberufen damit  langsam, aber es steigt. So ist die Gesamtzahl der Lehrlinge in der Steiermark zuletzt um 43 auf 15.318 gestiegen –  ein Plus gegenüber 2022 von 0,3 Prozent. Bundesweit gab es insgesamt einen sanften Zuwachs von 0,2 Prozent auf 108.266 Lehrlinge. (Hier gibt es einen Überblick über alle Lehrlingsstatistiken)



Die steirischen Betriebe bilden damit knapp über 14 Prozent aller österreichischen Lehrlinge aus, wobei die Vielfalt an Lehrberufen so groß wie noch nie ist. Allein in der Steiermark gibt es Lehrlinge in 170 Berufen. „Obwohl das vergangene Jahr kein einfaches war, hat die Ausbildung junger Fachkräfte in den Betrieben Priorität“, ist Herk zufrieden. Aus der Unternehmerschaft werde sogar ein höherer Bedarf gemeldet, als er vom Markt gedeckt werden kann.  Laut Daten des AMS waren Ende letzten Jahres 1.066 Lehrstellen sofort verfügbar. Diesen standen aber nur 851 Lehrstellensuchende gegenüber. 

Flaschenhals droht

Ein Grund für die Lücke ist nicht zuletzt die demografische Delle durch äußerst geburtenschwache Jahrgänge. Hier drohe mittelfristig ein echter Flaschenhals, warnen Arbeitsmarktexperten nachdrücklich, womit umgekehrt die betriebliche Lehre immer wichtiger werde. Auch auf dieser Ebene der Berufsausbildung gibt es Erfolgsmeldungen: So wurden 2023 in der Steiermark 5.275 Lehrabschlussprüfungen positiv abgeschlossen, ein Fünftel davon mit ausgezeichnetem Erfolg.